Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Kunstlitteratur und Kunsthandel. — Konkurrenzsn.

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stens drci. Hat er mehr, als er aufhängen kann, so
rollt er sie znsannnen und legt sie, in ein seidencs Tuch
gewickelt, in eincn gcnan passenden Holzkasten.

Adolf Noftubcrg.

Aunstlitteratur uild Anusthaudel.

« Von Nngers Belvedcrcwerk, mit Text von Li'chow (Wien,
Aliethke) ist so'eben die 17. Lieferung erschienen Die Sub-
skribenten werden sich für das etwas verzögerte Erscheinen
durch die ganz besonders brillants Ausstattung diesss Heftes
entschädigt finden. An der Spitze desselben prangt die
„Madonnn im Grünen" von Raffael, in deren Reproduk-
tion Meister Unger sich selbst übertroffen und ein Blatt ge-
schaffen hat, welches in der Wiedergabe der unvergleich-
lichen Grazie des Urbinaten alle »wdernen Raffaslstecher in
Schattsn stellt. Es folgt darauf ein Porträt von van Dpck,
der „Arzt" von Mieris und die Skizze von Rubens' zu dessen
„Wunder des heil. Franz Paver". Man wird es nur billigen
können, daß die Herausgeber nicht das große Bild, sondern
die Skizze gewählt haben, die bekanntlich ganz von der Hand
des Rubens und deshalb viel geistreicher ist als die große
Komposition, an deren Ausführung Schülerhände mitge-
arbeitet haben. Die prächtige Lieferung wird der Miethke-
schen Publikation gewiß zahlreiche neue Freunde gewinnen.

Von 432 Bildern dcr Eremitage in Petersburg bringt
die Firma Braun L Co. in Dornach soeben photographische
Vervielfältigungen auf den Markt; 381 Blätter erscheinen
in großem Format (48x50 ow) und 51 in mittlerem Format
(24x30 e,n). Dsr Subskriptionspreis für erstere ist 10 Mark,
für letzters 5 Mark. Die erste, 25 Blättsr enthaltende
Lieferung ist bereits auSgegeben.

8n. Von Hennann Allmers gsht uns eine originelle Neu-
jahrsgabe in Gestalt eines Wandkalenders zu, der den
Titel führt: „Römischer Wandkalender dsutscher Nation" und
in Rom von dsr Libreria Centrale (Ed. Müller) herausgegeben
ist. Über die Einrichtung und Ausstattung desselben sagt
der Verfasser der „Nömischen Schlendertage": „Die Form
einer antiken Buchrolle mag an dis Zeit des römischen Alter-
tums erinnern, der köstliche Schmuck der gold- und farben-
leuchtenden Jnitialen und Kopfleisten der Pergamentblätter
an die prachtdurchschimmerten und farbenfreudigsn Tage des
italienischen Mittelalters und der Renaiffance, und endlich
in den Poesisn, die jedes Blatt schmücken, bringt ein Kreis
deutscher Dichter, gleich mir, einst von der „Ewigen Stadt"
begeistert und beglückt, jetzt derselben ihre Huldigung und den
Zoll ihres Dankes dar". Der Druck der zwölf Blätter,
welcher in sechs Farben ausgeführt ist, gereicht der Offizin
von W. Drugulin in Leipzig zur größten Ehre. Die Relief-
pressung bei den Jnitialsn u. s. w. wäre frsilich wohl besser
weggeblieben; sie erinnert zu sehr an gewisse Erzeugnisse der
Luxuspapierindustrie, deren „plastische" Schönheit sehr zweifel-
hafter Natur ist.

Aonkurrenzen.

— Kunstgewerbliche Konkurrcnz in Bcrlin. Jm
unteren Saal des Architektenhauses sind kürzlich die Arbeiten
zur Ausstellunq gelangt, die zu der diesjährigen kunstge-
werblichen Konkurrenz um die von demMinisterium für
Handel und Gewerbe ausgesetzten Ehrenpreise eingesandt
wurden. Wie in den friiheren Jahren, so begegnst man auch
diesmal unter ihnen einer Rsihe in Erfindung und Ausfüh-
rung vortrefflicher Leistungen, obschon von den sechs Aufgaben
des Programms die bsiden, die sinen freitragenden Baldachin
für ein Hausportal und eine silberne Abendmahlskanne für
protestantischen Gottesdienst forderten, ohne Bewerber blieben,
und an der Lösung einer dritten, die ein Paar Altarleuchter
in vergoldeter Bronze verlangte, sich nur das Jnstitut für
kirchliche Kunst von P. G. Heinersdorff in Berlin beteiligte.
Die von ihm ausgestellten, von dem Architekten Stöckhardt
entworfenen Leuchter zeigen auf dreiseitigeM Fuß einen zwei-
geschossigen Aufbau romanischer Säulenbündel, zwischen denen
der mittlere Knauf durch knieende Figuren betender Engel
gebildet wird, und erzielen bei kräftiger Gliederung eine statt-
liche dekorative Wirkung. Drei Bewerber fand die Aufgabe,

die eine marmorne Stutzuhr mit Metallmontirung forderte.
Die in zwei Exemplaren von verschiedenartigem schlesischen
Marmor von G. Becker in Freiburg gelieferte Arbeit geht
weder in der Erfindung noch in der Ausführung des bron-
zenen Zierrats über das Durchschnittsmaß der gewohnten
Produktion hinaus. Weitaus interessanter ist eine von dem
Architekten M. Schottkp in Breslau eingesandte, von dem
Steinmetzmeister Niggl und dem Golvschmied Zeutter ge-
arbeitete Uhr aus schwarzem und feintönigem dunkelgefleckten
Marmor, von dem sich bronzene Handgriffe, veiche durch-
brochene Beschläge aus gleichem Material und das ebenfalls
sehr reich ornamentirte metallsne Zifferblatt abheben. Die nach
unten hin abgeschrägte Gestalt des Gehäuses, das lebhaft an
die bekannten, ähnlichen Postamente in Boulearbeit erinnert
und auch einen ähnlichen farbigen Effekt erzielt, läßt die Uhr
als ziemlich willkürlich eingefügt erscheinen; durch ihre origi-
nellen Details erreicht die Komposition jedoch eine fedenfalls
pikante Wirkung in der Art moderner französischer Arbeiten.
Dem Charakter der Stutzuhr entspricht dansben weit mehr
das von F. L. Löbner in Berlin ausgestellte, von Sputh
in knappem Barockstil entworfens Gehäuse aus schwarzem und
rötlichsm Marmor, für das Hartzer die beiden das Ziffer-
blatt einfasssnden zierlichen Karyatiden und Canisius den
ornamentalen Bronzeschmuck modellirte. Die gedrungene Form
ist gleich der Farbengebung nicht ohne Reiz, die Marmor-
ausführung von ZN. L. Schleicher ebenso vortrefflich wie
der von dem ehemals Spinnschen Etabliffemsnt gelieferte
Bronzeguß. Jn Sputh begegnen wir demselben erfindenden
Meister bei dem einen der bsiden konkurrirenden Pianino-
gehäuse, das I. Pfaffe in Berlin in Nußbaumholz aus-
führte. Mit Einlagen aus dunklerem und hellersni Holz und
vorzüglich behandeltem Schnitzwerk geziert, verbindet es statt-
lichs Pracht mit wohlthuender Solidität. Es übertrifft in dieser
Hinsicht das in dsn wechselseitigen Verhältnissen der einzelnsn
Teils wieder vollständig ausgeglichene Pianino von Sauer-
mann in Flensburg, das im übrigen in geschnitztem und aus-
gegründetsm Ornament die hervorragende IReisterschaft dieses
Künstlers von neuem bestätigt, in der reizvollen, von origi-
nell gestalteten Leuchtern flankirtsn mittleren Füllung des
oberen Aufsatzes eins Holzschnitzerei von unübsrtrefflicher Tsch-
nik aufweist und vor allem durch den anerkennenswsrten Ver-
such bemerkenswert ist, Gestalt und Ornamentirung aus der
innersn Einrichtung des Jnstruments zu entwickeln. Lebhaftere
Beteiligung fand endlich die sechste Aufgabe, die einen Tafsl-
aufsatz sür Blumen und Früchte in glasirter, farbig dekorirter
Thonware forderte; doch tragen die beiden von H. Lonitz
in Neuhaldenslebsn eingesandten Stücke mit buntem figür-
lichen und ornamentalen Schmuck so sehr das Geprüge der
auf den breiten Markt berechneten Produktion, daß sie eben-
sowenig in Betracht kommen wie der von F. Mesch L Co.
in Magdeburg herrührende violettgrau glasirte Ilufsatz nach
dem Entwurf des Baumeisters Lohse, deffen schwerfällige,
geguälte Komposition dem Charakter des für die Tafel be-
stimmten Geräts direkt widerfpricht. Ein von Schönewald
in Linden bei Hannover in der bekannten Weise dieser Fabrik
mit eingeritztem, farbig ausgefülltem Zierrat gefällig orna-
mentirter Aufsatz, deffen schlanker Schaft übereinander zwei
flache Schalsn und als oberen Abschluß eine kelchförmige
Vass trägt, ist seiner Bestimmung durchaus richtig angepaßt.
Bei bescheidenstsm Aufwand ornamentaler Mittel und etwas
nüchterner Erfindung vermag er indes nicht entfernt eine
ähnlich prächtige Wirkung zu erzielen wie das reiche, von
demBildhauer Kiefhaber modellirte Schaustück der Magde-
burger Thonwarenfabrik, vormals DuvigneauL Co.,
die wie in früheren Jahren auch diesmal eine künstlerisch an-
ziehende und technisch vollendete Leistung bester Art darbietet.
Auf oblongem Plateau sich erhebend, trägt der kräftige und
doch graziöse Aufbau als Bekrönung dss lebendig gegliederten
kandelaberartigen Schaftes eine breit ausladende flache Schale,
während um den Fuß des Schaftes sich vier Muschelbecken
gruppiren, von denen die bsiden größeren durch Delphine,
die beiden kleinersn durch (leider ein wenig grobs) Tritonen-
figuren mit dem Gesamtumriß zusammsngeschlossen werden.
Reiches und teilweise außsrordentlich zierliches plastisches
Ornament verbindet sich durchweg mit mannigfach nüancirter,
warm und kräftig getönter Färbung in tadellos gelungenen
Glasuren, deren Effekt durch sparsam angewendete Vergoldung
noch gesteigert wird.
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