Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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VIII. Jahrgling.

Üciträgc

sind an vr. C. V. LÜIzvW
(WitN, Theresianunig.
25) od. andie VerlNgSl).
(Lcipzig, Königsstr. 3)
zu richten.

3. Sejitcmbrr


Nr. 47.
Znscratc

ü. 21/2 Sgr. für die drei
Mal gespaltene Petitzeile
werden von jeder Buch-
und Kunsthandlung an-
genommen.

1873.

Bciblatt zur Zeitschrist für bildeude Kunst.

Dies Blatt, jede Woche am Freitag erscheinend, erhalten die Abonnemen oer „Zeitschrift für bildende Kunst" xral!«: für sich allein bezvgen
kostet der Jahrgang 3 Thlr. sowohl im Buchhandel wie auch bei deil deulschen und österreichischen Postanstalten.

Jnhalt: Münchener Lokal-Kunstausstellung. — Desbassayns de Nichemont, Die neueüeu Studieu über die römischen Katakombeu; A. v. Cohausen,
Rvnlischer Schmelzschmuck. — Morg Friedr. Zieblaud -j-. — Sammlung Sayn-Wittgenftein. — Leo Müsch. — Berlin; Akademieder Künste. —
Neuigkelteu des Kuusthandels.

Münchener Lokal - Kunstausstellung.

Jch habe seiner Zeit über die von der Mün-
chener Kunstgcnvssenschaft lange Iahre hinvurch erfolglos
gethanen Schritte gegen die Berlegung der nnter dem
Namen dcs Antiquarium bekannten Sammlung vvn Er-
^ zeugnissen altägyptischer und klassischer Kleinknnst in das
k vom Könige Ludwig I. ausschließlich den Münchener
Künstlern zugewiesene Kunstansstellungsgebäude berichtet,

> sowie später davon, daß in Fvlgc dieser Bemühungen
endlich diese Sammlung doch noch das genannte Gebäude

, räumen und in das südliche Erdgeschoß der Nenen Pi-

> nakothek übersiedeln mußke. So ist dcnn die dcrnialige
! SommerauSstellung der hiesigen Künstler die erste, welche
' nach Jahren wieder in allen Nänmen des seinem ur-

sprünglichen Zwecke zurnckgegebenen Prachtbaucs statt-
findet.

Bedenkt man, daß die Münchencr Lokalausstellung
ziemlich zur selben Zeit mii der Wiener Weltausstellung
eröffnet ward nnd gcnau so lange dauern soll wie diese,
' so wird man nicht umhin können, das Sclbstvertrauen
der Unternehmer zu bewundern, welche der Weltausstel-
lung wenigstens in Bezug auf Len Absatz vvn Kunst-
werken Konkurrenz zu machcn deu Muth hatten. Aber

> den Muthigen gehört ja die Welt. Das bewährtc sich
! auch in Münchcn wieder: noch hat kanm der überdies

> heuer von unserer Stadt wenigstcns theilweise abgelcnkkc
' Fremdenzug so recht begonnen, und schon sind von den

zur Lokalausstellung gcgebenen Kunstwerken solche bis
zu dem beiläufigen Betragc von 40,000 fl. verkauft; eine
Sunime, welche vielleicht auf dcr Weltausstellung noch
nicht erreicht, geschweige übertroffen wordcn sein dürfte.

Macht nichk jetzt die Cholera den Künstlern eincn Strich
durch bie Rechnung, sv dürfte die Gesauiint-Erlös-Summe
bis zum Schkusse der Ausstellung voranssichtlich dem
Doppelten des oben gcnannten Bctrages so ziemlich
gleichkomnien, ein Ergcbniß, das alle Beachlung verbient
und der Mnnchener Schule zu hoher Ehre gereicht.

Dic Gesamiutzahl der bis jetzt ausgestellten Kunst-
werke hat die Ziffer 400 bereits überschritten, und die
von den Künstlern gefordcrten und thcilwcisc auch cm-
pfangenen Preise stehen auf einer Höhe, welche zu dem
für sie erfreulichen Schlusse berechtigen, daß die trau-
rigen Folgen des Schlagcs, welchcr den Wiener Geld-
markt traf, in seinen Rückwirkungen auf München sich
bis zur Stuude noch keineswegs so bemerkbar machre,
wie man im ersten Augenblicke nach jener unheilvollen «
Katastrophe wohl mit Grund befürchten mochte. Fragen
Sie mich aber, ob meiner Ansicht nach bie dermaligen
im Allgemeincn ungewöhnlich, in einzelnen Fällen sogar
exorbitant hvhen Preise für Gemäloe insbesondere sich
iwch länger auf dieser Höhe erhalien werden, so muß
ich diese Frage aus zwci Grünben mit sttein beant-
worien.

Einrnal glaube ich an ein Herabgehen der Preise
für Kunstwerke im Allgemeinen deßhalb, weil meiner
Ueberzeugung nach die Folgen der Wiener Börsenkata-
strophe noch lange nicht au ihrcm Ende angelangt sind,
vielmehr in der nächsten Zukunft erst noch in industriellen
und gewerblichen Kreisen sich fühlbar machen und dem
Gelde wieder zu einem höheren Werthe verhelfen werden.
Denn es wäre eine arge Täuschung, zu glauben. daß
man sür Kunstwerke so enornie Preise heute deshalb- be-
zahlr, weil man deren inneren Werth höher schätzen
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