Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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Personalnachrichten. — Kunstvereine.

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alterthümlichen Lokale, in welchem die Sammlung unter-
gcbracht, hat sie einen recht geeigneten Hintergrund. Das
Lokal befindet sich in dem sogenannten StallgebLude,
welches auf der Augustusstraße das königl. Schloß mit
dem alten Galeriegebäude verbindet. Letzteres Ge-
bäude wird gegenwärtig umgebaut, um das historische
Museum und diePorzellan- und Gefäß-Sammlung
aufzunehmen. Jnsbesondere dürfte durch diese Uebersie-
delung die zuletzt genannte Sammlung gewinnen, die gegeu-
wärtig in den finstern Souterrainräumen des japanischen
Palais sehr schlecht aufgehoben ist.

Auch die Gemäldegalerie hat im vorigen Jahre
verschiedene Veränderungen bezüglich der Aufstellung der
Bilder erfahren. Zunächst hat mau der Uebcrfüllung der
Kabinete auf der Nordseite und der beiden kleinen äußeren
Säle auf der Nordseite abgeholfen. Viele Bilder hingcn
hier zu hoch und entzogen sich so der Beschauuug. Um Licht
und Raum zu gewinnen, hat mau den langen und breiten
Korridor auf der Südseite, dcr bisher in seiner Leere und
Kahlheit sich sehr nnvortheilhaft präsentirte und von keinem
Nutzen war, mit zur Aufstellung der Bjlder heraugezogen.
Der Korridor ist mit sogenannten Scherwänden versehen
worden, und es habeu hier zahlreiche, bisher in den er-
wähnten Kabiuets bcfindliche Bilder, und zwar solche vou
einem mchr dekorativen uud für eincn derartigen Vorsaal
passenden Charakter Platz gefunden. Dabei hat man nicht
außer Acht gelassen, in diesem der Sonne sehr ausgesetzten
Raume nur auf Leinwand und nicht auf Holz gemalte
Bilder unterzubringen. Sodann wurden ans den Kabi-
nets die altitalienischen, altniederländischeu und alt-
dcutschen Gemälde, die mehr nur dem kunstgeschichtlichen
Studium dienen, bis auf eine Elite derselben, die für alle
Besucher von zleichem Jnteresse ist, in das zweite Stock-
werk gebracht. Um in dieser Etage Len nöthigen Platz zu
schaffen, sind die Werke neuerer sächsischer Künstler, die
hier aufgestellt wareu, in deu nordöstlich gelegenen Zwinger-
pavillon translocirt und dort zu eiuer Separatsammlung
vereinigt worden. Jn den beiden äußeren östlichen Sälen,
in denen srüher die Bilder der altdeutschen und altnieder-
ländischen Schule hingen, findet man gegenwärtig Ge-
mälde kleineren Formats, hauptsächlich Bildnisse von
Rubens und Rembrandt und deren Schülern ausgestellt,
Bilder, bie früher sehr zerstreut waren und auf diese
Weise wcnig zur Geltung gelangten, während sie in ihrer
gegenwärtigen Aufstellung für das Studium jener Meister
einen trefslichen Anhalt bieten, der insbesondere in diesen
Sälen, wo viel kopirt zu werden pflegt, von Wichtigkeit
ist und willkommen sein wird.

Was die neueren Erwerbungen der Galerie betrifft,
so ist namentlich ein schöner Albert Cuyp hervorzu-
heben: eine Dame mit Kavalier, beide zu Pferde, in halber
Lcbensgröße. Das Bild, welches das Gepräge des Meisters
trägt, ist zudem mit dem vollen Namen desselben bezeichnet.

Die Erwerbung, welche Herr v. Friesen gelegentlich
eines Besuches in Brügge für den billigen Preis von
10,000 Frcs. gemacht, ist um so schätzbarer, als Cuyp in
der Galerie noch nicht vertreten war.

Allen Kunstfreunden wird aucki die Nachricht von Jn-
teresse sein, daß die Schätze der Galerie der photogra-
phischen Nachbildung und Vervielfältigung entge-
gengehen. Eine direkte Reproduktion hat bisher nicht stattge-
funden. Die vorhandenen Photographien von Gemälden
der Drcsdener Galerie sind theils nach Zeichnungcn, wie
die schönen Hanfstängl'scheu Blätter, theils uach Stichen
u. dergl. gefertigt. Es gab eine Zeit, wo mau eher den
Lauf eines Geschützes als eiuen so profanen Photogra-
phie-Apparat auf die Werke der Galerie gerichtet hatte.
Die Erlaubuiß, sie nun durch die schwarze Kunst der Neu-
zeit publiziren zu dürfen, hat die Berliner photographische
Gesellschaft erhalten, welche am Museum ein Atelier
erbaute und bereits Hand an's Werk legt. Auch die künst-
lerisch interessautcsten Gegenstände des historischcu Mu-
seums liegen gegenwärtig in trefflichen Photographien
von Hanfstängl in München vor; und ebenso soll, dem
Vernehmen uach, das reiche Vorbilderuiaterial des Grünen
Gewölbes der Kunstindustrie und Künstbildung zugäuglich
gemacht werden.

personalnachrichtcn.

Wiener Akademie. Da nach dem neuen Siatute sowohl
das Ehrenamt eines Präfidenten als auch das Direktorat der
Akademie wegfällt, haben der Präsident Or. G. Heider und
Direktor Chr. Ruben anf ihr Ansuchen die Entlassung von
diesen Aemtern nnd zugleich für ihr langjähriges Wirken die
kaiserliche Anerkennung erhalten. Zum Rcktor für die nächsten
beiden Jahre wurde einstimmig Professor Friedrich Schmidt
gewäblt. — Anselm Feuerbach, der gegenwärtig in Rom mit
der Ausführung seiner „Amazonenschlacht" beschäftigt ist, tritt
mit nächstem Sommersemester seine Professur an.

Professor C. Piloty wurde bei Gelegenheit der Mün-
chener Ilnioersitätsfeier zum Ebrendoktor vromovirt.

Wilhelm Schmidt in Mllnchen hat die Weiterfübrung
des durch Andresen's Tod unterbrochenen Nagler'schen Mono-
grammisten-Lexikons (München, bei G. Franz) übernommen.

Kunstvereine.

R. L. Die sechszehntc Bersammlung der deutschcn
Architckten und Jngenieure, welche in den Tagen vom 22.
bis 26. September in Karlsrube tagte und von nngefähr
1400 Theilnehmern aus allen Theilen des deutschen Vater-
landes besucht war, verlief in ungestörter Ordnung gemäß
dem früher (in der Deutschen Bauzeitung) publizirten Pro-
gramme und hat, begünstigt durch gntes Wetter und das
freundlichste Entgegenkommen von Seiten der Badenschen
Staatsregierung und der Städte Karlsruhe und Baden-Baden
ihren Zweck, nämlich persönliche Berührung nnd Gedanken-
austausch sonst räumlich weit entfernter Fachgenossen und ge-
meinsame Besichtigung hervorragender Bauwerke, in vollstem
Maße erfüllt. Das Lokal-Komite hatte in nicht genug an-
zuerkennender Weise die umfassendsten Vorbereitungen getrosten,
nm den zahlreichen Gästen den Aufenthalt in Karlsruhe
angenehm und nutzbringend zn machen. Die allgemeinen
Sitzungen wurden in vortrefflicher Weise von Professor
Baumeister in Karlsruhe geleitet. Jn der Abthcilnng für
Architektur wurden, außer einem langen salbungsvollen, aus
inhaltlosen Phrasen zusammengesetzten Vortrage des Herrn
Tochtermann aus Aachen, welcher auf keiner Seite Beifall
fand, nochmals die Angelegenheit der Konkurrenz zum deut-
schen Reichstagsgebäude und einige Fragen rein technischer
Natur besprochen. Die Abtheilung für Jngenieurwesen
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