Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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Bciblatt z„r Zcitschrist siir Lildcndc Kunst.

21. Februar

1873.

VIII. Iahrgang.

Nr. 19.

ücitrüge

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(Wien, Theresiannmg.
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Inhalt: D>e engere Konkurrenz um das Goethe-Denkmal und ihr Ergebniß. — Aus Tirol. — Kriegerdenkmale in Halberstadt und Dortmund. —
Wlener Weltausstellung. — Bahrisches Gewerbemuseum zu Nürnberg; Neubau der Wiener Universttät; Jos. Hoffmann; Kinderporträt von
Eornellus; Zwei Kartons von Fr. Overbeck; Neubau der Düsseldorser Akademie; Suaendarbeiten von Führich. — Reuigkeiten des Buch-
und Knnsthandels. - Zeitschriften. - Jnserate.

Oic cngcrc Sonkurrcns um das E>oct1,e-Dcnkmal
in Gcrlin und ihr Ergcbniß. *)

Wenn es erlaubt ist, mit einem persönlichen Be-
kenntnisse zu beginnen, so muß ich sagen, daß ich selten
eine größere Genugthuung auf meiner kritischen Laufbahn
erfahren habe, als diejenige, die mir der Anblick der
neuen Goethe-Entwürfe gewührt hat. Nicht nur die all-
gemeinen Grundsätze, welche ich bei Gelegenheit meiner
Beiprechung der Vorkonkurrenz zu entwickeln versucht habe,
sondern auch fast sammtliche Einzelbemerkungen habeu
sich (das ist gewiß ein höchst seltener Fall) der stillschwei-
genden Zustimmung der Künstler zu erfreueu gehabt. —

Es ist bekanntlich außer den drei prämiirten Kon-
kurrenten Rudolph Siemering, Fritz Schaper und
Abolph Donndorf noch Alexander Calandrelli zur
engeren Konkurrenz eingeladen worden. Wie aus meinem
früheren Berichte erinnerlich, glaubte ich die Prämiirung
von Donndorf sowohl wie auch die Aufforderung Calan-
drelli's auf ein eigenthümliches Versehen derJury zurück-
führen zu müssen, und dieser Eindruck ist durch das Auf-
treten beider Künstler in der engeren Konkurrenz bestätigt
worden: sie kamen gegenüber Siemering und Schaper jetzt
gar nicht mehr zur Geltung; das geistige Gcwicht ihrer
Schöpfungen stand zu weit unter demjenigen der anderen.

Donndorf hat es sich auch nicht einmal einegroße
Bemühung kosten lassen, um seinen vollständigen Denk-
malsentwurf auf eine höhere Stufe zu heben, als es ihm
das erste Mal gelungen war, und er verzichtete sogar
darauf, jene Goethe-Statuette noch einmal in's Gefecht

-) Bergl. Kunst-Chronik, 1872, Sp. 321 ff. und 1873,
Sp. 261 ff.

zu führen, welcher er seinen ersten Erfolg zu verdankeu
hatte. Er hätte ja nur ein einfaches Postament zu der-
selben zu liefern brauchen, um sie konkurrenzfähig zu
machen: aber offenbar hat es ihm nicht der Mühe gelohnt.

Mit größerem Ernste war Calandrelli der zwei-
ten Konkurrenz entgegengeschritten. Sein Entwurf hat
eine ganz andere Gestalt angenommen. Ich hatte prin-
zipielle Bedenken gegen diejenige Art von Anordnung er-
hoben, welche dem Denkmale nur von einer Seite einen
kompletten und künstlerisch abgeschlossenen, verständlichen
Eindruck verleiht, und die Nolhwendigkeit betont, daß das
Denkmal von allen Seiten wenigstens in seiner allge-
meinen Disposition verständlich sich dem Auge darbieten
müsse. Unter den zur engeren Konkurrenz Zugelassenen
war Calandrelli derjenige, welcher gegen dieses Prinzip
am stärksten verstoßen hatte, und er hat jetzt jene hohe
Rückwand der Denkmals-Anlage, an welche sich in der
Mitte ein Balbachin, die sitzende Statue Goethe's um-
schließend, anlehnte, gänzlich aufgegeben, seinen Goethe
auf ein einfaches viereckiges Postament mit Reliefs an
den Seiten gesetzt und dieses mit einer Umfriedigung in
der Grundrißform eines Kleeblattbogens umgeben.

Die Statue selber war, wenn ich mich rechl erinnere,
dieselbe, wie bei der ersten Koukurrenz. Bereichert aber
war der Entwurf dadurch, daß die früher nur ange-
deuteten Reliefs der Hinterfläche sich in ausgeführte
Skizzen an den Seiten des Postamenles verwandell hallen.
DieBorderseite zeigt in einemKranze den Namen „Goethe",
die Rückseite eine schwebende Pshche mit der Leier, in die
sie greift. Mehr fallen die beiden Seitenflächen in's
Gewicht. Zur Linken erscheinen drei weibliche Gestalten,
die Lyrik mit dem Amor, dann die Tragödie, und weiter-
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