Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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Friedrich Eggers f. — Nekrologe.

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in gewisser Hinsicht unbedingt eine glückliche Wahl, als
ihn im Mai d. I. der neue preußische Unterrichtsminister
Or. Falk als Leiter der preußischen Kunstange-
legenheiten in sein Ministerium berief. Bescheiden,
wie er stets war, begnngte er sich damit, seine Kräfte in
dieser Stellung zunächst als Hilfsarbeiter zu erproben,
nnd mit seiner oft bewährten. nie ermiidenden Gewissen-
haftigkeit arbeitete er sich in die ihm oft unsympathischen
Zweige seiner neuen amtlichen THLtigkeit hinein.

Es ist eine müßige Frage, wenn eine derartige
Thätigkeit, kaum begonnen, durch den Tod nnterbrochen
wird, ob cr für alle FLlle dcr geeignetste Mann an der
Stelle gewesen wäre, ob er namentlich die Energie und die
physische Kraft gehabt haben würde, den ihm entgegen-
tretenden Schwierigkeiten, welche aus der langen Ver-
wahrlosung dieser ganzen Verwaltung mit Nothwendigkeit
resultiren mußtcn, gewachsen zu sein. Das steht fest,
daß Alles, was während seiner Amtsthätigkeit im KultuS-
ministerium inKunstangelegenheiten gethan und angebahnt
ist, den nnwiderleglichen Beweis dafür giebt, daß eine
Hand über der Sache waltete, welche mit tiefem Verständ-
niß, mit klarem Blick und mit opferwilliger Hingabe der
Sache von den höchsten Gesichtspunkten ausgehcnd zu
dienen beflissen war und, soweit bis jetzt die Möglichkeit
zn positivem Thun gegeben war, auch im Wesentlichen
durchaus das Richtige getroffen hat.

Freilich muß man mit Trauer hinzusetzen, daß das,
was Eggers in dcn wenigen Monateu seiner THLtigkeit
im Ministerium geleistet hat, seine Kräfte, weil es seiner
inncrsten Natur nach eine ihm heterogene Beschäftigung
war, zerrüttet, zerstört, aufgerieben hat. Es ist mit der
Verwaltung einmal ein eigenes Ding; sie erfordert eine
gewisse praktisch-trockeue Nüchternheit, welche die Sachen
nur bis auf einen gewissen Grad an das Gemüth heran-
treten läßt. Eggers war ein zu geistiger, feinsinniger
Mann, um Dinge, die mit der Kunst auch nur in der
allereutferntesten Verbindung standen, von dcnen auch
nur auf dem unabsehbarsten Umwege das Wohl und Wehe
irgend eines Kunst-Jnteresses abhing oder abhängenkonnte,
nicht sein ganzes Gemüth in der Tiefe erfassen zu lassen.
So hat er sich das viele rein Mechauische seiner Stellung
in einer rührenden, aber seine KrLfte untergrabenden
Weise allzusehr angelegen seiu lassen, aber er hat, und
das bleibt als ein hohes Verdienst bestehen, Grund-
lagen in die verwahrloste Verwaltung gelegt, aus denen
sich ein tüchtiger gediegener Neubau der ganzen Berhält-
uisse entwickeln kann. — Noch herrscht — und leider nur
zu begreiflich — Rathlosigkeit, wem sein erledigter Sitz
unvertraut werden soll.

Nur wenige Tage war er krank, und zwar schien
d>e Krankheit sich zum Besseren weuden zu wollen.
^och am Freitage konntc er das Bett verlassen, uud er
öenutzte die Zeit, um an den vorliegeuden Aktcn zu ar-

beiteu. Doch am Sonntage schon um die Mittagszeit
verschied er.

Am folgenden Donnerstage Nachmittags um 4 Uhr
wurde er uach eiuer erhebenden Feierlichkeit von einem
großen Gefolge zur Bahn geleitet, auf welcher seine sterb-
lichen Ueberreste nach seiner Heimat geführt werden sollten.
Vor dem reich geschmückten, im Garten seines Wohnhauses
auf das geschmackvollste aufgestcllten Sarge hielt der
Domhilfsprediger Dryander, welcher ihn auf seiner
italienischen Reise begleitet hatte, eine Rede, wie man sie
leider nicht oft bei BegrLbnissen zu hören bekommt, so-
wohl dem Jnhalte wie der Form und Vortragsart
nach ein wahres Muster und Meisterstück, welches durch
die schlicht schöne Schilderung des Vcrstorbenen, der
man das wirkliche VerstLndniß und die Wärme des
empfindenden Herzens in der wohlthuendsten Weise
anmerkte, in sämmtlichen Theilnehmern der Trauer-Feier-
lichkeit, unter dencn natürlich alle Spitzen der Kunst uud
Wissenschaft in Berlin vertreten waren, den tiefsten Nach-
hall fand. Die Versammlung folgte zu Fuß dem Leichen-
wagen, neben dem einige seiner Lieblingsschüler Palmen
trugen. Eine merkwürdige Feier sah dann der Hamburger
Bahnhof in seiner Halle sich vollziehcn; der Sarg wurde
in den bereitstehenden, mit Blumen dekorirten Wagen ge-
hoben, und es war ein eigeuthümlicher Eindruck, ein über-
rascheuder Beweis von der Poesie auch unseres Zeitalters
des Dampfes, wie unter den Klängen des „Es ist bestimmt
in Gottes Rath", nachdem die Thüren des Wagens sich
geschlossen, sich die Lokomotive lautlos in Bewegung setztc,
und der Wagen mit dem Sarge deu thränenden Blicken
der zahlreichen Freunde leise entschwand.

Bruno Mcycr.

Nckrologe.

Jakob Alt ch. Am 30. September hat der älteste Künst-
ler in Wien, Jakob Alt, der Vater des berühmten Aqua-
rellisten Rudolf Alt, im Alter von 83 Jahren nach längerer
Krankheit das Zeitliche gcsegnet. Der Verewigte wurde am
17. September 1789 zu Frankfurt a. M. geboren. Bei Zeiten
schvn folgte er seiuer Vorliebe für die Kunst und wurde Ma-
ler. Das Porträt seiner Mutter, das er als 14jähriger
Knabe malte, erregte Sensation. Auf einer Reise uach Rom
im Jahre 1810 kam Jakob Alt nach Wien, wo er bald darauf
stch verhcirathete. Alt widmete stch anfangs, aber nur kurze
Zeit, der Portrännalerei. Die Lithographie war damals eine
neue Erfindung, und Jakob Alt war einer der Ersten, die
sie für die Kunst verwendeten. Bekannt ist das Werk: „Die
Donau vom Ursprung bis Belgrad", wclchcs in den Jahren
1818 und 1819 ausgeführt wurde. Jn den Jahren 1823
und 1824 entstand sein zweites größeres Werk: „Das Salz-
kammergut in Oberösterreich" — damals fast noch eiu un-
bekauntes Land, das Alt mit seinen Studien erst förmlich
entdeckte. Dann folgten Bilder „Aus den Alpen der öster-
reichischen Monarchie" in achtzig Blättern und „Wiener An-
sichtcn". Jn den dreißiger Jahren unb bis zum Jahre 1848
beschäftigte ihn fast ausschließlich Kaiser Ferdiuand, für wel-
chen er eine große Sammlung von Aquarellen machte. Von
1848 an gab sich Jakob Alt mit Vorliebe dem Studium der
Wiener Flora hin, desscn Resultat eine Sammlung von 400
Blättern war, die sich ncbst vielen andern Aquarell-Studien
aus Deutschland, Jtalien, Ungarn und Dalmatien in seinem
Nachlasse besinden. Das hohe Alter erst setzte seiner Thätigkeit
Grenzen. Als Mensch war er höchst liebenswürdig und bescheiden.
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