Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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VIII. Jahrgang.

Äciträgc

find an l>r. E. N. Lützow
Ovien. Theresianumg.
2s) od. an die Vcrlagsh.
(Leip;ig, KönigSstr. 3)
zn richten.

9. Mai

Rr. 30.
Inserate

a 2i<2 Sgr. für die drei
Mal gespaltene Petit-
zeile werden von jeder
Buch- und Kunsthand
lung angenommen.

I.'!73.

Beiblatt zur Zcitschrist sür bildende Kunst.

Dies Blatt, jede Woche am Freitag erscheinend, erhalten die Abonnenten der „Zeitschrift für bildende Kunst" xratis; für sich allein bezogen
kostet der Jahrgang 3 Thlr. sowohl im Buchhandel wie auch Lei den deutschen und österreichischen Postanstalten.

Jnhalt: Handzeichnungen von Friedr. Overbeck. — Von den Berliner Ausstellungen — Bremen: Korrespondenz. — Hildebrandt, Heraldisches
Mufterbuch; Wilmows ky, Baugeschichte des Domes von Trier; Krug und Pertzel, Ornamentik für Schlosser und Architekten. —
Antonio Perfetti-s. — Gewerbemuseum in Berlin. — Nichard Lucae; Julius Meyer; Eduard Dobbert. — Wiener Weltausftellung. —
Münchener Kunstverein. — Galerie Strousberg. — Archäologische Gesellschaft in Berlin; Bamberger Museum; Knaus' neuestes Bild;
Denkmal für H. v. Aufseß; Statue^ Naffael's von Hähnel. — Zeitschriften. — Jnserate.

Hmidzcichiiungcn von Frirdr. Ovrrbeck.

Ein Mahnwort an deren Hüter.

Zwei Stunden von Nannhofen, einer Station der
München-Augsburger Eisenbahn, liegt das schöne frei-
herrlich v. Lotzbeck'sche Gut Weyern, welches dnrch
seine mit Geschmack und großen peknniären Opfern ge-
sammelten Kunstwerke der Malerei und Plastik jedem
Bcsucher in angenehmer Erinneruug bleiben wird. Wir
nennen nur die Sakontala von Aug. Riedel, die Lands-
knechte von E. Meissonier, Gretchen und Faust von
Ary Schesfer, um die Qualität der Sammlung zu be-
zeichnen.

Aus allen Kunstgegenständen ragen aber die Zeich-
nungen zu den Evangelien von Friedr. Overbeck hervor,
welche in der jüngsten Zeit den Kunstfreund, statt mit
Freude, mit Schmerz erfüllen, indem sich rasch wach-
sendc Stockflecken im Papier zeigen, die durch Feuchtigkeit
des Lokals oder einen sonstigen Fehler hervorgerufen
werden.

Obgleich wir gegenüber einer Privat-Sammlung,
die allen Kunstfreunden mit großer Gefälligkeit zugänglich
gemacht ist, nicht im mindesteu indiskret erscheinen wollen,,
fühlen wir uns doch verpflichtet, an die maßgebende Ver-
waltung dcr Galerie in Weyern die dringende Bitte zu
stellen, alle Versuche vornehmen lassen zu wollen, um ein
so hohes Kunstwerk zu retten, welches unbestritten auch
das geistige Eigenthum der ganzen Kunstwelt ist, und um
welches sich gegenwärtig Niemand sonst zu kümmern
scheint, als der gute, in diesem Falle jedoch rathlose
Kastellan des Schlosses. ü—r.

Eine im Wesentlichen übereinstimmende Klage wurde
kürzlich noch von einem anderen geehrten Herrn Korre-
spondenten an uns gerichtet, und wir können es nicht
unterlassen, auch unsererseits die grenzenlose Gleich-
giltigkeit einer Berwaltung zu rügen, welche über so
kostbare, unersetzliche Kunstschöpfungan, über eines der
edelsten Werke Fr. Overbeck's, das Verderben hereinbrechen
läßt. Der Stifter und Eigenthünier der Galerie in
Weyern befindet sich, soviel wir wissen, in einer Heilanstalt
für Geisteskranke. Und seine Kunstschätze läßt man
inzwischen der Art verkommen! Bei dem großen Ver-
mögen der Familie v. Lotzbeck wäre es doch wahrlich
ein Leichtes, irgend eine pietätvolle kundige Persönlichkeit
oder sei es auch nur eine zeitweilig in Wirksamkeit tretende
Kommissivn (z.-B. von Kunstverständigen aus dem nahen
Augsburg oder München) zu bestellen, welche die nöthigen
Maßregeln zum Schutze der Galerie anordnen und über
ihrer Ausführung zu wachen hätte. Möchten diese Zeilen
dazu den Anstoß geben, bevor es zu spät ist! D. Red.

llon den Gerliner Äusstellungen.

(Schluß.)

Von den Porträts führe ich an: eine brünette Dame
(Brustbild) und das Kniestück eines sitzenden Herren,
beide von E. Hübner, jene etwas unausgeführt in der
Modellirung, dieser recht kräftig gemalt; ferner einen
Studienkopf eines Mädchens von sinnig träumerischem
Ausdruck von Ferdinand Schauß, eine reizvolle Arbeit,
wie ich lange keine von dem Künstler gesehen habe; so-
dann das Kniestück einer zierlichen und anmuthigen jungen
Dame, im schwarzen Sammetkleide, von Emil Teschen-
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