Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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;8. Zahrgancj.
Beiträge

Lützow (Vien, There-
sianunrgafse 25) oder an
die verlagshandlung in
Leipzig, Gartenstr. 8,
zu richten.

s8. Ianuar

Nr. s4.

Iusercite

ü 25 ssf. für die drei
Mal gespaltene j)etit>
zeile werden von jeder
Buch- u.Runschandlung
angenommen.

s883.

Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Hunst.

ZE" Das Januarheft dcr „Zcitfchrift für dildende Kunst" wird am 25. d. M. ausgeilcben wcrden. "WC

Die internationale Aunstausstellung in Rom.

Nach mehrfachen Hinausschiebungen ist nun end-
lich die Eröffnung der großen internationalen Kunst-
ausstellung aus den 2l. Januar sestgesetzt. Tag und
Nacht wird an der Vollendung des von der Stadt dazu
besonders gebauten Palastes gearbeitet, sodaß bis auf
einige dekorative Teile des Jnnern das große Gebäude
bis dahin zur Einweihung fertig sein wird. Ursprüng-
lich hatte der römische Gemeinderat fiir den Palast,
welcher künftig für Permanente Kunstausstellungen
dienen soll, 1400 000 Lire ausgeworfen, aber die große
Anzahl der Anmeldungen für die erste internationale
Ausstellung machte den Bau verschiedener provisorischer
Nebengebäude unentbehrlich, welche die veranschlagte
Summe bis auf 2'^ Million steigern dürften.

Der neue Palast, welchen Rom der modernen
Kunst bleibend errichtet, macht der Stadt alle Ehre.
Jn der Mitte der Hauptstraße des neuentstandenen
Stadtviertels zwischen dem Quirinal und dem Viminal,
dcr Bia Nazionale, nimmt derselbe (neben der uralten
Kirche San Vitale) einen Flächeninhalt von 5280 gm
cin. Die fensterlose zweistöckige Fassade mißt in der
Länge 60 ra, in der Hvhe 25 m. Der Haupteingang
in der Mitte der Fassade, wclcher dem Gebäudc Leben
und Charakter verleiht, ähnelt einem römischen Triumph-
bogen mit drei Öffnnngen, — einer höheren gewölbten
und zwei niedrigeren — zu dem eine vornehm ange-
legte Treppe hiuausführt. Säulcn mit koriuthischen
Kapitälen gliedern die Front der drei Öffnungen bis
zum ersten Stock; auf ihnen erhebeu sich Bildsäulen.

Rechts und links von den drei Eingängen entwickelt
sich der erste Stock der Fassade auf einer Quaderbasis,
auf der die enorme, fensterlose Mauerfläche, in sechs
Felder geteilt, emporsteigt. Die Felder siud von ein-
ander durch flachc Pilaster mit korinthischen Kapitälen
getrennt. Über diesen zehn Kapitälen erheben sich auf
dem Gesims ebensoviele Marmorstatuen berühmter
Maler und Bildhauer. Während hinter diesen Statuen
der zweite Stock, auf dem ersten eine Terrasse bildend,
sehr erheblich zurücktritt, begiunt, ohne zurückzutreten,
auf derselben Höhe die Entwickelung des Tonnen-
gewölbes der großen Hauptöffnung. Rechts und links
von diesem Bvgenabschluß im ersten Stock sind in die
Seitenselder des hier durch flache Pilaster gegliederten
Vorbaues große Basreliefs von Puntoni und Filippo
Ferrari eingesetzt. Eine majestätische Attika mit einer
effektvollen Marmorgruppe von drei Figuren, welche
aus dem Atelier Concetti's hervorging, krönt den
großen Mittelbau in harmonisch abschließender Weise.
Die großen Mauerslächen der Fassade sind in Back-
stein aufgeführt und gelblich verputzt. Das Gebäude
tritt einige Schritt hinter die Straßenlinie der Via
Nazionale zurück. Der Gesamteindrnck ist ein günstiger
und würdiger.

Der erste Stock — Erdgcschoß — umfaßt drei
große Säle von 22 in Länge und 10 m Breite, ferner
scchs kleinere von 18m Länge und 9 m Breite. Übcr
dem viereckigen Mittelsaal erhcbt sich eine Kuppcl.
Jni zweiten Stock bcfinden sich noch acht Säle.
Aber trotz dieser bedeutenden Räumlichkeiten genügt
das Gebäude, zu welchem der König Humbert im
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