Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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18- Iahrgang.

Beiträge

sind an j?rof. Dr. L. von
Lützow (Wien, There-
sianumgasse 25) oder an
die verlagshandlung in
Leipzig, Gartenstr. 8,
zu richten.

1- Alärz

Nr. 20.

Inserats

a 25 j^f. für die drei
Mal gespaltene ^)etit-
zeile werden von jeder
Buch- u.riunschandlung
angenommen.

s88Z.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Lrscheint von Mktober bis Iuli jede woche am Donnerftag, von Iuli bis September alle Tage, für die Abonnenten der ,,Zeitschrift sür
bildende Runft" gratis; sür sich allein bezogen kostet der Iabrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen


Ausgrabungen zu 5anxay.

Aus Sanxay bei Poitiers kommt uns die Kunde
von der Aufdeckung einer gallo-rvmischen Station, der
ausgedehntesten und wohlerhaltensten unter allen bisher
bekannten, die deshalb auch berufen sein wird, Archäo-
logen und Geschichtsforschern wertvolles Material sür
das Studium der gallo-römischen Kültur zu liefern.
Das Verdienst der Entdeckung fällt dem Jesuitenpater
Delacroix zu, einem Belgier, der bis vor kurzem an
dem Kollegium zu Poitiers als Lehrer wirkte und sich
u. a. auch durch die Aufdeckung des Hypogeums der
Märtyrer und der Arena daselbst als Archäologe einen
Namen gemacht hat. Durch eine zufällige Angabe zur
Entdeckung einer Brunnenstube und einer daraus ge-
speisten Wasserleitung geführt, verfolgte er ihren Lauf
und fand nach mannigfachen Versuchen die Stätte der
gallo-römischen Station, die er im Februar 1881 auf
eigene Kosten — dieselben sollen sich bereits auf mehr
als 50 000 Fr. belaufen —. aufzudecken begann. Nach-
deni nun die Arbeiten soweit fortgeschritten sind, daß
sich einerseits die Wichtigkeit der Entdecknng beurteilen
läßt, andererseits zur völligen Ausbeutung der letzteren
die Mittel Delacroix's nicht weiter ausreichen, beab-
sichtigt das französische Unterrichtsministerium, dieselben
aus Staatskosten weiterzuführen. P. Delacroix hat in
anerkennenswerter Uneigennützigkeit das bisher Aufge-
deckte gegcn alleinigen Ersatz seiner Auslagen dem Staat
zur Vcrfügung gestellt.

Über die Einzelheiten der Ausgrabungen ent-
nehmen wir den Berichten frnnzösischer Blütter das
Folgende: Die Stätte der ehemaligen Ansiedelung

nimmt den Boden eines freundlich gelegenen, von eincni
Bache belebten Thalkessels ein, und bedeckt cine Ober-
fläche von etwa 14 Hektaren. Am Ostrand desselben
treffen wir zuerst auf die Ruinen einer Thermenanlage,
die zwei Hektaren einnehmen. Es ist dies der bester-
haltene Teil des Ganzen. Die Mauern sind bis zu
einer Höhe von fünf Metern vorhanden, das eben-
erdige Geschoß, das Entresol, die Kellerräume und die
Kanalisirung erhalten. Die Anlage stammt aus zwei
verschiedenen Epochen und besteht aus einem großen
Souterrainsaal mit drei Rotunden und zwei Nischen-
ausbauten, 22 m lang, 16 in breit, zwei Sälen von
je 9 w Länge auf 3,5 in Breite, ebenfalls im Sou-
terrain, welche später zu Heizräumen (IiypoüanstÄ)
umgewandelt wurden, einem Warmwasserbassin (oal-
äÄriuin) 13 auf 8 IN groß, einem Kaltwasserbad
(lriAiäÄrinm) von 27 auf 5 in, endlich drei Bassins
geringerer Dimension, welche von zwei Heizräumen
erwärmt wurden. Die Gänge, welche die unterirdi-
schen Räume der Thermenanlage verbinden, sind zu-
meist gewölbt und das Mauerwerk so gut erhalten,
als ob es vor 100 Jahren aufgesührt wäre; ja sogar
die Leitungsröhren liegen zumeist noch an Ort und
Stelle.

Jn der Entfernung von etwa 150 in von den
Thermen nach Westen zu trifft man auf eine zweite
Anlage, die als Tempel oder als Wasserwerk (sogen.
oiiütsÄri ä'öÄu) gedeutet wird. Jhre Fassade, 75 ni
lang, sicht gegcn die Thermen hin; man stieg zu derselben
auf drci Treppen hinan, Vvn denen noch einzelne stark
ausgetretene Stufen vorhanden sind. An der Vorder-
front sieht man die Basen einer Kolonnade von 18
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