Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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VIII. Jahrgailg.

Gcitrüge

sind an llr. C. v. LLtzow
lwien, Theresianumg.
2S) od. an die Verlagsh.
lLeixzig, Königsftr. S>
zu richten.

3. Iannar

Rr. 12.
Inscratc

L 2^2 Sgr. für die drei
Mal gespaltene Petit-
zeile werden von jeder
Buch- und Kunsthand-
lung angenommen.

1878.

Beiblatt zur Zeitschrift sür bildcnde Kunst.


Dies Blatt, jede Woche am Freitag erscheiuend, erhalten die Abonnenten der ,,Zeitschrift für bildende Kunst" srs-tis; für sich allein bezogen
koftet der Iahrgang 3 Thlr. sowohl im Buchhandel wie auch bei den deutschen und österreichischen Postanstalten.

Jnhalt: Hans Freiherr von und zu Aufseß. — Der Salon von 1872. III. — M. de Voguö's ,,dA'is eentrÄle". — Erwerbungen des Berliner
Museums. — Oesterreichischer Kunstverein, December-Ausftellung. — Andr. Achenbach. — Neuigkeiten des Buch- und Kunsthandels. —
Zeitschriften. — Jnserate.

Hnns Frrihrrr von nnd ;n Änffrß.

Ein edler deutscher Mann, welcher seinen Namen
für ewige Zeiien in die Annalen der Kultur-Geschichte
eingetragen, ist vor nicht langer Zeit von uns geschieden,
Freiherr von Aufseß, einer der rüstigsten Borkämpfer
für die Einheit des Deutschen Baterlandes, der Grün-
der des Germanischen National-Museums zu
Nürnberg.

Hans Freiherr von nnd zu Aufseß wurde am 7.
September 1801 geboren, als Sprosse eines uralten,
ehemals reichsunmittelbaren Geschlechts auf der zwischen
Bamberg und Baireuth gelegenen Burg, deren Namen er
trägt, und wo sein Vater Friedrich Wilhelm, vermählt mit
einer Freiiu von Crailsheim, früher preußischer Regie-
rungsrath, in Znrückgezogenheit lebte.

Die romantische Einsamkeit dieses in einem stillen
Gebirgsthale der durch ihre Naturschönheiten berühmten
Fränkischen Schweiz gelegenen Berg-Schlosses dürfte schon
früh auf den Knaben eingewirkt und in ihm den Sinn
für jene Richtung geweckt haben, welcher er später sein
Leben gewidmet. Der Kriegszeiten wcgen konnte für seine
Erziehung anfangs nicht so viel geschehcn, wie der Vater
es wohl wünschte. Dafür bewegte der Knabe sich viel in
der freien Natur, in den Bergeu und Wäldern, wobei
sein Körper sich kräftigst entwickelte.

Erst im dreizehnten Lebensjahre erhielt Aufseß einen
eigenen Lehrer, vr. Schunk, später Professor des Staats-
rechtes in Erlangen. Dieser bildete den geistig überaus
regsamen Jüngling so schnell heran, daß er schon in seineni
17. Lebensjahre die Universität Erlangen beziehen konnte.
Hier studirte er fünf Jahre lang die Rechtswissenschaft,
nebenbei sehr fleißig aber auch andere Disciplinen, nament-
lich Geschichte des deutschen Mittelalters.

Schon in Erlaugen entwarf Aufseß den Plan zur
Herausgabe einer Zeitschrift für Knnde der deutschen
Vorzeit, welche den Zweck haben sollte, den Sinn für
alles Große, Edle und Schöne auf dem Gebiete der
deutschen Geschichte zu weckeu und zr fördern. Sie sollte
Baudenkmäler, Kunstwerke und Erzengnisse der Kunst-
gewerbe jeder Art, Waffeu, Rechts- und Sprach- Alter-
thümer rc. in weitern Kreisen bekannt machen und er-
klären.

Nachdem Aufseß den philosophischen Doktorgrad sich
erworben, verließ er die Universität, um in Baireuth
und Graefenberg die praktische Seire der Rechtspflege
keunen zu lernen. Da er jedoch nicht die Beamtenlauf-
bahn ergreifen wollte und schon früh seine Eltern verloren
hatte, mußte er sehr bald die Verwaltung seiner Güter
selbst übernehmen. Er fand darin mancherlei Mängel,
deren Abhilfe anfangs seine Zeit fast ganz in Anspruch
nahm.

Jm Jahre 1824 vermählte sich Aufseß mit einer
Verwandten seines Hauses, der Freiiu Charlotte
von Seckendorff. Nun richtete er sich in seiner väterlichen
Burg, wo er manches Stück alterthümlichen Hausraths,
auch eine wohl erhaltene Rüstkammer fand, häuslich eiu
und sammelte theils zum Schmuck seiner Wohnung, theils
seiner Studien halber allerlei alterthümliche Kunstwerke
und Geräthschaften, welche damals noch viel billiger und
leichter zu haben waren als heute. So entstand all-
mählich eine große kulturgeschichtliche Sammlung nebst
Bibliothek, welche den Anfang des später gegründeten
Germanischen Museums bildete.

Aufseß ordnete in der Zeit, welche ihm die Verwal-
tung seiner Güter übrig ließ, zunächst sein reichhaltiges
Familien-Archiv und studirte eingehend dieGeschichte seines
Geschlechts und des Fränkischen Adels überhaupt, publi-
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