Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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VIII. Jahrgang.

Dies Blatt, jede Woche am Freitag erscheinend, erhalten die Abonnenten der ,,Zeitschrift für bildende Kunst" xi-Ltis; für sich allein bezogen
kostet der Iahrgang 3 Thlr. sowohl im Buchhandel wie auch bei den deutschen und österreichischen Postanstalten.

Jnhalt: Die Kunstgeschichte auf den Gymnasien. — Korrespondenz: Hamburg, München. — Neuigleiten des Buchhandels. — Zeitschriften. — Inserate.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

23. Mai

1873.

Seiträgc

Nr. 32.

sind anIlr.C.V.Lühow
swien, Thcresianumg.
25) od. an die Verlagsh.
lLeipsig, Königsstr. 3)
zu richten.

a gstz Sgr. für die drei
Mal gespaltene Petit-
zeile werden von jeder
Buch- und Kunsthand
lung angenommen.

Das 8. Heft der Zcitschrift für bildende Kunst wird am 30. Mai ausgegcben.

Die Kunstgeschichte auf -en Gymnasten.

DieUeberschrift derfolgenden Zeilen wird den meisten
Lesern seltsam dünken, denn sie kündigt einen Gegenstand
an, der bekanntlich nicht existirt. So sachgemäß es scheint,
daß auf Anstalten, welche die klassische Bildung verbreiten
und erhalten sollen, wenigstens die Elemente der grie-
chischen Architektur und die wichtigsten Typen der antiken
Plastik gleichfalls erklärt würden, so ist doch meines Wis-
sens nirgends dafür ausreichende Sorge noch getragen
worden. Und dennoch besagt die Aufschrift Richtiges.
Es soll von der Kunstgeschichte auf Gymnasien gesprochen,
sogar gegen die Art, wie dieselbe hier getrieben wird, Ber-
wahrung eingelegt werden. Als Anhängselzurpolitischen
Geschichte hat sie in unsern Schulen Eingang gefunden,
und hat der Lehrer die staatliche Eutwickeluug während
einer bestimmten Periode zu Ende geführt, so spricht er
auch noch einige Minuten lang über die Kunst und Kultur
des betreffenden Zeitraumes. Als Probe mag mitgetheilt
werden, was in einem vielverbreiteten Schulbuche (Grund-
riß der allgemeinen Geschichte für die oberen Gymnasial-
klassen von Rudolf Dietsch. Zweiter Theil. Sechste von
Neuem durchgesehene Auflage. Leipzig, Teubner 1872)
Übcr die Kunst des Mittelalters gesagl wird.

Für die Periode von Karl d. Gr. bis zu dcn Kreuz-
jiigen(768—1095) gilt in Bezug auf Kunstgeschichte als
Wissenswerth: S. 51. „Die Paläste zu Jngelheim, Aachen
uud Nymwegen und der Dom zu Aachen bezeugen Karl's
Sorge für die Kunst". S. 79: „Die Baukunst fand wie
Ee anderen Künste durch die Kirche Ausbildung. Der
k'hzantinische Styl war noch vorherrschend, doch begann
^ereits derdeutscheodergothische, während in Spanien

der maurische Eingang sand. Dic Baubrüderschaften Eng-
lands (seit dem zehnten Jahrhundert) wirkten für Aus-
bildung, aber auch Geheimhaltung der Kunst. Malerei
und Bildhauerei erhielten durch die aus dem byzantinischen
Reich wegen des Bilderstreites geflüchteten Künstler im
Abendlande Verbreitung, dienten aber fast uur kirchlichen
Zwecken."

Die Kunstentwickelung der folgenden Periode (das
Zeitalter der Kreuzzüge 1095 —1291) schildert der Ver-
fasser des Schulbuches in folgender Weise: (Seite 109)
„Die Baukunst erreicht durch die Vollendung des gothischen
Styls und Anwendung der Geometrie die höchste Blüthe,
vor allen Ländern in Deutschland. Sie ward auch bereits
zu weltlicheu (Paläste der Hohenstaufen) und nützlichen
Zwecken (Donaubrücke bei Regensburg um 1140) benutzt.
Der Festnngsbau fand in Jtalien Ausbildung. Die von
den Byzantinern (Farben auf Goldgrund) erlernte Malerei
ward in den Städten Jtaliens (Cimabue in Florenz 1280)
und in Deutschland besonders zu Köln und Mastricht
geübt. Die Glasmalerei gab dem gothischen Baustyl den
höchsten Schmuck. Die Bildhauerei ward durch Nicolo
aus Pisa (ch 1270) wieder zur Kunst. Neben der Holz-
schnitzerei fand in Norddeutschland der Mctallguß Aus-
bildung."

Der Zustand der bildenden Kunst endlich in der
letzten Periode des Mittelalters (vom Ende der Krenz-
züge bis zur Reformation) wird wie wörtlich folgt (S. 141)
beschrieben: „Die Künste fanden durch die Prachtliebe
des Zeitalters Nahrung und Förderung. 1) Die Baukunst
begann in Deutschland durch die Verhältnisse die Mittel
zu verlieren, fand dagegen in Italieu die reichste Bethä-
tigung. Filippo Brunellcschi in Florenz (4 1444) führte
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