Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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Aus Straßburg.

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5. Einen Plan zu einer Kanzel an der Stelle und in der
Höhe der jetzigen; ob dieselbe für eine Ausführung
in Stein oder in Holz projektirt wird, ist dem Künstler
anheimgegeben. Dieselbe muß einen Schalldeckel erhalten.
Die jetzige Kanzel fkeht am ersten Pfeiler der südlichen
Seite des Mittelschiffes, von der Kreuzvierung an gerechnet,
und hat bis zum obern Rande eineHöhe von 7' 6" rhein.,
so daß die Mundhöhe des Predigenden «L. 9' 6" beträgl.

Die Zeichnungen der von —5 aufgefllhrlen Pläne,
bestehend in Grundriß, Aufriß und Durchschnitt, sind in
einem Zwölftel der nalürlicheu Größe in Linien anszu-
führen; die nothwendig erscheinenden Uebersichtszeichnun-
gen müssen in einem Maßstabe, von welchem zehn Fuß
rhein. auf drei Zoll rhein. gehen, dargestellt werden.
Auch ist ein Erläuterungsbericht nnd ein summarischer
Kostenanschlag überall beizufügen.

6. Außerdem wird eine gutachtliche Aeußcrung gewünscht

L. über die Art und Weise der anzubringenden Beflurung
des Domes und seiner Kapellen;
b. über die angemessenste und zweckmäßigste Weise der Be-
leuchtung, namentlich darüber, ob die bisherige Ein-
richtung der Beleuchtung durch Armleuchter beizube-
halten, oder durch eine andere, sei es vermittelst
Kandelabcr, sei es in anderer Art zu ersetzen sei. Der
Dom wird durch Gas beleuchtet.
o. über die innere Behandlung der Wände, Pfeiler und
Gewölbe, so wie der in den Schiffen befindlichen
Slatuen. Die Statuen des Chores sind bekanntlich
polychromirt.

II. Die Einsendung der Pläne und Gutachten muß längstens
bis zum 8. Deeember 1872 an das nnterzeichnete Metro-
politan-Dom-Kapitel erfolgt sein.

III. Die eingesendeten Pläne werden einer Kommission von
bewährten und unbetheiligten Sachverständigen zur Be-
gutachtung unterbreitet. Nach deren Anhörung wird durch
Beschluß des hochwürdigsten Herrn Erzbischofs und des
Metropolitan-Dom-Kapitels endgültig festgestellt, welche
derselben nicht nur dcn Anforderungen der Kunst ent-
sprechen, sondern auch hinstchtlich allcr in diesen Gesammt-
plan aufgenommenen Gegenstände zur Ausführung in der
Domkirche geeignet sind. Von diesen erhalten die beiden
Pläne, welche als die vorzüglichsten anerkannt werden,
Prämieu, der erste von 1200 Thlr., der zweite von 800
Thlr., die nicht prämiirten Konkurrenten erhalten eine
Vergütung ihrer Mühe und Auslagen im Betrage von
je 500 Thlr., welche Prämien und Vergütungen nach
geschehener Entscheidung bei der Kasse des Domkapitels
zahlbar sind.

IV. Durch die Zahlung der Prämien und Bergütung geht
das Eigenthum der Pläne auf die Domkirche über.

Auf mehrfache Vorstellungen ging das Domkapitel
nachträglich davon ab, als nothwendiges Erforderniß zu
verlangen, daß der Schrein der h. drei KLnige mit dem
Hochaltar in Verbindung gebracht werden müsse, und
wurde es deßhalb den konkurrirenden Künstlern übcrlassen,
in ihren Plänen die Stelle für diesen Schrein auszu-
WLHlen. Bei den Zeichnungen der Aufstellungs- und
sichern Bewahrungsweise sollte aber festgehalten werden,
daß der Schrein leicht sichtbar gemacht werden und zu-
gänglich bleiben müsse.

Die zur Konkurrenz eingeladenen Künstler waren

die Herrcn: Essenwein in Nürnberg, Rincklake in
Düsseldorf, Schmidt in Wien, Schmitz in Köln,
Schneider in Aachen, Boigtel in Köln. Schmibt und
Boigtel lehnten ab, die fünf andern nahmen an, Essenwein
jedoch hat nichts eingeliefert. Die übrigen vier haben
Entwürfe eingereicht. Vorläufig sind diese Zeichnungen
in einem Saale der «rzbischöflichen Wohnung aufgestellt,
aber nicht allgemein zugänglich. Bis jetzt hat das Kapitel
sich über die Sachverständigen, deren Urtheil über die
eingelieferten Entwürfe eingeholt werden soll, noch nicht
geeinigt. Wir nnsererseits haben uns unser Urlheil über
die einzelnen Projekte gebildet, halten aber vorlänfig noch
damit zurück, weil es der Wunsch des Domkapitels ist,
daß nicht eher eine kritische Besprechung erfolgen möge,
als bis die Sachverständigen ihre Gntachten abgegeben
haben und die Entwürfe zur öffentlichen Ausstellung ge-
bracht wcrden.

Äus Straßburg.

IS. März 1S7S.

Daß Professor Springer ohne Ersatz demnächst
unsere Stadt verläßt, kann nicht genug beklagt werden;
denn die Fragen der Kunst nnd des Alterthums scheinen
nachgerade am meisten geeignet, die ersten Schritte einer
Annäherung der beiden gegnerischen Parteien anzubahnen,
aus der dann die Amalgamirung derselben im gut deut-
schen Sinne hervorgehen soll. Ueber eine solche Gelegen-
heit, wie sie sich ans der Frage nach einem Kunstgewerbe-
Museum ergeben, haben wir erst vor Knrzem berichtet,
und schon können wir einen zweiten Fall der Art ver-
zeichnen.

Jm Elsaß besteht nämlich aus der französischen Zcit
her ein Verein für Erhaltung der Baudenkmäler, d. h.
eine »Looiätä pour ln oonsorvntion äos wonumonts
Iiistoriszuos ä'^Isaoo". Es ist dieß ein Verein nach
französischem Zuschnitte, der eine Regierungssubvention
aus den Departementaleinkünften genießt; und demgemäß
finden auch jetzt die Versammlungen unter dem Ehren-
vorsitze des Bezirkspräsidenten von Ernsthausen statt.
Obrnann des Vereins war bisher der durch seine Ver-
dienste um die Geschichte von Straßburg, wie durch seine
Gesinnungstüchtigkeit gleich hoch geachtete Archivar Spach.
Die Mehrzahl aber der Komitä- und Vereinsmitglieder
war natürlich französisch gesinnt, namentlich die aus dem
Oberelsaß. Der deutschen Gelehrtenkolonie von der
neuen Universität entging indeß die Wichtigkeit dieses Ver-
eines nicht, zumal da das Gerücht auftauchte, die Gesell-
schaft wolle sich aus Gram über die Fremdherrschaft auf-
lösen, um das nicht unbeträchtliche Vereinsvermögen der
französisch gesinnten Mairie in die HLnde zu spielen.
Um diesen Plan zu kreuzen, galt es rechtzeitig in der
„Looiätä" festen Fuß zu fassen, und zu diesem Behnfe
wußten im verflossenen Jahre derUniversitäts-Bibliothekar
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