Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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Korresponbenz. — Knnstliteratur.

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positionen zurückkehre und sich nicht die Sache mit Will-
kürlichkeiten und Schnurren allzu leicht mache. Wer den
„Recognoscirungsritt des Majors von Unger" und das
„Gefecht prenßischer Dragoner mit dänischen Reitern"
gemalt hat, ist dazu verbunden, nnr ernsthaft Tüchtiges
und keine gedankenlos leichte Modewaare zu schaffen.

L. N.

Korrespondenz.

Bremc», im April 187S.

? ? Seit dem ersten Ostertage bietet uns der hiesige
Künstlerverein in seinem imposanten oberen Saale eine
Ausstellung von Kunstwerken, um die uns viele andere
Städte mit Recht beneiden dtzrfen. Dieselbe besteht näm-
lich aus nichts Geringerem als aus den sämmtlichen !
Original-Kartons des Meisters Cornelius, so-
wohl zu den Fresken der Münchener Glyptothek, welche j
die erste Abtheilnng der Ausstellung bilden, als auch aus
denen zum projektirten Berliner Camposanto, die jenen
folgen werden. Nächst der anerkennenswerthen Libe-
ralität des jetzigen preußischen Kultusministeriums ver-
danken wir diesen hohen Genuß vor Allen den eifrigen
begeisterten Bestrebungen unseres Historienmalers Arthur
Fitger, der zugleich diese Ausstellung Lurch einige Vor-
t?äge über Cornelius einleitete, die zu dem Tiefsten und
Schönsten gehörten, was in so gedrängter Weise über
den großen Meister und seine Kunst gesagt worden ist.

Das Unternehmen des Künstlervereins ist um so
dankbarer anzuerkennen, als durch den „Kunstverein" hie-
siger Stadt die höhere monumentale und historische Kunst
nur äußerst wenig gefördert und gepflegt wird. Sowohl
seine sonntäglichen kleineren als auch seine alle zwei
Jahre wiederkehrenden größeren Knnstausstellungen bieten
nur Landschaften und Genrebilder, ja die letzteren sind
zum Theil durch das Vorherrschen des Mittelgutes und
oft geradezu des Erbärmlichen wahrhaft unerquicklich ge-
worden, denn kein Bild, es sei noch so elend, wird zurück-
gewiesen. So manche Stimmen sich auch schon ernst und
mahnend deßhalb erhoben, Jahr für Jahr muß man sich
erst durch einen wahren Wust von Unbedeutendem hin-
durcharbeiten, ehe man zum Genusse des Echten und
Wahren gelangt. Geht das noch ferner so fort, so nenne
man diese Ausstellungen doch einfach bei ihrem rechten
Namen „Bildermarkt", denn den rerdienen sie bereits, da
sie allerdings für unsere reichen Kaufleute eine bequeme
Gelegenheit bieten, die Einrichtung ihrer eleganten Zim-
mer und Salons durch die dazu gehörenden Dekorations-
stücke in Goldrahmen zu vervollständigen. Von einer
Erziehung des Publikums, von einer Hebung seines Kunst-
verständnisses und Gefühls wird von unserm Kunstverein
gänzlich abgesehen und, wäre derselbe nicht noch zum Glück
Mitglied der Verbindung für historische Kunst, wodurch
doch wenigstens dann und wann, wenn auch in großen

Zwischenpausen, ein größeres Historienbild unsere Stadt
besuchte, durch die Ausstellungen des Kunstvereins würden
wir schwerlich mit irgend einem Meisterwerke deutscher
Kunst bekannt werden. Es ist hohe Zeit, daß jenes
Institut eine gründliche Umwandlnng erfahre. Möchte
doch dazu der Künstlerverein mit dieser Corneliusausstel-
lung den Anstoß geben! Dem Eindrucke jener Aus-
stellungen in der Kunsthalle gegenüber ist der im Saale
des Künstlervereins ein wahrhaft religiöser, das stille
Weilen und Schauen darin ein wahrer Gottesdienst der
Kunst zu nennen.

Llinstliteratllr.

Ad. M. Hildebrandt, Heraldisches Musterbuch.

Berlin. Mitscher L Röstell. 1872.

Die Literatur ist sehr reich an Werken, welche die
Theorie und Geschichte der Wappenkunde behandeln. Es
giebt jedoch nur wenige Bücher, welche anch aufdieKunst
in der Heraldik Rückstcht nehmen, welche Anleitung geben,
die Wappen heraldisch-stilgemäß und künstlerisch schön
darzustellen. Und doch kommen Künstler und Kunst-
Handwerker unserer Tage sehr oft in die Lagc, Wappen
allein oder als Theile eines größeres Ganzen ausführen
zu müssen. Hierzu Anleitung zu geben, ist der Zweck des
vorliegenden, würdig ausgestatteten Werkes, eines Bandes
von vierzig Tafeln mit Text in groß Quart, welches zuerst
auf sieben Tafeln in sehr übersichtlicher und klarer Weise
eine knrze Geschichte des Stils der Wappen giebt, indem
auf jeder derselben fünf vollständige Wappen und zwar
stets dieselben, in der Art des XIII., XIV., vom Ende
des XIV. und Anfang des XV., in der zweiten Hälfte des
XV., am Anfang des XVI., im XVII., XVIII. und am
Anfang des XIX. Jahrhunderts dargestellt sind. Die
achte und neunte Tafel veranschaulichen die Behandlung
des Reliefs auf Siegeln und Münzen in verschiedenen
Kunst-Perioden. Die zehnte Tafel enthält die verschie-
denen Arten der Musterung (Damascirung) der leeren
Theile von Wappenschildern; die Tafeln elf bis neun-
unddreißig enthalten, nach den Bildern, wie menschliche
Figuren und deren Theile, Löwen, Raubthiere, jagdbare
Thiere, Pferd, Esel, Stier, Schaf, Hund, Ungeheuer,
Bögel, Fische, Pflanzen, Waffen rc., hundert stilgerechte
Abbildungen der in Wappen vorkommenden Figuren;
und die letzte Tafel endlich bringt die Kronen und Schild-
halter zur Anschauung.

Die meisten Abbildungen sind nach guten alten
Originalen auf Gemälden, Siegeln, Grabsteinen u. s. w.,
welche der Verfasser genau angiebt, mit Verständniß und
Geschick gezeichnet.

Der Text giebt kurze Erläuterungen zum bessern
Verständniß der Tafeln in sachlicher sowohl als historischer
Beziehung.

Das Ganze ist demnach sehr praktisch angelcgt und
in trefflichster Weise geeignet, schnell und sicher über die
Hauptregeln der künstlerischen Darstellung von Wappeu
zu orientiren. 6.

It. Baugeschichte des Domes von Trier. Es ist in den

Kreisen der Archaologen wohl bekannt, daß der Domkapitular
von Wilmowsky in Trier seit mehr als zwei Jahrzehnten
mit dem größten Eifer mit der Erforschung der Geschichte
des altehrwürdigen Doms daselbst beschäftigt ist und daß er,
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