Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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18. Iahrgang.

Nr. §1.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

^Zeiträge

sind an j?rof. Dr. L. von
Lützow (Wien, Ttzere-
sianumgasse 25) oder an

Inserate

d 25 Pf. für die drei

zeile werden von jeder
Buch- u.Runsthandlung
angenomnien.

23. August

1883.

Erscheint von Mktober bis Ende Iuni jede U)oche am Donnerstag, von Iuli bis Lnde September alle Tage, für die Abonnenten der ,,Zeitschrift
für bildende Aunst" gratis; für sich allein bezogen kostet dcr Iahrgang 9 Mark sowotzl im Buchhandel als auch bei den deutschen


LM- Kunstchronik Nr. 42 crschcint am 6. Scptcmlicr. "WG

Dic iutcruationalc Auustausstclluug iu Amstcrdam.

Mit der internationalen Kolonial- und Export-
ausstellung in Amsterdam. welche von einem durch
französische und Lelgische Kapitalisten unterstiitzten
Franzosen Agostini ins Leben gerufen worden ist, ohne
daß die holländischc Bevölkerung und die holländische
Regierung die geringste Neigung zu einem solchen,
ganz zweck- und aussichtslosen Unternehmen gezeigt
hatten, sollte auch eine internationale KunsiauSstellung
verbunden sein. Diese ist nun gleich kläglich wie jene
ausgefallen, trotzdem die letztere am Ende noch den
Charakter einer Weltausstellung usurpirtc. Erst in
letzter Stunde hatte die holländische Regierung das
Protektorat iiber die wider ihren Willen importirte
Ausstellung übernommen, und diesem geringen Ver-
trauen entsprach auch die Beteiligung der anderen
Nationen an einem Unternehmen, zu dessen Durch-
sührnng Amsterdam in keiner Weise geeignet war.
England hat sich osfiziell gar nicht an der Ausstellung
beteiligt und Deutschland nur insofern, als der Reichs-
kanzler auf das Drängen einzelner Jndustrieller eine
Summe zur Jnstallation der deutschen Abteilung an-
wies. Auch Österreich scheint sich zurnckgehalten zu
haben, da seine Jndustrie nur sehr spärlich und seine
Kunst gleich derjenigen Englands gar nicht ver-
tretcn ist.

Unter dem Deckmantel einer Kolonial- und Ex-
pvrtausstellung sollte eine allgemeine Ausstellung aller
nur möglichen Jndustrieerzeugnisse veranstaltet werden.
Aber der klng eingefädclte Plan ist gescheitert, ver-

mutlich weil die anderen Nationen, insbesondere Eng-
land, es müde geworden sind, sich von Frankreich am
Gängelbande führen zu lassen. Nur Holland selbst
hat es nicht unter seiner Würde gehalten, in seinen
eigenen vier Pfählen die Schleppenträgerin Frankreichs
zu spielen. Holland besitzt freilich keine eigene Jndustrie
und ist daher fast ausschließlich auf den Jmport an-
gewiesen, an welchem, wie es scheint, vorwiegend die
beiden Nachbarländcr, Belgien und Deutschland, par-
ticipiren. Holland hat aber seine eigene Architektur,
welche sich namentlich in jüngster Zeit recht stattlich
im Anschluß an die Bauwerke aus dem Ende des
16. und aus dem 17. Jahrhundert entwickelt hat.
Ein rühmliches Beispiel dieses neuen Aufschwunges,
das im Äußeren nahezn vollendete Rijksmuseum von
P. I. H. H. Cuypers, bildete von der Stadt aus
sogar den Zugang zu dem Ausstellungsfelde. Aber
das Hauptgebäude der Ausstellung, dessen Fasiade mit
der des Rijksmuseums parallel läuft, ist nicht von
einem Holländer, sondern von dem sranzvsischen Archi-
tekten Fouguian nnch dem Schema des Fischgräten-
systems, eine lange, breite Hauptgalerie von parallelen
Quergalerien durchschnitten, entworfen worden. Einen
bemerkenswerten Schmuck hat nur die Fassade durch
den französischen Bildhauer Motte, cinen Schüler Vvn
Görüme, erhalten. Um den Charakter einer Kolonial-
ausstellung dem ganzen Baue aufzuprägen, hat der
Künstler von indischen Tempelbauten und assyrischen
Palästen Anleihen gemacht. Von zwei mächtigen vier-
cckigcn Tiirmen flankirt, die mit Pyramiden ans
Menschcn-, Tierköpfen und Palmen gekrönt sind, er-
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