Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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Friedrich Eggers s.

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kompomrte und dramatisch ergreifende Hauptgruppe der
mit den Kriegern ringcnden Weiber aus; letzteres Bild
zeigt eiue Elsässerin mit einer französischen Fahne, dumpf
brütend an eine Mauerwand gelehnt; gegen den dunklen
Mauerwinkel zu kauert ein Weib mit einem Kinde. Beide
Bilder sind breit und tüchtig gemalt, aber von düsterem
Kolorit.

Thomas Couture trat nach ziemlich langer
Abstinenz wieder mit einem Bilde vor die Offentlichkeit.
Sein „Damocles" gab deu Salonbesuchern Räthsel auf;
uicht der durch die Schulgeschichtsbücher bekannte Grieche,
der sein lucullischesMal unterso beängstigendenVerhält-
nissen einnehmen sollte, sondern eine Art von allegorischem
Doppelgänger desselben hatte Couture dargestellt. Wir
sehen einen Mann von edler Figur, etwas weltschmerz-
lichem Gesichtsausdrucke, mit schwarzer Toga bekleidet,
auf seinem Lager sitzend, mit Fesseln belastet, den lorbeer-
bekränzten Kopf in eine Hand gestützt, die andere Hand
auf einer Lyra ruhend, vor ihm auf dem Boden kostbare
Geräthe mit köstlichen Früchten gefüllt; auf der weißen
Marmorwand, welche den Hintergrund bildet, stehen die
Worte geschrieben: „?otior miln psrienloss. libsrtas ctuam
sseurn st 3.urs!>. servitus." Wie gesagt, man zerbrach
sich den Kopf über diesen Damocles, aber man bewun-
derte das treffliche Bild. Die Farbe ist etwas trockener
als auf den früheren bekannten Gemälden dieses Meisters,
aber das Schwarz der Toga, die grauweiße Wand und
das Roth des Teppichs, der auf dem Lager ausgebreitet
ist, sind zu klassisch ruhiger Harmonie gestimmt.

Henri Leopold Lävy, einSchüler vonCabanel und
Fromentin, hat es unternommen, eine „Herodias" zu
malen, trotz der vielen und großen Meister, welche vor
ihm denselben Stoff behandelt haben, und man muß ge-
stehen, daß er es verstand, sein Bild doch wieder interessant
zu machen. Es stellt Herodias, welcher die Schüssel mit
dem Haupte des Johaunes präsentirt wird, Herodes,
Salome und einige Nebenpersonen in lebensgroßenFigu-
ren dar. Die sichere Komposition, die Eleganz der Figuren
und die treffende Charakterisirung derselben zeugen von
einem sehr beachtenswerthen Talente; der Künstler besitzt
dazu eiu gediegenes Kolorit, seine Malweise zeigt aber,
daß er sich von den Vorbildern, die er genommen, noch
nicht ganz losgerungen hat.

Der Holländer Alma-Tadema ist in Deutschland
allgemein bekannt und geachtet. Seine beiden diesjährigen
Bilder: „Cn empereur romain" und „kßtvintiwö" ge-
hören zu dem Besten, was der Künstler bisher geschaffen.
Das erste zeigt uns eine Scene in dem Prunkgemache
eines römischen Tyrannen. Letzterer scheint eben seinen
lebensgefährlichen Passionen gefröhnt zu haben, denn
eiuige ermordete Höflinge liegen im Gemache aufgeschichtet;
aufrührcrisches Volk und Krieger drängen zur Thüre her-
ein, der Tyrann hat sich wie ein furchtsames Kind hinter

einen Teppichvorhang versteckt, welcher jedoch von einem
Sklaven gelüftet wird, um dem Volke das Schauspiel
eines Kaisers in Todesangst zu bieten. Das zweite Bild
trägt eine heitere Stimmung: ein reizendes jnnges Paar
aus der glücklichen homerischen Zeit führt einen grotesken
Tanz aus; drei Mädchen und ein Junge machen auf
Pfeifen und Klappern Musik dazu; ein silenartiger Alter
ist weinselig in einer Ecke entschlummert. Den Hinter-
grund bildet eine mit einem Ornamentenfries bemalte
Mauer, über welche Bäume und Gesträuche eines Gartens
herüberragen. Man kann sich vorstellen, zu wie reizen-
den Details beide Motive dem Künstler Gelegenheit boten.

G. Guttenberg.

Friedrich Eggers ch.

(Schluß.)

Es ist bisher nur von dem die Rede gewesen, was
man das äußere Leben des Mannes nennen könnte; seine
Person ist nicht viel in den Vordergrund getreten, und
doch darf man geradezu sagen, daß Eggers' persönliche
Eigenschaften, das, was er durch seine bloße Erscheinung
und seine direkte Einwirkung auf die mit ihm in Be-
rührung kommenden Menschen geleistet hat, tiefgreifender,
nachhaltiger und vielleicht wichtiger gewesen ist, als seine
äußere Thätigkeit. Es wird selten einen Menschen geben,
welcher mit den verschiedenartigsten Persönlichkeiten in
einem so harmonischen, gegenseitig anregenden und be-
fruchtenden Verkehre zu stehen im Stande wäre, wie das
bei Eggers der Fall gewesen. Wo er in einen Kreis
hineintrat, da wurde er die Seele, das geistige und durch-
geistigende Element in demselben; für alles Hohe, Edle
und Schöne in tiefster Seele erglüht, wußte er seine ideale
Auffassungsweise der Dinge und der Berhältnisse auch
auf seine Umgebung zu übertragen, und er hat in dieser
Richtung sowohl in seinen gesellschaftlichen Beziehungen
als auch namentlich in seiner Lehrthätigkeit unendlich för-
dernd gewirkt. Die reiche Liebe, welche ihm über den
Tod hinaus folgt, ist dessen Zeuge. Eine streitbare Natur
war er nicht; er suchte überall die Gegensätze durch klare,
nachgiebige und doch des Zweckes sich wohl bewußte Ver-
ständigung zu versöhnen und auf das Richtige hinzuführeu.
Ob er dabei immer dasjenige erreicht und gethan hat,
was im gegebenen Momente das Richtigste und Erforder-
lichste war, um jeder etwaigen unerwünschten weiteren
Verwickelung vorzubeugen, — es ist dies manchmal eben
auch der schneidige Ernst — muß dahin gestellt bleiben.

Diese seine seltenen persönlichen Eigenschaften fan-
den naturgemäß auch in den weitesten Kreisen jene An-
erkennung, die dem wirklich Hervorragenden selten versagt
wird, und so war er namentlich mit allen der Kunst und
Kunstwissenschaft nahe stehenden Persönlichkeiten eng ver-
bunden. Es war daher eine sehr natürliche Sache und
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