Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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VIII. Jahrgang.

Nr. 25.

Gciträge

sind anlir. C.V.Lützow
(tvien, Theresianumg.
25)od.andieVerlagsh.
(Leip)ig, Kö'nigsstr. 3)
zu richten.

4. Äpril

Inftrate

a 21/2 Sgr. für die drei
Mal gespaltene Petit-
zeile werden von jeder
Buch- und Kunsthand-
lung angenommen.

1873.

BeMatt zur Zeitschrist sür vildende Kunst.

Dies Blatt, jede Woche am Freitag erscheinend, erhalten die Abonnenten der ,,Zeitschrift für bildende Kunst" gratis; für sich allein bezogen
kostet der Jahrgang 3 Thlr. sowohl im Buchhandel wie auch bei den deutschen und österreichischen Postanstalten.

Jnhalt: Denkmale deutscher Kaiser. — Ein Selbstbildniß von Bartol. Passerotti. — Nichter, Christliche Architektur und Plastik in Nom vor
Constantin dem Großen. — Nekrologe: Joh. Heinr. Nob. Köhler; George Catlin; Thomas Sully; George Palmer Putnam. — Michiels'
Geschichte der Architektur und Maler'ei vom 4. bis 16. Jahrhundert. — Standbild Peter's von Cornelius. — Kunstverein für die Nheinlande
und Westfalen. — Münchener Kunstverein. — Archäologische Gesellschaft in Berlin. — Prof. Heinrich Mücke's neueste Arbeiten- — Krieger-
denkmal, entworfen von Heinrich Hofmeister. — Münchener Erzgießerei. — Kriegerdenkmal zu Schwerin. — Auktionskataloge. — Jnserate.

Denkmale deutscher Naiser.

Die jüngste, durch harte Kämpfe errungene Wieder-
aufrichtung des deutschen Reichs unter der Krone Preußen
hat unser Nationalgefühl neu belebt und die Erinnerung
an die ruhmreichen Zeiten unserer alten Kaiser wieder
wach gerufen. Jmmer mehr wird die deutsche Geschichte
durch Herausgabe populärer Schriften zum Gemeingut
des Volkes gemacht; auch an wissenschaftlichen Be-
arbeitungen und Quellenforschungen zur deutschen Ge-
schichte ist in neuerer Zeit unsere Literatur bedeutend ver-
rnehrt worden. Ich nenne nur das großartig angelegte Werk
von Pertz, Nonnmenta Kormunius kistor., die „For-
schungen zur deutschen Geschichte, herausgegeben von der
k. bayer. Akademie der Wissenschaften in München" und
Giesebrecht's Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Schon
spärlicher vertreten sind kulturhistorische Schilderungen
der veutschen Vergangenheit. Hier stehen die Werke von
Freytag, „Bilder aus der deutschen Vergangenheit",
Falke, „Deutsche Trachten- und Modenwelt" nnd Kriegk,
„Deutsches Bürgerthum im Mittelalter", fast einzig da.
Die Kunstgeschichtschreibung, welche sich früherhauptsächlich
wit der Erforschung der Baukunst oder einzelner Haupt-
Meister der Malerei, wie Dürer, beschäftigte, hat erst neuer-
dings auch den übrigen Künsten, Kunstgewerben und Klein-
künsten ihren wohlverdienten Platz eingeräumt. Von einer
genauen, alle Verhältuisse gleich eingehend würdigenden
Darstellung unserer nationalen Kunstgeschichte sind wir
aber noch weit entfernt. Die Kunstbestrebungeu der
^inzelnen Kaiser z. B. sind in den Handbüchern der Kunst-
geschichte noch nicht genug hervorgehoben worden. Eben-
fehlt es an einer kunstarchäologischen Darstellung der

noch erhaltenen Kaiser-Deukmale, d. h. an Abbildung
und Beschreibung alles dessen, was sich an die Personen
der Kaiser selbst knüpft und zwar an ihre persönliche Er-
scheinung, ihren Charakter, ihr Familienleben, die Wahl-
und Krönungsfeierlichkeiten, die Hofhaltung, die Reichs-
tage, die großen Synoden und Kirchenfeste, Tod und Be-
stattung des Kaiserö, sein Grabmal rc., dann eine möglichst
vollständige Zusammenstellung der noch erhaltenen Bilder
(Porträts) der Kaiser nach Mosaiken, Miniaturen, Skulp-
turen, Gemälden, Medaillen, der Siegel nnd Handzeichen,
der Reichsinsignien, Gewänder, Waffen und Geräthe,
schließlich ihrer Bauten, vornehmlich der Schlösser und
Pfalzen.

Schon mehrfach hat man versucht, die Bildnisse der
deutschen Kaiser darzustellen, aber immer ohne zuvor die
genügenden vergleichenden Studien der alten Vorbilder
zu machen. Schreiber dieses hatte schon vor mehreren
Jahren angefangen, dahin gehende Studien zu sammeln,
und will in diesen Mittheilungen speciell mit Rücksicht
auf die deutschen Künstler, denen in dieses Gebiet ein-
schlägige Aufträge zu Theil werden, eine kleine literarische
Revue halten, um zu zeigen, was bisher in dieser Rich-
tung publizirt worden ist. Da muß vor allem das trefstiche
Werk von Bock angeführt werden: „Die Reichskleinodien
des h. römischen Reichs deutscher Nation und die Krö-
nungsinsignien Böhmens, Ungarns rc. Wien. k. k. Staats-
Druckerei. 1864". Dieses kostbare Prachtwerk enthält auf
46 Tafeln in prachtvollem Farbendruck sämmtliche noch
im Schatze zu Wien und im Münster zu Aachen aufbe-
wahrten Reichskleinodienwie: Kronen,Scepter, Schwerter,
Gewänder, heil. Geräthe rc. nebst den formverwandten
Parallelen. Der archäologisch-wissenschaftliche Text ist
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