Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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18. Iahrgang-
Leiträge

sind an j?rof. Dr. L. von
Lützow (lvien, There-
sianumgasse 25) oder an
die verlagshandlung in
keipzig, Gartenstr. 6,

l^. Iuni

Nr. S5.

Inserate

a 25 ssf. für die drei
Mal gespaltene j)etit-
zeile werden von jeder
Buch- u.Aunsthandlung
angenommen.

1883.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Lrscheint von Gktober bis Iuli jede woche am Donnerstag, von Iuli bis September alle ^ Tage, für die Abonnenten der ,,Zeitschrift für
bildende Aunst" gratis; für sich allein bezogen kostet der ^ahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichilchen ssostanstalten.

^nhalt: Alte wandgemälde in Schwaben. — Ausstellung alt-orientalischer ^toffe im Gsterreichischen Museum. (Schluß.) — G. Niemann, 6and-
buch der Linear-s)erspektive sür bildende Aünstler. — Mandels j)latte der Sixtinischen Madonna. — A. I. Mylius s-; Mary Heaton -s.
— Ausgrabung der Lundamente des Herkulestempels..in Tivoli; Ausgrabungen in pergamon. — Ronkurrenz sür ein Monument ^ugo
de Groots. — Die historische Bronze-Ausftellung im Osterreichischen Museum; Internationale Spezial-Ausstellung der graphischen Aünste
in wien. — Städelsches Runstinstitut; Die römische Accademia di Belle arti di ^an Luca; pros. Donndorss Rolossalstatue ^ebastian
Bachs; Statue Alessandro Manzoni's in Mailand: Amerikanische Runstzölle. — versteigerung des Museums Rusca in Llorenz; versteige-
rung der Sammlung Rosenberg in wien; Leipziger Runstauktion von C. G. Boerner. — Neuigkeiten. — Zeitschristen.— Duplik. — Inserate.

Alte Wandgsmälde in 5chwaben.

0. v. l?. Einem Bortrage, welchen der Landes-
konservator Prof. Or.E. Paulus vor kurzem im Verein
der Altcrtumsfreunde zu Stuttgart gehalten, entnehmen
wir solgende Übersicht über die mittelalterlichen Wand-
gemAde in Württemberg. Dem stetig wachsenden
Jnteresse für die vaterländische Kunst vergangener
Epochen und dem regen Eifer für die Wiederauf-
deckung ihrer seit Jahrhunderten unter dem „Kalkschleier
d^r Tünche" schlummerndeu Erzeugnisse ist es zu danken,
daß sich in den letzten Jahren die Anzahl der bekannt
gewordenen Wandgemälde verdoppelt hat und daß
die mehr als 60 bisher wieder aufgefundenen cykli-
schen und Einzeldarstellungen die Entwickelung der
monumentalen Malerei durch vicr Jahrhunderte hin-
durch, vom 12. bis zum 16-, vom Frühromanischen bis
zum Beginn der Renaisfance, zu überschauen gestatten.
llnd fast jedes Jahr bringt ncue Entdeckungen, mehrt
dcn bisherigen Bestand um kostbare Funde.

Dem Beginn der zwölften Jahrhnnderts ge-
hvrcn die Gemälde in der Krhpta der Klostcrkirche zn
Alpirsbach und im Chor der St. Ägidienkirche zu Klein-
komburg an, über welche letztere in Nr. 4 der Kunst-
chronik, Jahrgang 1883 berichtet wurde (s. auch Christl.
Knnstblatt, Aprilnummer 1883).

Aus der ersten Hälfte des dreizehnten Jahr-
hunderts, der Zeit, wo im nvrdlichen Deutschland
Werke von der Bedeutung der Wandgemälde im Dom
zu Braunschweig und der Nikolaikapelle zu Soest ent-

standen, und die, als die Epoche der späteren Hohen-
staufen, auch in Schwaben, ihrem Stamm- und Erb-
land, fortgeschrittenere Werke gezeitigt haben muß, ist
bisher nichts aufgefunden worden. Es steht zu hoffen,
daß sich in den Ostteilen der Kirchen zu Faurndau und
Brenz noch Gemälde aus jener Epoche finden werden.

Dagegen sind aus der zweiten Hälfte des drei-
zehnten Jahrhunderts mehrere Denkmäler des zu
jener Zeit in Schwaben schon vollständig zum Durch-
bruch gekommcnen gotischen Stils erhalten: so die schon
seit längerem bekannten Wandmalereien in der alten
Sakristei der Marienkirche zu Reutlingen (Martyrium
der heil. Katharina, höchst graziös; restanrirt 1840)
und in der Kirche zu Kentheim bei Calw (Berkündigung,
thronender Heiland, Christus mit Moses, Johannes
der Täufer u. a., übermäßig schlanke Gestalten mit
großen Köpfen). Ferner der 1881 entdeckte Cyklus in
der Friedhofskapelle zu Schelklingen bei Blaubeuren,
aus 25 Stücken bestehend: rcchts nnd links vom Chor
je ein größeres Bild, Anbetung der heil. drei Könige
und die Menschheit auf ihrer Lebensfahrt im Schiffe,
an die sich in je zwei Reihen, oben Sccnen des Leidens
Christi bis zur Auferstehung, unten Darstellungen aus
der Legende mit Bezügen auf die darüberstehendcn
Christusbilder anschließen, — sigurenreiche, lebensvolle
Kompositionen von noch gewaltsamer Dramatik und
cinfacher, zum Teil noch kindtichcr Zeichnung in breit
mit dem Pinsel hingesetzten Umrissen. Endlich die vou
dem Vortragenden im letzten Sommer im Turmgewölbe
der Kirche zu Eschach (bei Gaildorf) entdeckten Ge-
mälde: Christus in der Mandorla mit den vier Evange-
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