Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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Die k. Kunstsammlungen in Dresden.

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schwierlgeren, aber wohl auch noch mehr begeisternden
Austrages ähnlicher Art, indem er die meisten der bei dem
Trnppeneinzuge in Berlin an der viu trinwpkulis in An-
wendung gekommenen Jnschriften verfaßte. Auch hatte
er an der Jdee zu der ganzen (an dieser Stelle früher
ausfnhrlich in ihrem Plan und in ihrer Ausfiihrung ge-
würdigten) Ansstattung der Berliner Triumphstraße das
geistige Urheberrecht für sich in Anspruch zu nehmen. —
(Schlnß folgt.)

Die k. Kunstsammlungen in Dresden.

o. o. So besucht und berühmt auch die Dresdener
Kunstsammlungen immer waren, so mußten doch ihre
Einrichtungen schon lange ziemlich veraltet erscheinen,
Einrichtungen, die wohl der müßigen Touristenneugier
entgegenkammen, aber die wirkliche Nutzbarkeit der Samm-
lungen, ihren bildenden Einfluß auf das Publikum nichts
weniger als förderten. Seit einigen Jahren ist ein erfreu-
licher Umschwung ersichtlich: eine Sammlung uach der
andern wird im Sinne der Neuzeit reorganisirt und durch
erleichterte Zugänglichkeit, durch verbesserte Aufstellung
und Katalogisirung der Sammlungsgegenstände dem all-
gemeinen Genuß und Studium und somit dem Leben
näher gerückt. Diese Reorganisation ist dem Minister
Frhrn. v o n Friesen zu danken, in dessen Händen seit
einigen Jahren^ die Generaldirektion der königl. Samm-
lungen ruht. Derselbe brachte lebendiges Jnteresse und
Berständniß für Kunst zu dem Amte mit, dem er sich,
neben seiner bekanuten staatsmännischen Thätigkeit, mit
Eifer und Nnisicht annimmt. Der Name v. Friesen hat
in der Geschichte der königl. Sammlungen einen guten
Klang, und der gegenwärtige Generaldirektor ist bereits
der dritte Friesen, welcher sich um die Sammlungen ver-
dient macht, übrigens nicht nur um die Kunstsammlungen,
sonderu, wie hier beiläufig bemerkt sein mag, auch um
die wissenschaftlichen Museen. Namentlich ist Herrn
v. Friesen die Wiederherstellung der in den Maitagen
von 1849 zu Grunde gegangenen geologischen Sammlung
mit zu danken. Des Generaldirektors Wirken erfreut sich
an der bewährten Kunstliebe unseres Königshauses, die
sich gegcnwärtig vorzugsweise in dem Prinzen Georg, dem
KuratorderAkademie, kund giebt, desnöthigen Rückhalts.
Andererseits findeu die Pläne v. Friesen's in dem Hofrath
Or. von Zahn eine kräftige Stütze, dessen rege Geschäfts-
thätigkeit und dessen Organisations - und Verwaltungs-
talent mit seiner den Lesern dieser Zeitschrift bekannten
kunstwissenschaftlichen Tüchtigkeit wetteifert.

Bereits vor zwei Jahren erhielt das historische
Museum ein neues Besuchsregulativ, welches in liberalster
Weise dem Publikum die Sammlung zugänglich macht.
Bis dahin waren dort, wie bei einigen andern Samm-
luugen theilweise noch jetzt, nur sogenaunte Führungen

üblich, eine Einrichtung, welche lediglich den Taschen
der Lohndiener, vulxo Kabinetsjägcr, die sich mit der Zu-
sammenstellung der zu führenden Gesellschaften beschäf-
tigten, zu statten kam. An ein Studium der Sammlung
und gerade dieser Sammlung, die zu den reichsten und
werthvollsten Wasfensammlungen Europas gehört, war
unter solchen Umständen nicht zu denken. Nach dem
neuen Regulativ kann die Sammlung an fünf Tagen der
Woche, incl. des Sonntags, ohne irgend eineZeitbeschrän-
kung benutzt werden; auch ist das Nachzeichnen der Ge-
genstände ohne weiteres gestattet.

Jn derselben Weise ist neuerdings der Besuch und
die Benutzung desGrünenGewölbes erleichtert worden.
Daß diese Erleichterung im Sinne des Publikums geschehen,
erhellt aus der gesteigerten Frequenz. Seit dem ersten Mai
dieses Jahres, an welchem die neue Besuchsordnung für
das Grüne Gewölbe in's Leben trat, sind bis zum ersten
September über 20,000 Eintrittskarten ausgegeben wor-
den; dabei sind die zahlreichen Freikarten noch nicht gerech-
net, welche Künstler, Gewerbtreibende und andere Personen
zu Studienzwecken erhielten. Für die Beibehaltung des
Eintrittsgeldes lassen sich, wenigstens bei dem Grünen
Gewölbe, verschiedene Gründe geltend machen. Zunächst
ist der Verwaltungsaufwand durch die neue Einrichtung
bedeutend erhöht worden, sodann auch ist einerseits bei
der Beschränktheit der Lokalitäten und andererseits bei der
Kostbarkeit der exponirten Gegenstände eine Ueberfüllung
durch den Zudrang der ohne jedes Sachinteresse nur
müßig gaffenden Menge zu vermeiden. Das Grüne
Gewölbe erfreute sich. von jeher eines großen Rufes und
galt, neben der Gemälde-Galerie, mit als ein kunstle-
risches Wahrzeichen Dresdens. Weniger läßt sich das von
der Gewehr-Galerie behaupten, einer Sammlung, die
in den letzten Jahrzehnten ganz in Bergessenheit gera-
then war. Jn keinem der fashionablen Reisebücher findet sie
sich verzeichnet, und doch gehört sie zu den interessantesten
Sammlungen ihrer Art. Ueber 1800 Stück Büchsen,
Flinteu, Pistolen, Windbüchsen, Rüstungen, Schnepper,
Fangeisen u. dergl. umfassend, bildet sie zunächst für Len
Jäger und Militär eine anziehende und lebensvolle
Jllustration der Wasfenkunde und zwar hauptsächlich der
Jagdwaffenkunde; aber auch die Kunstindustrie findet, be-
züglich der Behandlung des Metalls, wie der Formen des
meist noch jetzl passenden symbolischen Oruaments, wo-
durch frühere Jahrhunderte die Waffe poetisch zu beleben
verstanden, eine sehr ergiebige Studienquelle. Die Mehr-
zahl der Waffen ist reich und kunstvoll verziert. Die
Schäfte sind mit Perlmutter, Schildkrot, Elfenbein aus-
gelegt; die eingeschlagenen oder getriebenen Beschläge
von edeln Metallen zeigen häufig jene fcine Arbeit, welche
im 17. und noch Anfang des 18. Jahrhunderts in Brescia
und Mailand zu Hause war, und an den Läufen fehlt es
nicht an dem schönsten orientalischen Damast. An dem
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