Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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s8. Iahrgang.
Beiträge

sind an ssrof. Dr. L. von
tützow (lvien, Ttzere-
sianumgasse 25) oder an
die verlagshandlung in
teipzig, Gartenstr. 6,

s7. Mai

Nr. 3s.
Inserate

ü 25 ssf. für die drei

zeile werden von jeder
Buch- u.Runsthandlung
angenommen.

is883.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.


Inbalt: titterarische Bestexe der Raffaelfeier in Italien. — laurei. L. ^cl., Oe Lkristelijlce Lunst (I^'urt Oüretien) in HoIIunci en Vlaunüeren
Bode, w., Italienische ssorträtskulpturen des XV. Iahrhunderts in den k. Museen zu Berlin. — ). Goupil f; Gd. Manet -f. — L. ssolste
I. ^cholz. — Aassel: Ausstellungen; Internationale Gemäldeausstellung in j)aris; Ausstellung der Londoner Aunstakademie; Neue Lr
werbung des Museums in Brüssel.— Archäologische Gesellschaft in Berlin; Aus 2<assel; Aus Rlosterbeilsbronn; 2lus Berlin.— Amster
damer versteigerung. — Zeitschriften. — Inserate.

Litterarische Reflexe' der Raffaelfeier in Italien.

llber die Art und Weise, wie incm in Jtalien den
400. Geburtstag Naffaels begangen, sind in der ita-
lienischen Presse nachträglich Stimmcn laut geworden,
in deren Ergüssen sich nichts weniger als Befriedigung
und Genugthuung, sondern vielmehr ein Gesühl der
Mißstimmung, ja Beschämung mehr oder wcniger nn-
verblümt ausspricht. Auf die Feier in Urbino, über
welche ja auch der aussührliche Bericht in Nr. 27 der
Kunstchronik fast nur Erfreuliches zu melden wußte,
kann sich diese Verstimmung gewiß nicht beziehen; da-
gegen sind die zu Rom getroffenen Veranstaltungen,
die von der Accademia S. Luca ausgegangene kapito-
linische Feier wie die „musikalische Abendunterhaltung"
des 6iroolo nrtistioo, Gcgenstand recht ironischer Be-
urteilung geworden. Namentlich der 28. März, auf
den man trotz Bembo's klarem Zeugnis auf Vasari's
Angabe hin die Gedenkfeier zu verlegen für gut fand,
hat auch in Jtalien — Was nicht Verschwiegen werden
darf — scharsen Tadel und eine Reue hervorgerufen,
die mitunter geradezu an Zerknirschnng angrenzt. So
kann sich Edoardo Scarsoglio in der vorletzten Nummer
der zn Rom erscheinenden „Lronnos, Lirnntinn" gar
nicht genug thun in Hervorhebung der Schmach, die
Jtalien mit der Wahl jenes Tages auf sich gehäuft,
wobei er freilich Deutschland wohl allzuviel Ehre er-
weist, wenn er meint, daß hier keinem Gymnasiasten
cin historisches Datnm wie der Geburtstag Raffaels
unbekannt sei, denn derlei „Allotria" haben ja vor-
läufig bei uns noch immer keinen Platz im Rahmen
sogenannter humanistischer Anstalten. Deutsche Kund-

gebungcn aber, wie der Artikel der „Nordd. Allg. Ztg."
vom 23. und der „Kölner' Ztg." vom 28. März, haben
den erwähnten Bnßprediger in eine Erregnng hinein-
getricben, daß er seine Nation als ein Volk von Jgno-
ranten und Busfoni geißelt.

Es mögen noch einige Bemerkungen gestattet sein
über die litterarischen Erscheinungen, welche das Fest
ins Leben rief, da von denselben unseres Wissens in
Dentschland bisher wenig Notiz genommen wurde.*)
Besonderes Aufsehcn zu erregen sind sie allerdings auch
durchaus nicht angethan. Splendide äußere Aus-
stattung, aber ziemlich magerer Jnhalt kennzeichnen
die beiden Publikationen, welche uns zu Gesicht kamen.
Dies gilt besonders von der 64 Oktavseiten umfassen-
den, nur in 600 Exemplaren gedruckten Festschrift:
Ust IV. osntoimrio ästla nnsoitü äi Raüaollo,
XXVIII Ug.r?.o 1883, die von der ^ssooiamono nrti-
stion intsrnnÄongls herausgegeben, bci A. Sommaruga
erschienen ist. Den Reigen eröffnen in derselben eine
Anzahl teils in prosaischer, teils in poetischer Form
auftretender Verherrlichungen des Urbinaten, die letzte-
ren meist recht mittelmäßiger Art, voü von Gemein-

*) Die im Bericht »nserer Kunstchronik erwcihnte, als
Broschüre erschienene Rede Mamiani's fiihrt den Titel: 6ele-
brauäo Kli Hrbinati il gnarto oentsuario äsl souuno lor
ooutsrrauso LuikAsls Launio. I'arols cii ll'sröuLio Uamiaui.
Vssaro 1883. 48 in>. 8°. — Von der Akademie in Perugia
wurde der „Xeoaclömia Ii.akkg.ello" zn ltrbino ein Stamm-
baum des Meisters gewidmet, unter dem Titsl: deuegloKia
s ?g.rsutslg cli llakkgello (Querfolio). Auch in diesem von
Prof. Adamo Rossi verfatzten Schriftchen figurirt der 28. März
als Raffaels Geburtstag. Anm. d. Herausg.
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