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16

„Die Kunstauktion“

Jahrg. III, Nr. 45 vom 27. Oktober

NACHRICHTIN


ERALL




Herausgeber und' Schriftleiter: Dr. J. I. v o n S a x e. Verantwortlich für die Redaktion: Dr. Eckart von Sydow, Berlin; für den Anzeigenteil: F r i.t z-E d u a r d Hartmann, Berlin. Nachdruck 0^9
mit Einverständnis unseres Verlages gestattet. — Haftung für unverlangt eingesandte Manuskripte wird nicht übernommen. Rücksend, nur, wenn Porto beigefügt. Druck: H. S. Hermann G. m. b. H., BerlinS’’

Alt-Lübecker Meisterwerke
in Estland
Die künstlerischen Beziehungen zwischen
der Hansestadt Lübeck und den baltischen
Ländern während des Mittelalters und der
Renaissance haben durch eine neuerdings ge-
machte Entdeckung in Estland eine weitere
Bestätigung erfahren. Im Kirchspiel St. Niko-
laus in Nordestland wurde ein Altar gefunden,
dessen künstlerischer Wert den der drei ein-
zigen, in Estland noch vorhandenen Altäre
beträchtlich übersteigt: handelt es sich doch
nach der Meinung der Sachverständigen um
eine Arbeit des Lübecker Meisters Henning
von der Heide aus der Zeit um 1500, die enge
Verwandtschaft mit seinen Holzskulpiuren in
der Marienkirche zu Lübeck aufweist und da-
mit das Oeuvre dieses aus nur wenigen un-
versehrt erhaltenen Skulpturen bekannten
Meisters um ein Hauptwerk vermehrt. Es
handelt sich bei dem estnischen Altar um einen
dreiteiligen Flügelaltar, dessen Mittelteil die
Gestalten der Muttergottes mit Kind und der
Heiligen Nikolaus und Johannes mit noch ur-
sprünglicher Fassung zeigt, während die Flügel
mit 1598 restaurierten Malereien versehen
sind.
Historisches Reichsimiseum
in Frankfurt a. M.
Die Verwirklichung des von der alten
Kaiserstadt Frankfurt a. M. geplanten Histori-
schen Reichsmuseums zur Veranschaulichung
sämtlicher Phasen der deutschen Geschichte
kann erst in Angriff genommen werden, wenn
an Stelle der dafür in Aussicht genommenen
Paulskirche, die von der Eigentümerin, der
Stadt Frankfurt, der evangelischen Gesamt-
kirche überlassen wurde, neue Räume bereit-
gestellt werden. In Betracht kommt für dieses
Museum das frühere Thurn und Taxissche
Palais in der großen Eschenheimer Straße oder
das Deutschordenshaus an der Alten Brücke.
Die Generaldirektion der Frankfurter Museen
wird zweifellos diese Angelegenheit von
nationaler Bedeutung gegenüber mehr lokalen
Fragen in den Vordergrund stellen.
Jugendwerk Grünewalds
Die Stadtkirche von Männerstadt in
der Rhön besißt vier auf Holz gemalte Bilder
mit Szenen aus der Legende des hl. Kilian,
des fränkischen Apostels. Sie dürften im
lefeten Jahrfünft des 15. Jahrhunderts ent-
standen sein. Wie wir hören, glaubt Dr. Heinz
Braune, früher Museumsdirektor in Bres-
lau, in ihnen Jugendarbeiten Matth. Grüne-
walds wiedergefunden zu haben.
Ro sa Bonheur-Museum
Rosa Bonheur, die bekannte Tiermalerin,
hat jefct ein eigenes Museum erhalten oder
doch wenigstens ein paar Räume, die ihrem
Andenken gewidmet sind, und zwar im Palast
zu Fontainebleau. Hier hat man einige
ihrer Arbeiten und persönliche Erinnerungs-
gegenstände zusammengestellt.
Unterirdische Schauräume
des Louvre
Die Überfüllung des Louvre mit Kunst-
werken ist allgemach erschreckend, um
nicht zu sagen katastrophal grob geworden,
überall in seinen Räumen stehen die Werke
gedrängt beieinander. Bei den Gemälden
mag dies für einige Zeit erträglich erscheinen
— war doch das enge Nebeneinander in früheren
Epochen sogar eine beliebte Methode, die
Wände zu dekorieren. Unerträglich aber ist
dieser Zustand bei den Skulpturen. Die
12 Louvresäle mit Skulpturen des 18. Jahrhun-
derts sind überfüllt, und gepfropft voll sind
ebenso die Räume des Mittelalters und der
Renaissance. Nicht viel besser steht es mit
der antiken Plastik.
In dieser Notlage sind verschiedene Vor-
schläge gemacht worden. So hat man z. B.


Vei

lag bis
Deutsc
Berlin

die auf dem Gebiete der zeitgenössisch6
Architektur zweifellos eine besondere Stel
lung einnimmt, mit Recht gespannt sein.

Antike Möbel vom 15. bis 18.Jahrhundert
Tapisserien, Plastik, Gemälde, Porzella,ie
altes hochwertiges Kunstgewerbe
jeder Art

Zacharie Birtschansky
PARIS, 88, FAUB. ST-HONOR^
(en face de l’Elysee)
TEL. ELYS. 17-02
Tableaux * Meuble9
Objets d’Art
Verkauf an Händler

Neuer Direktor der Wiesbadener
Gemäldegalerie
Zum Direktor der Gemäldegaleri c "J.
Wiesbaden ist der bisherige Kustos ce
Staatlichen Kunstsammlungen in Weim0^
Dr. Freiherr Eberhard Schenk z
Schweinsberg berufen worden. Freih6!^
Schenk zu Schweinsberg hat u. a. das
marer Schloßmuseum, dann das Rokokomus6^
um des Schlosses Belvedere eingerichtet 0tl
durch mannigfache kunsthistorische VorträS
das Kunstinteresse angeregt.

MALMEDE»GEISSENDÖRFER
KÖLN a. Rh.
Unter Sachsenhausen 33

Stresemann-Trauerfeier
Eine Reihe Berliner Künstler, wie Hübn6fl
Heckendorf, Bato, Röhricht, Spiero, haben 06 Man a
Verlauf der Trauerfeier für den verstorben6 , ar se
Reichsaußenminister Dr. G. Stresemann ’
Bilde festgehalten. Die Deutsche Ku ns’,
gemeinschaft hat diese Arbeiten zU ,
sammengestellt; am Mittwoch, den 23. Oktobe j1
ist diese Sonderausstellung im Schloß eröffn
worden.

Auf Umwegen
Caillaux unterhielt sich einmal mit eineIJJ

UNTER KOLLEGE^
Der zerstreute Analole France
Anatole France war bekanntlich sehr z6jj
streut. Sobald ein Schriftsteller in Frankrei0 tt
nur ein wenig berühmt wurde, seßte er all6
in Bewegung, um in den Salon der Prinzess1
Mathilde-Napoleon eingeladen zu werdet") •
Die Einführung Anatole Frances war von Ul )ß]
sonderer Bedeutung. Einige Tage sp0U
sehen die Gäste der Prinzessin, als man s|CL
Punkt % 8 Uhr zu Tisch seßen wollte, In ein
8 Uhr Anatole France erscheinen, der s|CU. bis 2
vor Entschuldigungen über sein Zuspätkohi ) j r e f
men beinahe krümmte. Schließlich seßte 011Cx r(;c|erik
er sich zu Tisch und kurze Zeit darauf unteMej^g v
hielt er die ganze Tafel mit dem CharH1 tlrn yef
seines Geistes. Am Ende des Diners flüster* *^ hternati«
die Prinzessin einem sehr intimen Gast iUeitgehe
Ohr: „Dieser gute Anatole France, der sCfJohl in
eben entschuldigte, eine halbe Stunde zu sP^eltenhe
gekommen zu sein, ahnt nicht, daß er 8 T09 V
zu früh gekommen ist, denn er war für he01 jfeye e
überhaupt nicht eingeladen.“
*

9,fcüige M
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pr. Jec
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Jerg , ■
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spanischen Minister über die Finanzschwieny dingenc
keiten Frankreichs. Der Spanier meinte: "Affiger t
habt in Eurer Sprache nur ein einziges W0 -artigen
für „Pleite“, während es in Spanien e> |[3iicken
22 verschiedene Ausdrücke gibt. DeshU |jas ]-
konnten wir alle Krisen beschwören, weil " Aenfaie
sie nicht beim Namen nennen mußten.“ ^rignole
# mlienisc
Anbei 1
Dementierte Wunderkur "de d-
■t>»nAssen k
Der englische Arzt Hill hatte zum zwel!te/ ling mi
mal von der königlichen Akademie der
dizin, wo er aufgenommen werden wollte,
Ablehnung erfahren. Kurze Zeit danach 3an.j,f
er der gelehrten Gesellschaft einen BerLeji Ant
über eine wunderbare Heilung, die ihm 00 Ansi
gelungen war. „Ein Matrose hatte sich 0
Bein gebrochen. Ich habe die beiden Ca:',
des zerbrochenen Beins zueinander getan 0 |
— nachdem ich sie mit einem Bindfaden
verschnürt hatte, übergoß ich das ganze
Pechwasser. Der Matrose hat in ganz ,
Zeit die Wirksamkeit des Mittels empfup ‘‘ .
Er bedient sich heute seines Beins wie Rjy'jcr 'M PF
— Man diskutierte über die Wirksamkeit j$
Behandlung und wollte schon das Erge^i
veröffentlichen, als ein zweites Schreiben
Dr. Hill eintraf: „In meinem lebten BriefAfi6
gaß ich Ihnen mitzuteilen, daß das gebrocn
Bein des Matrosen ein Holzbein war.“
*

die Überdachung von Höfen vorgeschlagen,
um so Raum für ägyptische, griechische und
römische Skulpturen zu finden.
Das radikalste Projekt aber ist wohl das
von zwei Architekten, Rob. Martine und
J. Marie, die eine Ausdehnung des Louvre
in die Tiefe vorschlagen. Sie denken sich
unterhalb der Cour Carree ein ausgedehntes
System von Sälen, überdeckt von starkem
Glasdach — und zwar 4 große Hallen oder
12 Galerien.
Diese Entwürfe, von denen der New York
Herald ein paar Blätter reproduziert, wirken
verführerisch. Aber -man darf bezweifeln, ob
sie jemals sich werden verwerten lassen. Ist

Zentralgebäude der russischen Konsum-
genossenschaften in Moskau, ihre Verwirk-
lichung finden, nachdem Le Corbusier aus
dem internationalen Wettbewerb, zu dem auch
Bruno Taut und Peter Behrens eingeladen
waren, als Sieger hervorgegangen ist. Das
Zentrosoyus wird mit seinen für 2500 Ange-
stellte berechneten Bureauräumen, Versamm-
lungssälen, Klubzimmern, Bibliothek- und
Sporthallen den größten Neubau im Rußland
der Nachkriegszeit darstellen. Die Eisen-
betonkonstruktion wird die lebten Konse-
guenzen aus dem Material und den modernen
technischen Errungenschaften ziehen. Je nach
den Bedürfnissen sind die Wände aus Glas

schon der Gedanke eines unterirdischen
Museums eine Idee, die mit der -herkömmlichen
Vorstellung eines Museums in Widerspruch
steht, so dürfte er in diesem Falle, wo es sich
um das repräsentativste Museum der Welt
handelt, auf radikale Ablehnung stoßen.
Le Corbusiers „Zentrosoyus“
Wie der Schweizer Kunsthistoriker und
Kritiker Dr. S. Giedeon mitteilt, werden nun-
mehr die von Le Corbusier und Pierre
J e a n n e r e t für die Neuerrichtung des
Völkerbundgebäudes vorgeschlagenen Kon-
struktionspläne im „Zentrosoyus“, dem

oder Beton. Die Glaswände, die vor allem die
geräuschvollen Straßenfronten beherrschen,
bestehen aus einendoppelten Glasschicht, inner-
halb deren durch Ventilatoren ein Luftdurch-
zug bewerkstelligt wird, der die Temperatur
im Sommer und Winter gleichmäßig auf 18°
Celsius hält. An die Stelle der Lüftung tritt
die sog. Aeration ponctuelle, d. h. eine Aus-
sendung bestimmter Mengen frischer Luft aus
ingeniös angeordneten Verteilungsdüsen, wo-
durch die Fenster entbehrlich werden. Beide
Systeme sind bereits mit Erfolg in Frankreich
zur praktischen Anwendung gebracht worden.
Man darf auf die Neuschöpfung Le Corbusiers,

Bronzebecken auf drei Tr-agfiguren
43,8 : 26,7 (D.) cm — China, Ts’ing-Epoche
Dr. Otto Buirchard & C-o., Berlin
Bassin de bronze sur trois figures
43,8:26,7 (Di) cm — Chine, Ep. Ts'in
Dr. Otto Burchard <5* Co., Berlin

E. CASSIRER
G. M. B. H
Möbel
Alt-China
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Berlin W 62 / Nettelbeckstr. 23
 
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