Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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VIII. Jahrgang.

Nr. 37.

Scitriige

sind an vr. C. V. LÜIzvW
(WitN, Tberesianumg.
25) od. an die Verlagsh.
(Lkipsig, KLnigsstr. 3)
zu richten.

37. Äuni

Inseratc

L 2t/2 Sgr. für die drei
Mal gespaltene Petitzeile
werden von jeder Buch-
und Kunsthandlung an-
genommen.

1873.

Beiblatt zur Zeitschrist sür bildende Kunst.

Dies Blatt, jede Woche am Freitag erscheinend, erhalten die Abonnenten oer „Zeitschrift für bildende Kunst" xrat!8; für sich allein bezogen
kostet der Jahrgang 3 Thlr. sowohl im Buchhandel wie auch bei den deutschen und vsterreichischen Postanstalten.

Jnhalt. Overbeck's Handzeichnunaen noch einmal. — Oelbild-Jmitationen von L. Prang L Co. in Boston. — Kunstliteratur: I. Falke, Katalog
der fürstlich Liechtenstein'schen Bildergalerie; 3. W. tVppsll, Nonumsnts ot sarlv eliristmn art. — W. Roßmann's kunsthisiorische Vorträge
in Düsseldorf. — Kriegerdenkmal in Dortmund. — Dtünchener Kunstverein: Aussrellung; Lokal-Ausstellung der Münchener Kunstgenossenschaft;
Dchsseldorf: Ausstellungcn; Schwerin: Ausstellungen; Nürnberg: Germanisches Museum. — Pariser Kunstauktion. — Frage des Musterschutzes. —
Pariser Neubauten. — Siegesdenkmal in Berlin. — Neuigkeiten des Buchhandels. — Zeitschriften. — Jnserate.

Overbeck's Handzeichnungen noch einmal.

Zu dem Aufsatze an der Spitze von Nr. 30 unseres
Blattes erhalten wir von Herrn Edelmann, Assisten-
ten für Physik an der königl. polytechnischen Schule in
München, eine „Berichtigung", welcher wir folgende
Sätze entnehmen:

„Thatsache ist, daß von den vierzig Overbeck'schen
Bildern vier mehrere Stockflecken, die übrigen nur sehr
wenige und sechzehn gar keine Flecken zeigen. Der Zu-
stand der Flecken ergiebt jedoch nnd hauptsächlich bei
mikroskopischer Untersuchung, daß dieselben sLmmtlich alt
sind. Die ersten Flecken zeigten sich im Jahre 1845,
und der in dem erwähnten Aufsatze genannte Kastellan
fand sehr bald, daß die jedes Frühjahr im Schlosse
Weyern auftretende Feuchtigkeit Ursache der Vegetation
von Schimmelpilzen sei, durch deren Eintrocknung dann
die Flecken entstünden. War dies richtig, dann mußte
man sehr einfach dadurch helfen können, baß man im
Spätherbste die Bilder aus den Rahmen nahm und
zwischen Seidenpapier gelegt an einem trockenen Orte
bis zum Eintritte des Sommers aufbewahrte. Daß die-
ses Mittel die Bilder vor weiteren Stockflecken wirklich
geschützt hat, erweist sich daraus, daß jene Bilder, welche
Overbeck nach 1848 gefertigt hat, gar keine Stock-
flecken mehr bekamcn und bei den übrigen seitdem keine
neuen mehr sich ansetzten."

Wir haben diese Aeußerung dem geehrten Herrn
Einsender des Aufsatzes in Nr. 30 mitgetheilt und ent-
nehmen einer zweiten Zuschrift desselben Folgendes:

„Aus ber Berichtigung des Herrn Edelmann ist die
Tbatsache zu konstatiren, daß vierundzwanzig der Over-

beck'schen Zeichnungen wirklich Stockflecken zeigen, welche
die Aufstcllnng in Weyern hervorrief, was immerhin
tiefes Bedauern begründet, sei die Veranlassung in frühern
oder spätern Jahren zu suchen. — Der Aufsatz in der
Kunst-Chronik Nr. 30 wurde lediglich durch den innigen
Wunsch für die Erhaltung solcher Prachtwerke von
vielen kunstliebenden Besuchern hervorgerufen, die aller-
dings mit keiuem Mikroskop bewaffnet waren, aber bei
durchaus nicht flüchtiger Betrachtung wahrnahmen, daß
bei mehr als vier Zeichnungen die Stockflecken, freilich
nur für das künstlerische Auge, sehr störend wirken. —-
Es ist mit Freude zu begrüßen, daß eine sachkundige
Ueberwachung stattsindet, nachdem man schon befürchtet
hatte, es würden die Zeichnungen, die größtentheils auf
das Papier wie hingehaucht und deßhalb natürlich sehr
empfindlich sind, von Laienhand willkürlich aus dem
Rahnicn genommen uud wieder eingesetzt. Die harm-
lose Zufälligkeit, daß eins Zeichnung einmal verkehrt
wieder ihren Platz fand, mag nicht wenig zu dieser Be-
fürchtung beigetragen haben. Ganz fern liegt es uns,
eine hochachtbare Familie wie die Freiherrl. v. Lotzbeck'-
schc verletzen zu wollen, welche so große Opfer für die
Sammlung brachte und nur zum eignen Schaden etwas
spät gut beratheu wurde. Wir hegen sogar das größte
Vertrauen dazu, daß, wenn es möglich ist, ein trockeneres
Lokäl für die hcrrliche Sammlung noch ausgemittelt
werden wird, wodurch das immerhin bedenkliche Heraus-
nehmen der Zeichnnngcn aus den Rahmen vermieden
würde, und auch die Oelgemälde, welchen die Feuchtig-
keit ebenso schädlich ist und die doch nicht zwischen
Seidenpapier gelegt werden können, gesichert wären."
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