Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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Ueber einige Denkrnäler Elsässischer Kunst in den Wiener Sammlungen. - Kunstliteratur.

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lande fortfahren, unsere Fachgenossen jenseits der Vo-
gesen zu Publikationen über Elsässer Kunst zu veran-
lassen- Verdanken wir diesen Gefühlen doch soeben auch
das inhaltsreiche Werk von Charles Görard: I-ss
^.i-tistss äs l'^lsuoe psnäuirt 1o iiio^sii-LA-s, dessen
beide stattlichc Bäude wir der Beurtheilung eines unserer
kompetenten Mitarbeiter anheimstellen. Solche Be-
strebungen in der französischen Kunstliteratur verdienen
in um so hoherem Maße unsere Beachtung, als sich
die deutsche Kunstwissenschaft besonderer Verdienste um
das Elsaß noch nicht rühmen kann. Ja auch die Hoff-
nungen, welche sich an die Berufung Anton Springer's
nach Straßburg knüpften, sind durch dessen Abgang nach
Leipzig rasch wieder zu nichte gewordcn, und die deutsche
Reichsregierung schemt es wieder vergessen zu wollen,
daß Elsaß ein altes Kunstland ist uud daß es als solches
auf die Pflege seiner kunstgeschichtlichen Vergangenheit
ein Anrecht hat. N.

Knnjtlitrratnr.

«s. (-Ililr'rtzst., Ossoription äss 6o1isotion8

äs Losuux - Nutrivss äs U. L. OonAS.

1?uris 1872. 8.

Die Produkte der antiken Graveure und Stempel-
schneider — Müuzen, Gemmen, Mcdaillen — sind von
der Archäologie längst in ihrem allgemeinen Werthe für
die Gesammtentwickelung der bildenden Kunst erkannt
und demgemäß fruchtbringend ausgebeutet wordcn. Für
die Kunstgeschichte des Mittelalters wurden uach dieser
Richtung bisher nur wenige Versuche gemacht. Die
Schuld an bieser geringen Verwerthung vornehmlich der
Siegel für die Erforschung der mittelalterlichen Kunst
lag nicht an einer mangelhaften Würdigung oder gar
einem Berkennen ihres Werthes für diesen Zweck, son-
dern an der schwierigen Zugänglichkeit und namentlich
der vollkommenen Unordnung des Materials.

Diesem oft tief empfundenen Mangel abzuhelfen,
dient vorliegende Schrift, welche sich die Beschrei-
bung einer Sammlung von 1200 Stück zur Aufgabe
gemacht hat. Eine kurze, mit 18 sehr sauberen Holz-
schnitten ausgestattete Vorrede weist auf die Bedeutung
der Sigillographie für die Bau- und Kulturgeschichte
hin. Namentlich interessant sind die Aufschlüsse, die
wir über weltliche und geistliche Tracht und Geräth-
schaften allerlei Art erhalten, um so werthvoller für
uns, da die Siegel gleichzeitige und unverdächtige Ur-
kunden erster Hand sind.

Analog der antiken Stempelschneidekunst ist auch
die Entwickelung der des Mittelalters mit der Plastik
Hand in Hand gegangen oder derselben zum wenigsten
gefolgt. Dies ist^der zweite ebenso wichtige Punkt, der
Beachtung verdient. Wo bisweilen für die Plastik der

Faden kunsthistorischer Entwickelung zerreißt, können die
Erzeugnisse des Stempelschneiders oft die verloren ge-
gangenen Glieder ersetzen. Bevor aber dieser Zweig
der Kunsttechnik eiue derartige wissenschaftliche Berwer-
thung findeu kann, muß das überall zerstreul liegendc
Material gesammelt und kritisch gesichtet werden. Wir
sind überzeugt, daß alsdanu erst die Wichtigkeit dieses
Kunstzweiges, z. B. für die Rekonstruktion verschwun
dener Bauwerke in ihrem vollen Umfange erkannt wer-
den wird. Ueber die Bedeutung der Sammlung des
Herrn Dongs und über den kritischen Werth des Ver-
zeichnisses selbst können wir kein Urtheil fällen, da uns
nur die iuteressant geschriebene Vorrebe zu Gesicht ge-
kommen ist. Am Schlusse derselben klagt der Herr Ver-
fasser bitter über die gegenwärtige Berwaltung der franzö-
sischen Kunstinstitule. Wir können es uns nicht versa-
gen —- für uns zu einigeni Troste — folgende charak-
reristische Stelle herauszuheben: „Wen haben wir heut-
zutage als Konservatoren unserer Museen im Großen
> und Ganzen? . . Gelehrte und Dilettanten, Archäo-
logen nirgends. Die meisten unserer Konservatoren sind
es erst durch ihre Anstelluug gewordeu; oft genug
haben sie Widerwillen gegen die Monumente, die ihrer
Obhut anvertraut siud." — Wie lange noch wird ein
„Hout soinins olisr: nous!" als Randbemerkung zu die-
sen Zeilen sür deutsche Zustände seine Berechtigung haben?

A. R.

1!. v. L. Xouvollss .1,-olävss <ls 1' li-t l'iunoais.

Die 8ooie1e clo l'Histoirs äs 1'L.rd 1?rausai8 hat uach ihrer
Rekonstittürung im Jahre 1870 ihre Pubtikationen wieder aus-
genominen und den Jahrgang 1872 soeben (Paris bei I. Baur.
1872. 510 S. 8") unter dem Titel „lilonvsllss ^.roliivös
sis I'itrt b'ran^ais" veröffentlicht. Die Gesellichaft, ge-
gründet, um das Studium der Kunst- und Knnstlergeschichte
Frankreichs zu fördern, veröffentlicht in ihren Jahres-Pnbli-
kationen Dokumente und fördcrt die Herausgabe von Mono-
graphien. Sie zählt die hervorragendsten Kunstforscher nnd
Amateurs Frankreichs, sowie eine Anzahl von Künstlern zu
ibren Mitgliedern. Als Ehrenpräsident sungirt Herr Th. de
Chennevisres, als Präsident Prof. A. de Montaiglon, als Se-
kretär der Archivist I. Guifsrey. Die Herren Guiffrey, I. de
Laborde und A. de Montaiglon bilden die Kommission für die
Publikationeu — Hervorragende Dokumente, welche in dem
vorliegenden Bande veröffentlicht worden, sind: Pestamöllt
st invölltuirs äss röliguig.irss äs la reins Xnns ä'ttutrioliö,
vom 13. Februar 1666; das Verzeichnisi der Künstler, die
zwischen 1605 —1656 für die k. Schlösser gearbeitet haben,
und der Künstler, die zwischen 1532 —1784 für die Ng-ison
äu lloi thätig waren; Brief von I. Louis David, begleitet
von einer chronologischen Uebersicht der Wirksamkeit L. David's
im Convent, die Ankäufe sür den König auf der Vente des
Kabinets von P. I. Mariette im Jahre 1775 (es wurden
1061 Blätter um 58,000 Livres für die k. Sammlung gekaust),
ein Verzeichniß der im Jahre 1804 in Paris lebenden cnglischen
Kiinstler u. s. f. Ein Verzeichniß der in dem Bande ange--
führten Dokumente erhöht die Brauchbarkeit der Publikation.
Die Herausgabe der Dokumente zeichnet gch durch Genauigkeit
und zweckmäßige Erläuterung vor vielen anderen Publikationen
ähnlicher Art vortheilhast aus. Ein von der Madame de Stasl
unterzeichnetes, von A. W. Schlegel geschriebenes Billct, das
in diescm Bande veröffentlicht ist. bezieht sich anf eine Marmor
Statue Necker's, welche der Bildhauer Tieck 1816 um den
Preis von 1200 florent. Thalern auszuführen übernommeN
bat. Es wird nicht erwähnt ob diese Statue wirklich vollendet
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