Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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VIII. Jahrgang.

Nr. 27.

Scitrügc

sind anvr. C.V.Lützow
lWien, Theresianumg.
2s) od. an die Berlagsh.
iireipzig, Königsstr. g)
zu richten.

18. Äpril

Inseratc

k 2>l2 Sgr. siir die drei
Mal gespaltene Petit-
zeile werden von jeder
Buch- und Kunsthand-
lung angenommen.

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Dies Blatt, jede Woche am Freitag erscheinend, erhalten die Abonnenten der',Zeitschrift für bildende Kunst" xratig; für sich allein bezogen
kostet der Jahrgang 3 Thlr. sowohl im Buchhandel wie auch bei den deutschen und ö'sterreichischen Postanstalten.

Inhalt: Die Bauaeschichte Berlins von Alfred Woltmann. (Schluß.) — Schäfer, Die Denkmäler der Elfenbeinplastik d. Großh. Museums zu Darm-
stadt- — Lheodor Fischer-f. — Ausstellung des Hamburger Kunstvereins; Ausstellung der für die Weltausstellung bestimmten Werke Karlsruher
Künstler. — Otto Mündler's Grabdenkmal; das Parlamentsgebäude des Deutschen Neichs; Erbauung eines Museums in Schwerin; nene
Werke Schweriner Künstler; Knauö' „Bauernberathung"; Julins Baherle; Maler I. Arnold in Insbruck. — Zeitschriften. — Berichte
vom Kunstmarkt: Auktion der Sammlung Heidl in Wien. — Neuigkeiten des Buch- und Kunfthandels. — Auktionskataloge. — Inserate.

Aie Aaugeschichte Aerüns von Älfred
Woltmann.
n.

Die Bedeutung Schinkel's, wenn man sie mit wenigen !
Worten charakterisiren soll, liegt nicht in seinem Anschluß
an das Griechenthum und in der bloßen Verwendung i
antiker Formen — denn das haben schon andere vor ihm
gethan, — sondern darin, daß er die geistigen Principien
der hellenischen Bauknnst den modernen Anschauungen I
gemäß erweiterte und sie den praktischen Anforderungen
seiner Zeit nutzbar machte. Diese Neuschöpfung der
Antike, diese Regeneration des Alterthums aus einer
dürren und beinahe stagnirenden Zeitperiode heraus ist
das ewige Verdienst Schinkel's, das ihn mit Carstens,
Thorwaldsen und Cornelius, als den Begründern der
modernen Kunst, als ebenbürtiges Glied in eine Reihe
stellt. Seine Werke, wenn auch von engen, lokalen ^
Grenzen umschlossen, gehören nicht der einzelnen Stadt,
die ihre zufällige Besitzerin ist, sondern der moderncn ^
Kunstgeschichte an, deren Beginn sie markiren; aber >
nicht als bescheidene Aeußerungen eines jungen sich bahn-
brechenden Genies, sondern gleich als der vollendetste
Ausdrnck derjenigen Jdeen, welche den Entwicklungsgang
der modernen Kunst aussüllten und beherrschten. — Die
Charakteristik Schinkel's, dessen Thätigkeit „die gesammte
schöne Kunst umfaßte", gehört zu den anziehendsten Theilen
bes Woltmann'schen Buches. Wir erhalten ein ganzes,
volles Bild von dem rastlosen Schaffen des Mannes,
der nicht blos Tempcl für Menschen und Götter bildete,
vicht blos als Maler *) Bedeutendes leistete, sondern der

') Vgt. Wolttnann, Schückel'als Maler, im Jahrg. 1868
b. Zeitschrift.

es auch nicht verschmähte, Zeichnungen für Sessel und
sogar für Sesselüberzüge anzufertigen. Das Schauspiel-
haus, seine vollendetste Meisterleistnng, das Museum,
welches den Abschluß eines der herrlichsten Plätze der
Welt bildet, die neue Wache, die Bauakademie — doch
wozu die Liste, va hier wirklich — das viel gemißbrauchte
Wort kommt hier zu Ehren — „die Steine reden". Ob
auch die dem Woltmann'schen Buche beigegebenen Holz-
schnitte ein „sprechendes" Zeugniß für dieGrößeSchinkel's
ablegen, möchten wir billig bezweifeln. Unserer Ansicht
nach geben sie den Charakter der einzelnen Bauwerke nur
sehr beschränkt, ihre Wirkung fast gar nicht wieder. Wir
hätten überhaupt statt der Reproduktion allbekannter
Baudenkmäler, die Jeder, der überhaupt nach dem Buche
greift, entweder täglich vor Angen hat oder wenigstens
in photographischen Nachbildungen besitzt, wenn er ein-
mal Berlin besucht hat, lieber seltnere Zeichnungen ge-
wünscht, wie der Verfasser wirklich einige gegeben hat;
so gleich das Titelblatt: „Der Schloßplatz nach Schlüter's
Entwurf." Der große Baumeister hatte die Absicht, den
ganzen Platz nach einer Gesammtidee architektonisch zu
gestalten. Der Marstall sollte umgebaut und den Ver-
hältnissen des gegenüberstehenden Schlosses angepaßt wer-
den, die vierte Seite, welche jetzt zum Theil vom „rvthen
Schlcsse" eingenommen wird, sollte ihren großarligen
Abschluß durch einen Dom mit stolzer Kuppel erhalten,
dessen Anlage, wie aus der Zeichnung hervorgeht, Aehnlich-
keit mit dem Entwurfe Michelangelo's zur Peterskirche
hat. Auch die auf die Klosterkirche bezüglichen Abbil-
dungen (Grnndriß, Jnneres, Details), der Restaurations-
entwurf zur Gerichtslaube von Blankenstein und das
Opernhaus nach Knobelsdorss's Originalentwurf sind
dankenswerthe Beigaben. Dagegen sind die Holzschnitte
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