Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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l8. Iahrganz
Beiträge

sind an Prof. Dr. L. von
Lützow (Mien, There-
sianunigasse 25) oder an
die Derlagshandlung in
Leipzig, Gartenstr. 8,
zu richten.

H. Gktobcr

Nr.

Inserate

a 25 ssf. für die drei

s883.

Beiblatt zur Zeitschrift für bilüende Kunst.

Lrscheint von Mktober bis Lnde ^iuni jede woche am Donnerstag, von Iuli bis Lnde Septeniber alle ^ Tage, für die Abonnenten der „Zeitschrift
für bildende Aunst" gratis; für sich allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Dlark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichiühen ssostanstalten.


Vo» dicsrr Nummcr an crschcint dic Kunstchroiiik wiedcr allc 8 Tagc. Mit dcr iilichstcn Niimincr schlieszt
dcr 18. Jahrgang. Dic Lcier wcrden um Erncucrnng iljrcr Abonncmcnts crsucht.

Lin Rundgang durch die schweizerischs Aunst-
ausstellung in Zürich.

Wahrend man allen Teilen der „Schweizcrischen
Landesausstellung" ziemlich hohe Erwartungen ent-
gegenbrachte, weil die Schweiz als ein industriöses,
thätiges Ländchen bekannt ist, war es gerade die Kunst-
ausstellung, Vvn der man sich am wcnigsten versprach;
denn der künstlerische Sinn ist bei unserem praktischen
Volke nicht sehr rege, nnd so hat auch die Kunst hicr
nie eine rechte Heim- und Pflegestätte gefunden. Nur
in Genf und Basel bestehen bedeutendere Kunstschulen;
in ersterem ist's der sranzösische Einfluß, der sich geltend
macht — die französischen Kantone fühlen sich Frank-
reich viel verwandter als die deutschen Kantone Deutsch-
land — nnd in Basel wieder ist's noch die alte Tra-
dition von Holbeins Zeiten her, welche dcr Stadt den
Stempel eincr Knnststätte aufdrückt. Man wollte
offenbar dem altcn Museum mit seinen wundervollen
Handzeichnungen und schönen Ölgemälden keine Unehre
machen. So Pflanzte sich cin Kunststreben, gefvrdert
durch eine gute Kunstschule, von Generation zu Gene-
ration fort. Jm Lbrigen lebt wvhl hier und dort
verstrcut ein Maler, dessen Gemälde sich sehen lassen
könncn; aber dieses Häuslein ist klein genug; denn nur
wenige mögen ihr Können an Stätten vergraben, an
denen ihnen Bewegung nnd Verständnis, daher auch
meist Würdigung und Verdienst fehlen.

Dies sind die Gründe, warum man sich von der
schweizerischen Kunstausstellung nicht viel versprach.

Man vergaß dabei zweierlei. Vor allem zählen wir
zu den Unsern nicht nur diejenigcn Künstler, die in
unserem Lande ihr Können erlernt haben, sondern auch
diejenigen, welche hier geboren sind, gleichviel, wenn
sie auch anderer Orten ihre Kunst studirt und ihren
Unterhalt gefunden haben. Ferner sind auch ältere
Schweizer Bildcr aus dcm Ausaug unseres Jahrhun-
derts, nicht nur die allerneuesten, ausgestellt worden.
Diesen Umständen verdanken wir es, daß die Aus-
stellung die Erwartungen weit übertroffcn hat. So
mancher, den wir gewohnt sind, unter die Franzosen,
Belgier, Jtaliener oder Münchener zu zählen, hat sich
plötzlich als biederer Schweizer entpuppt und hier unter
seinen Landsleuten ausgestellt. Daher kommt es auch,
daß in der kleinen schweizerischen Ausstellung die ver-
schiedensten Nichtungen vertreten sind, so daß ihr dadurch
ein recht interessantes internationales Gepräge auf-
gcdrückt wird; sie ist gewissermaßen eiue Münchener
internationale Ausstellung on rniniakurs.

Ein wvhlgefälliger Bau in gricchischer Tempelform
beherbergt die AuSstellung, und wir bedauern nur, daß
dieser Tempel, der uns endlich einmal ein würdiges
Heim für Knnstwerke bietet, in wenigen Wochen mit
Schluß der Ausstellung wieder verschwinden muß, und
daß wir nach wie vor mit unseren Ausstellungen auf
düstere Konzertsäle angewiesen sein werden. Einstweilen
erfreuen wir üns noch der lichten, schönen Säle. Wir
wollen sie rasch einmal Revue passiren lassen und das
hübsche säulengetragene Vestibül betreten.

Gleich im ersteu Saale staut sich die Menge vor
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