Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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Vlll^ahrgang.

Sciträgc

sind an l>r. C. v. Lützow
(Men, Theresianumg.
25) od. an die Verlagstz.
(Leipzig, Königsstr. 3)
zu richten.

24. Ilinuar

Nr. 15.
Inserate

k 21/2 Sgr. für die drei
Mal gespaltene Petit-
zeile werden von jeder
Buch- und Kunsthand-
lnng angenommen.

1873.

Bciblatt zur Zeitschrist sür bildeudc Kunst.

Dies Blatt, jede Woche am Freitag erscheinend, erhalten die Abonnenten der „Zeitschrift für bildende Kunst" gratis; für sich allein bezogen
kostet der Jahrgang 3 Thlr. sowohl im Buchhandel wie auch bei den deutschen und öfterreichischen Postanstalten.

Inhalt: Ausstellung altniederländischer Kunst in Brüssel. — Korrespondenz aus Wien- — Wiener Akademie, Preisvertheilung. — Ausstellungen:

Denkmale'sür Tegetthoff; Düsseldorf; München: Nichter's Erbauung der Pyramiden, Ausstellung des Kunstvereins; Oesterreichischer Kunst-
verein. — Benk's Modell zur Gruppe der Austria. — Düsseldors: Nubens' Hirnmelfahrt Maria. — Berichte vom Kunstmarkt: Ge-
mälde-Auktion in Amsterdam. — Auktion Durazzo. (Forts.) — Jnserate.

Ilusstellung altnie-erlündischer Gunst in

* Von befreundeter Hand kommt uns eine hoch-
erfreutiche Nachricht. Es ist jetzt entschieden — die Vor-
verhandlungen dazu waren seit längerer Zeit in der
Schwebe — daß im Jahre 1874 in Brüssel eine
internationale Ausstellung altniederländischer
Kunst vom 15. bis zum 18. Jahrhundert stattfinden soll.

Historische Ausstellungen, besonders von Werken
alter Meister, sind seit der Manchester Exhibition mehr
und mehr in Gunst gekommen. Sie erschließen die ver-
borgenen Schätze des Privatbesitzes, dem Kunstfreunde
zur Augenweide, der Wissenschaft zu bequemer Prüfung
und Vergleichung.

Die Wissenschaft muß vor Allem darauf dringen,
diese Ausstellungen nach bestimmten leitenden Gesichts-
Punkteu augelegt und durchgeführt zu sehen. Wie die
Dinge heute liegen, müssen uns Spezial-Ausstellungen
einzeluer Kunstzweige, Schulen oder Meister in erster
Linie willkommen sein. Welchen Genuß und welchen
Gewinn haben wir Alle aus der Dresdener Holbein-
Ausstellung des Jahres 1871 geschöpft! Wie schmerzlich
das Nicht-Zustande-Kommen der für 1870 projektirten
Dürer-Ausstellung empfunden! Von den verschiedensten
Seiten wurde deßhalb auch schou der Plan angeregt, das
Projekt in erweiterter Form wieder aufzunehmen und
eine Gesammtausstellung der deutschen Malerschulen des
l5. nnd 16. Jahrhunderts zu versuchen.

Unsere nordwestlichen Nachbarn und Stammver-
d>andten sind uus zuvorgekommen. Ilnd wir freuen uns
dessen in mehr als einer Hinsicht. Wird sich einmal das
großartige Bild der flandrisch-holländischen Kunstgeschichte

in einer gewählten, historisch geordueten Sammlung ihrer
Denkmale vor unsern Blicken entrollt haben, dann mag
sich dem eine Ausstelluug der alt-deutschen Kunst an-
schließen. Die Gunst der Lage Brüssels, mitten zwischen
England, Frankreich und Deutschland, die geringe Aus-
dehnung des Landes, die leichtenVerbindungen nach allen
Seiten: Alles das kommt dem uiederländischen Unter-
nehmen zu Gute. Jnzwischen wird die große Wiener
Ausstellung die Welt daran gewöhnt haben, auch einmal
in einem östlicher gelegenen Orte den Kuotenpunkt deS
internationalen Verkehrs zu erblicken. Eine Leih-Aus-
stellung von Werken altdeutscher Kunst wird hieraus ihren
Nutzen ziehen.

Die Einleitungen zu der Brüsseler Ausstellung sind
der Art, daß auf das Gelingen des Planes mit Sicherheit
gezählt werden kann. Die tüchtigsten Kenner stehen an
der Spitze des Unternehmens. Es sollen nur solche
Werke zur Ausstellung kommen, welche das leitende Komits
ausgewählt uud deren Einsendung es von den Besitzern
erbeten hat. Dadurch ist die Fluth des Mittelmäßigen
und Schlechten, welche solche Ausstellungeu sonst zu be-
drohen pflegt, von vorn^herein abgedämmt und der unver-
ständigen Eitelkeit der Privatbesitzer wie der betrügerischen
Spekulation ein Riegel vorgeschoben. Es kann eine
würdige Repräsentation der alteu Kunst und eiu befrie-
digender Gesammteindruck erzielt werden, wie dies bereits
in Manchester der Fall, ja in noch höherem Grade, als
es dort möglich war.

Außer den Sammlungen Belgiens und Hollauds
haben dem Vernehmeu nach die Königin von England
und einige der bedeutendsten Bilderbesitzer Englands und
Schottlands die Zusendung höchst werthvoller Bilder be-
reits zugesagt. Auch deutsche Sammlungen von Rang
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