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12

„Die Kunstauktion'

fällig. III, Nr. 50 vom 15. Dezember 1^2 „
Jan

NACHRICHTEN


ERALL

V ersteigerung
der Sammlung Figdor
in Berlin
Es scheint nunmehr endgültig festzustehen,
daß die erste der geplanten vier Versteigerun-
gen der Sammlung Figdor-Wien, über die wir
in Nr. 28 berichtet haben, nicht in Wien,
sondern in Berlin stattfinden wird. Die Ver-
handlungen darüber sind zwischen den Wiener
Behörden und den Berliner Kunsthändlern
N ebe ha y und Heilbronner noch im
Gange. Die Leitung der Auktionen liegt außer
bei den Wiener Firmen Glückselig und
Artaria in den Händen des Hauses Cas-
s i r e r - Berlin.
Einrichtung des
Deutschen Museums
In größeren und kleineren Zwischenräumen
erfährt man einiges über die fortschreitende
Ausstattung des künftigen Deutschen Museums,
also des Messeibaues am Berliner Museums-
forum. Neuerdings werden die großen Bild-
werke eingefügt, die einen besonders ein-
drucksvollen Schmuck der Sammlung dar-
stellen werden und die zum größten Teil der
Öffentlichkeit unbekannt geblieben sind. Eines
dieser Prunkstücke wird jeßt in den „Berliner
Museen“ besprochen. Es ist dies ein fast
4 m hoher Kamin aus der Zeit des deutschen
Frühbarock, der im Husumer Schloß stand, —
um 1615 ist er von dem Kieler Steinbild-
hauer Henni Heidtrider aus Alabaster und
Sandstein errichtet worden. Er ist reich mit
figürlicher und Relief-Plastik ausgestattet, die
u. a. Freifiguren des Perseus und der Andro-
meda, Reliefs der Juno, ferner des Kampfes
zwischen Leben und Tod usw. zeigt. Von dem
Meister weiß man, daß er aus Hamburg oder
aus seiner Umgebung stammte, und daß er
1640 noch Alabasterbildwerke für den Hoch-
altar der Katharinenkirche geliefert hat. Unter
den Künstlern des deutschen Frühbarock wird
man nach der Berliner Arbeit dem Kieler
Meister einen der ersten Pläße zubilligen
müssen, — unmittelbar neben seinem großen
Landsmann Münstermann.

Alt-Potsdamer Ansichten
Friß Rumpf, ein Potsdamer Maler, der
im Sommer dieses Jahres starb, hinterließ eine
sehr umfangreiche Sammlung Potsdamer
Ansichten, seiner Gebäude und sonstiger
Sehenswürdigkeiten in Stichen, Lithographien,
und auch einigen Ölbildern. Jcßt ist die
einzigartige Sammlung von der Gesellschaft
der Freunde der Preußischen Staats-
bibliothek für diese erworben und der
Kartenabteilung überwiesen worden, die da-
durch auf dem bisher nur verhältnismäßig
schwach vertretenen Gebiet an die erste Stelle
treten dürfte.

Liegnitzer Museum
Das Liegnißer Schloß, das vom 12. bis
17. Jahrhundert den plastischen Herzögen als
Residenz diente, soll jeßt zu einem Museum
eingerichtet werden, in dem man Erinnerungen
an die Vergangenheit Schlesiens, vor allem
aus der Piastenzeit, sammelt.
Moderner Saal
im Breslauer Museum
Dr. E. Wiese, der neue Direktor des Bres-
lauer Museums der Bildenden Künste, hat nach
der Entfernung eines großen Gemäldes Anton
von Werners einen großen Saal des oberen
Stockwerks seines Museums in eine Anzahl
Kojen aufteilen lassen. Hier vereinigte er,

MALMEDE & GEISSENDÖRFER
KÖLN a. Rh.
Unter Sachsenhausen 33
Antike Möbel vom 15. bis 18. Jahrhundert
Tapisserien, Plastik, Gemälde, Porzellane
altes hochwertiges Kunstgewerbe
jeder Art

Zacharie Birtschansky
PARIS, 88, FAUB. ST-HONORß
(en face de l'Elysee)
TfiL. ELYS. 17-02
Tableaux * Meubles
Objets d’Art
Verkauf an Händler

was das Museum an Werken neuer und jüng-
ster Malerei als Leihgabe oder an Eigenbesiß
enthält. Von M. Liebermann finden wir ein
Bildnis Gerhart Hauptmanns, — von Hugo von
Habermann einen weiblichen Akt, — von Edv.
Munch ein Dorfbild, — von Hofer, Schmidt-
Rottluff, Klee, Matisse, Leger, Picasso, Kan-
dinsky usw. charakteristische Arbeiten. Die
schlesischen Maler, also Künstler, die in
Schlesien gebürtig sind oder dort wohnen, sind
durch Arbeiten von Spiro, Meidner, Otto
Müller, Oskar Moll, Mense, Kanoldt, Nerlich,
v. Kardorff usw. vertreten.
Greco-Fund in Rußland
Im neuen Museum für dekorative Kunst in
Moskau ist jeßt das Bildnis des Rodrigo
Vazguez aufgestellt worden, das Greco in

nissen durchaus überraschend war. Nichts
hätte näher gelegen, als zu denken, daß die
prächtigen Tassen der Rokokozeit bevorzugt
werden würden. Doch dem war nicht so. Im
Gegenteil: an erster und dritter Stelle standen
ganz schlichte Tee-Tassen von W. C. Wegely
(1755) und an zweiter Stelle eine einfache
Empiretasse. — Also zeigte sich auch auf
diesem Gebiet die allgemeine Tendenz des
künstlerischen Geschmackwandels: der Wille
zur sachlich-klaren, gut proportionierten Ge-
brauchsform.
Verein für Kunstwissenschaft
Unter Wiederwahl der bisherigen Vor-
standsmitglieder hat der Ausschuß des Deut-
schen Vereins für Kunstwissenschaft, der be-
kanntlich u. a. die „Denkmäler der deutschen


Eil. Manet, Entwurf zum Bildnis von Mme Manet
100 : 79 cm — Smlg. Mme M k n a r d - D o'r i a n T — Kat. Nr.. 12.
Brachte rund 34 400 M. (m. Aufschi.) auf der Versteigerung in Paris
Galerie G e o r g e s P e t i t
durch Me H. B a u d o i n und MM. Bernheim Jeune, Mannheim
am 2. Dezember 1929
Ed. Manet, Esquisse du portrait de Mme Manet
ioo : Q7 cm — Coll. Mme Mdnard-Dorian — No T2 du Cat.
Adjugde environ 206 600 frs. (av. frais) ä Paris, Galerie Georges Petit
Par Me H. Baudoin et M. M. Bernheim Jeune, Mannheim
le 2 Ddcembre 1929

seiner leßten Zeit, gegen 1610, malte und
dessen Gegenstück, ebenfalls ein Vazguez-
Porträt, im Prado zu Madrid hängt. Dies neue
Gemälde von Greco stammt aus der Samm-
lung der Fürstin Scheremetieff, wo es von
L. Rosenthal, dem Direktor des Museums von
Nischni-Nowgorod, entdeckt wurde.

Kunst“ herausgibt, den Vorstand der Vereini-
gung in folgender Weise ergänzt. An die
Stelle von W. v. Bode tritt Geh. Rat W.
Waeßoldt, der Generaldirektor der Staatlichen
Museen, — Waeßoldts Stelle wird Geh. Rat

Zimmermann, der erste Direktor des German1'
sehen Nationalmuseums in Nürnberg, e‘nj
nehmen. Zum „Beisißer“ wurde Mimsteria!’3
Dr. E. Gall gewählt. In den Ausschuß ka”1
u. a. Prof. A. E. Brinckmann von der Köln6
Universität.
Geheimrat Dr. Paul Seidel f
In Berlin starb im Alter von 72 Jahren de’
bekannte Museumsfachmann und Kunsthist0'
riker Geheimrat Professor Dr. Paul Seide1,
der bis zum Umsturz als Leiter der Kuns’'
Sammlungen der Berliner Schlösser und
Direktor des Hohenzollernmuseums im Schl00
Monbijou eine vielseitige und reiche Tätigke1
entfaltet hatte. Sein Spezialgebiet war d’e
preußische Kunst des 18. Jahrhunderts, v°’
allem der friderizianischen Epoche, deren
Verständnis er durch eine größere Anzal"
wissenschaftlicher Arbeiten, u. a. über die
Kunstinventare Friedrichs des Großen un°
dessen Verhältnis zu den bildenden Künste”'
nicht unwesentlich gefördert hat.
Joseph Fievez J
In Brüssel starb Joseph Fievez, einer de’
bekanntesten und renommiertesten Sachve’'
ständigen Belgiens. Er gehörte zu den
Mäzenen der belgischen Museen, deren Be'
stand er durch Geschenke von Kunstwerken'
besonders von Gemälden, vermehrte. Sein6
Verdienste um das künstlerische und kunsj'
händlerische Leben wurden vielfach duro1
Auszeichnungen anerkannt. So wurde er zUm
Ehrenvorsißenden der Chambre syndicale de5
Beaux-Art et de la Curiosite, zum Ritter de’
Ehrenlegion usw. ernannt.

UNTER KOLLEGEN

Die ewige Stadt
Ein amerikanisches Ehepaar auf Reisen sa^
leßthin im FD-Zug durch die Schweiz und "V1
schneller, als es amerikanisch ist, im Gcsprä’1
mit dem Herrn „gegenüber“. Die beiden El’6'
leute erzählten vorerst dem europäisc’’
soignierten Herrn: Europa sei ihnen jeßt be'
kannt. „Wir fahren nach Hause“, sagten s,e'
Der „Herr gegenüber“: Wie lange wäre17
Sie in Europa?
— Drei Wochen.

So. Kennen Sie auch Berlin?
— Yes.
Und Wien?

— Ves.
Und Paris ?
— Yes, oh marvellous. „
Und England? Skandinavien
Holland? Moskau?
— Yes, das waren alles so nice places!
Und Rom?
Die Amerikanerin stockt, sie wendet sio1
an ihren Mann.
Der Gatte zu ihr: „Aber ja, das war dod1
da, wo du deine Handtasche verlöre0
hast!“ „B. T.“
*

Ein Held
Herr Müller kommt atemlos ins Kaffee,
Pieffke gerade beim Kartenspiel sißt, url.
flüstert ihm ins Ohr: „Gehen Sie schnell nad1
Hause, Pieffke, der Liebhaber Ihrer Fra
ist jeßt gerade bei ihr.“
Pieffke kommt wutschnaubend zu Hause an-
Er findet seine Frau, natürlich ohne den Lieb'
haber. Er durchsucht die ganze Wohnung
jeden Schlupfwinkel und murmelt immer wiedc
vor sich hin: „Da ist er nicht! — da ist 6
auch nicht! — da ist er auch nicht! — _ ’
ist er auch nicht!“ Zum Schluß macht er eine
großen Schrank im Vorzimmer auf und em'
deckt dort zu seinem Schreck einen bann’
langen Kerl mit riesigen Muskeln, der
drohend ansieht. — — — — „Da ist er au61
nicht,“ ruft Pieffke, macht den Schrank z '
nimmt seinen Hut und geht schnell wieder •”
Kaffee. W. B o n d Y


Preisausschreiben für Kunstkritik


Einen Preis von 500 M. seßt „Das Kunst-
blatt" Paul Westheims für die beste Kritik
über ein in den leßten 25 Jahren entstandenes
Werk eines Künstlers aus, der der jungen
Generation angehört. Die Kritik soll dem
Leser eine klare Einstellung zur künstlerischen
Schöpfung geben. Daher darf nicht eine all-
gemeine Charakteristik gegeben werden, son-
dern ein bestimmtes Werk der Malerei, Plastik,
Architektur soll als Ausgangspunkt dienen.
Als Preisrichter fungieren Alfr. Döblin,
G. Wollheim und P. Westheim, — die Ein-
lieferungsfrist läuft bis zum 6. Januar 1930.
Tassen - Wahl
in der Staatlichen Porzellan-
Manufaktur
Eine Ausstellung von etwa 150 Original-
Tassen, die aus der Berliner Manufaktur
stammten, veranschaulichte unter dem Titel
„Die schöne Tasse" die künstlerische Ent-
wicklung des Berliner Porzellans seit der
Mitte des 18. Jahrhunderts (vergl. unsere
Nr. 47). Im Rahmen dieser Schau nun wurde
eine Tassenwahl durch das Publikum veran-
staltet, — eine Auswahl, die in ihren Ergeb-

DAS WELTBLATT DER KUNST

DEUTSCHES NACHRICHTENBLATT DES GESAMTEN KUNST- UND BUCHMARKTe’


Begründet von Herausgeber Dr. J. I. von Saxe
Walter Bondy a .t
Die einzige wöchentlich erscheinende Kunstzeitung in deutscher Sprache
aktuellsten Kunstnachrichten aus der ganzen Welt. Reich illustriert.
Das Börsenblatt des Kunstsammlers und des Kunsthändlers. ,g
Jeder Sammler, jeder Kunst- und Buchhändler muß, wenn er sich über ,
wichtigen Ereignisse und über den Stand des Marktes informieren
die „Kunstauktion" halten.
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Herausgeber und Schriftleiter: Dr. J. I. v o n S a x e. Verantwortlich für die Redaktion: Dr. Eckart von Sydow, Berlin; für den Anzeigenteil: Fritz-Eduard Hartmann, Berlin. Nachdruck nur
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