Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Halensia.

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Kopf eingeschnitzt, aber der Mann ist ohne Mütze und
Spitzbart, nur mit Schnurrbart versehen, so daß wir in
ihm nicht mit Sicherheit den Künstler zu sehen haben.
Übrigens ist Antonius Pauivart als Verfertiger des Wand-
gestühls von U. L. Frauenkirche wahrheitsgemäß schon
verzeichnet bei Olearins, Halygraphia (1667) S. 272,')
und daraus bei Nagler im Künstlerlepikon s. v. Pauwart.

2. Jener unbekannte Meister V ' R, welcher dem
Nickel Hofemann bei den Bögen des Friedhofes geholfen
(Zeitschr. XVII, S. 178, Anm. 4), hat ihm anch bei
dem Bau der Marktkirche zur seite gestanden, wie sich
aus seinem Steinmetzzeichen — dasselbe ist abgebildet
in den Heften der „Deutschen Renaissance", Abteilung
VIII zn Blatt 11 ff. — nebst Monogramm und Jahres-
zahl 1554 ergiebt, welches sich an der rechten Bogenfüllung
der — von den sogen. Blauen Türmen ausgerechnet —
ersten südlichen Empore inmitten von Rankenornament
angebracht findet. Daraus erkärt sich die enge Stilver-
wandtschaft zwischen der Ornamentik in der Marktkirche
nnd am Friedhofsbau.

3. Jn Blatt 29 der VIII. Abteilung der „Deut-
schen Renaissance", enthaltend verschiedene Holzgesimse,
die sich in unserer Stadt noch erhalten haben, bemerke
ich, daß das Gesims in der kl. Ulrichsstraße die folgende
Jnschrift (in Majuskeln) trägt: I)is s Nsn8obs s UsZsn
6ott § üan s niobt s trisAön s II - 0 - 0 - s Xnno ' 1 ch
6 04 (8io: 1604, nicht 1600).

4. Seitdem Dreyhaupt Chronik I, S. 1054 als
Jahreszahl auf dem bronzenen stattlichen Taufbecken von
St- Ulrich „14 35" angegeben hat, geht diese in den Kunst-
büchern um (z. B.Kugler, Kl. Schr. II, S. 32, 1; Schnaase
Gesch. d. b. K. ^ VII l, S. 514); es ist aber 1130
gemacht, wie schon Otte, Hdb. der kirchl. Kunstarch.^

S. 223 richtig angiebt. Die Jnschrift, in neugotischen
Minusketn, lautet nämlich: 7l.no - äin - ni - ooso - xxx -
p' - rns - lnäollns - vä - brä8viü - ücls - 8in - 8ons -
üiriü - As - gbotö - to ' rnaZsZsboroli. Das p' ist ganz
deutlich und unzweifelhaft, wie auch aus der Wieder-
holung der Jnschrist an der alten Replik des Tanf-
beckens in der Marktkirche hervorgeht. Diese Kopie weicht
von dcm Becken in der Ulrichskirche nur in der Reihen-
folge der Figuren ab'') — Christns, Maria und die
zwölf Apostel (statt Judas ist Paulus eingefügt); jedc

1) „Jn diesem (1559) und folgenden Jahren bis 1572
(sio) ist besage der eingeschnittenen Schrifft und Jahreszahlen
das künstliche eichene Tafelwerk an den Wänden Männer und
Weiber-Ständen der Kirchen zur L. Frauen durch ä.utonium
l^aurvart voir Vxsrn in Utanüsrn verfertigt worden".

2) Auch die vier das Becken tragendsn Figürchen sind
verschieden: in der Ulrichskirche Maria mit dem Kinde, ein
Heiliger mit Buch und zwei heilige Frauen; in der Markt-
kirche dagegen zwei heilige Frauen und zwei heilige Männer,
je mit Buch.

Figur unter Rundbogen ist besonders gegosien — und
in der Jnschrift, die so lautet: uno - ärn - in - oooo -
xxx - psr - ins - 1näo1ln8 - vä - I>rü8vi1c - nnäs - 8in -
8ons - Iiirilr - gs - glioto - to - inaAsäsboroli. Man
sieht, der Kopist der Jnschrift las auch p' und löste das
zn xsr anf, ferner löste er noch nnäs auf. Das psr
ist aber unmöglich bei der deutschen Jnschrift. Wahr-
scheinlich ist ein Versehen zu konstatiren und statt x' em
li' anzunehmen, d. h. „hat mich .... gegossen". Schon
Nicolai (Nachr. von Berliner Künstlern, 1786, S. 9)
hat vermutet, daß von eben diesen Brvnzekünstlern oder
„Grapengetern" in Magdeburg noch ein anderes Werk
herrührte: in der Petnkirche zu Berlin befand sich ein
jetzt nicht mehr vorhandener Taufstein mit zwölf Aposteln
nebst Joseph (doch wohl Christus?) und Maria, welcher
laut Inschrist von Ilinrilr äs NuKäsliorA 1434 gemacht
war. Mich dünkt diese Vermutung mehr als wahr-
scheinlich: wie das Berliner Taufbecken allein von dem
Sohne Heinrich gemacht ist, so das Taufbecken in der
Katharinenkirche zu Salzwedel allein von dem Vater
Ludolf von Braunschweig im Jahre 1421 (Otte a. a. O.).
Ursprünglich arbeiteten sie in Braunschweig, ihrer Vater-
stadt; später wandten sie sich nach dem reicheren Magde-
burg, damals denr kirchlichen nnd gewerblichen Mittel-
punkt der sächsischen Lande.

5. Wohl selten sind von eineni mittelalterlichen
Künstler so viel Werke erhalten, und zwar an einem
Ort erhalten, wie dies bei Conrad von Eimbeck der
Fall ist, welcher um 1400 (1388—1416) lebte und
von dem in der Moritzkirche zu Halle fünf sicher be-
zeugte Bildhauerarbcitcn vorhanden sind. Mit Recht
hebt Kugler (Kleine Schriften II, S. 26) an diesen
Skulpturcn, „die den allgemeinen Charakter der Zeit
tragen", die augenfällige Vereinigung von großem fast
überderbem Realismus in der Behandlung des Nackten
und von Jdealismus in der Behandlung der Gewan-
dung soivie teilweise des Ansdrncks hervor. Übrigens
war Conrad auch Baumcister: er — Oonrnärm in bün-
bslrs nutn8 — und ein Petrus de Mordal bauten 1388
den Chor der Moritzkirche an, laut Jnschrist außen an
dem einen Pfeiler (Dreyhaupt I, S. 1082: „rsotors8
8trnotnras"). Seine figürlichen Bildhauerarbeiten stam-
men ans seinem späteren Lebensalter; da in ihrer Auf-
zählung bei Dreyhaupt (I, S. 1085) und Kugler a. a. O.
mancherlei kleine und größere Versehen mit unterlaufen,
scheint mir eine genauere Mitteilung angebracht, zumal
der Jnschriften, die teilweise mehr und mehr unlesbar
werden; ich habe sie zusammen mit nieinem Kollegen
Prof. vr. Schum so weit es noch möglich war aufge-
zeichnet. Es sind folgende Skulpturen, sämtlich bemalt:

>) Reliefsigur des H. Mauritins, sog. Schellen-
moritz; am Postament der Kaiser Mapimian. Jnschriften:
jXnj rro äomini N° 6066° XI? Oours.än8 - äs Lin-
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