Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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Albert Vvn Zahu. — Erstcr kuiisiwisseuschaftlicher Congreß inWien.

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Pläne des thätigen Mnnnes ein jäher Tod zcrreißen
sollte.

Nervös von Nntur, durch angestrengtes Arbeiten
in den letzten Tagen angegrisfen, trat Zahn am 14. Juni
eine Reise zur Wener Weltausstellung an nnd erst
kürzlich verlobt, besuchte er bei dieser Gclegcnheit seine
in Marienbad weilende Braut. Er verbrachte den Abend
im Familienkrcise derselben, man versprach sich am an-
dern Morgen auf der Brunnenpromeuave zu treffen.
Als er daselbst nicht erschien, drang man in sein Zim-
mer und fand ihn tvdt. Seinc Leiche wurde nach Leipzig
gebracht. Dort hat er an der Seite seines Vaters die
ewige Ruhe gesunden. Sein Andenken wird in Ehren
bleiben. C.

Erster kunlswijsenschastlicher Congreß in Wien.

Vom l. bis 4. Scptcmbcr 1873.

K. k. österrcichisches Museum, Stubenring.

Megternent.

I. Der kunstwissenschaftliche Congreß findet den 1.,
2., 3. (svLiilmoll 4.) September im Bibliotheks-Saale
des österr. Museums statt.

II. Mitglieder des Congresses sind diejenigen,
welche zur Theilnahme an demselben eingeladen wurden,
oder bei dem leitenden Comito sich angemeldct haben.

III. Alle Mitglieder dcs Congresses erhaltcn eine
Mitgliedskarte, welche für die Daucr des Congresses zu
freiem Eintritt in das Museum und die Ausstellung
alter Bilder aus dem Wicner Privatbesitze berechtigt.

IV. Die Entrichtung einer Mitgliedertaxe findet
nicht statt-

V. Die Theilnahme der Mitglieder des Congresses
an den Debatten regelt die Geschäftsordnung.

VI. Das Programm für die Discussioncn im Con-
greß ist folgendes:

1. Die Anforderungen der Kunstwissenschaft an die
Anordnung, Katalogisirung und Verwaltung der
Museen.

2. Die Conservirung von Kunstwerken (Gemälden,
öffentlichen Dcnkmälcrn, kirchlichen Kunstgegenstän-
den, Miniaturen, Handzeichnungen u. s. w.

3. Der kunstgeschichtliche Unterricht an Hoch- und
Mittelschulen.

4. Gründung eines Repertoriums der Kunstwissen-
schaft und Anlage eines kunstgeschichtlichen« Re-
gestenwerkes.

5. Reproductionen von Kunstwerken und deren Ver-
breitung im Jnteresse der Museen und des Kunst-
unterrichtes.

VII. Die oben bezeichneten Programmspunkte wer-
dm einzelnen oder mehreren Referenten zur Bearbeitung,

eventuell Berichterstaltuug übergeben, insbcsonverc jenen
Herren, die sich speciell bereits zum Worte gcmeldet
haben.

VIII. Das Präsidium i» deu Sitzungen führt
der Vorsitzcnde des Comitö's. Allenfallsige Spccial-
Comitv's wählcn aus ihrer Mitle den Vorsitzenven und
den Referenteu.

IX. Abstimmungen über wissenschaflliche Fragen
finden nicht statt, sondern nur über Anträge, welche
einc Action der Staatsbehörde over der öffentlichen Zn-
stitute wünschenswerlh erscheinen lassen.

X. Die Verhandlungen des Congresses werden in
deutscher Sprache geführt, ohne daß jedoch dem Vor-
sitzenden das Recht benommen wäre, auch Vorträge in
fremden Sprachen zuzulassen.

XI. Die Verhandlungen werden in den „Mit-
theilungen des Museums" in entsprechender Form ver-
öfsentlicht und den Congreß - Mitgliedern zugeschickv
werden.

Aragepunkte.

I.

1. Welche Vorbildung ist die geeignekste für Con-
servatoren öffentlicher Kunstsammlnngen?

2. Welche Zustände bestehen in den verschiedenen
Staaten hinsichtlich dcr Vcrwaltnng und Dotirung ver
Staatsmuseen, sowie der gesetzlichen Oberaufsicht über
andere öffentliche Kunstsammlungen, unv sind Rcformen
in diesen Beziehungen wünschenswerth?

3. Welche Grundsätze lassen sich für die Anord-
nung und Katalogisirung öffentlicher Kunstsammlungen
aufstellen?

II.

1. Wie sind Kunstwerke jeder Art (Gemälve, Mi-
niaturen, Handzeichnungen, Kupferstiche, plastische Arbei-
ten, Baudenkmale u. s. w.) gcgen die Einflüsse der Zeit
zu schützen?

2. Wer darf berechtigt sein, die Restauration von
Kunstwerken anzuordnen, und wie sind Gemälde, Bau-
werke u. s. w. vor der Gefahr ungeeigneter und will-
kürlicher Herstellung zu schützen?

3. Welche Erfahrungen hat man bis jetzt über
Restauration von Gemälden im Allgemeinen und über
das Pettenkofer'sche Verfahren sowie verwandte Proce-
durcn im Besonderen?

4. Wie gelangen wir zu Gemälde-Restauratorcn,
welche für ihr Fach genügend ausgebildet sind?

III.

1. Soll im Unterrichte an Mittelschülen
auf Kunstgeschichte Rücksicht genommen werden?
und zwar

n) in Verbindung mit der Geschichte?
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