Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Kunstlitteratur.

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wegen 14 Gulden 11 Stüber für Brot. Der Bäcker
legt Beschlag auf die Summe (18 Gulden), die eine
Dame dem Dalens für ein halbes Jahr Zimmermiete
schuldig ist. Er scheint damals (1662) also schon
den Haag verlassen und in Rotterdam gewohnt zu
haben. Ein Jahr später wohnte er nach dem Haar-
lemer Katalog in Leiden.

Am 12. Februar 1669 richtet er noch eine Bitte
an den Haagschen Magistrat und erbittet 11'Jahre
Steuerfreiheit für sein Haus auf der I4isnws Rieroacks,
welches er selbst gebaut habe. (Für neugebaute Hüuser
wurden 14 Jahre lang keine Steuern gezahlt.) Seit-
her finde ich nichts weiteres als die traurige Bitt-
schrift des Johannes Dalens, welche einen unauswisch-
baren Flecken auf seinen Vater Dirck wirft. Wir sehen
daraus:

1) Daß Johannes Dalcns, Maler, Svhn unseres
Dirck Dalens, am 12. Februar 1677 sich an die Loüsn-
üainsr van Lollanä mit der Bitte wendet, die Erb-
schaftsangelegenheiten seines Vaters nach dessen Testa-
mente von 1674 vollziehen zu dllrfen.

2) Daß sein Bater, der Blutschande mit seiner
Tochter Maria verübt, aus dem Haag geflohen und
in Zierickzee jetzt gestorben ist. (Also um 1676 bis
1677.) Die Tochter Maria (geboren 1659, also erst
18 Jahre alt) war zum Tode verurteilt, aber nicht zu
finden. Anf D. Dalens' Nachlaß war Beschlag gelegt.

3) Daß ein Erbe, Dirck Dalens jnnior, der Sohn
ist von Willem Dalens und Enkel des Dirck Dalens
ssn. (Dieses ist also der Dirck Dalens Willemszoon,
von dem Houbraken, Jmmerzeel und Kramm sprechen.)
Johannes Dalens tritt als sein Vormund auf, da
Willem Dalens schon gestorben ist. Von seiner Hand
sind vielleicht die schönen, slott gemalten Tapeten (gut
staffirte Landschaften) im sogen. Haus von Groen van
Prinsterer, auf der Xortsn VijvsrbsrA im Haag, welche
bezeichnet sind: virsle valsns k. 1725.

4) Johannes Dalens erbt von seinem Vater alle
dessen Radirungen und iiupiisroonsl, Bücher, Kleider,
äs vervsstssn snäs ullss tZssn usn äs soüiläsrvonst
äspsnässrt.

Das nachgelassene Haus wird auf 2000 Gulden
taxirt j-der übrige Nachlaß auf 646 Gulden. Jn diesem
Nachlaß befanden sich etwa 150 Bilder. Jch nenne
daraus nur die, welche sicher von des Meisters eigener
Hand waren:

Moses nnd Pharao's Tochter von Dirck Dalens.

Ein Stück mit einigen nackten Figuren von dem-
sclben.

Eine Landschaft von demselben.

Eine Landschaft, darin steht Dirck Dalens und
seine Frau.

Einc Landschaft von Dirck Dalens niit einigen
Figuren.

Ein Stück mit der Metamorphosis der Jo, von
Dirck Dalens.

Ein Achilles, von demselben.

Dann: drei kupferne Platten, um Landschasten da-
mit zu drucken.

Eine noch unbeschnittene Platte.

Fünf kleinere Platten von Landschaften. Dieses
Jnventar wurde nach des Malers Flucht gemacht
am 12. Aug. 1676.

Später werde ich das ganze Lsgussl des Johannes
Dalens in sxlsnso in Obreens Vrobisl publiziren.
Die Bittschrift befindet sich unter den Vppointsinsntsn
v:>.n äs Ilsüsnüamso vun Ilollanä. (Ilijüs Vrsüisk.)
Das Jnventar fand ich unter allerlei Akten in dem
Zoüsxsn-Vroüisl.

Die Gemälde, welche Dirck Dalens im Jahre 1678
hinterließ, wurden 1680—81 von Johannes Dalens
und dessen Erben verkauft. Jn den Registern Vsnänsn
finde ich:

17. iLnA. 1680. 'I'sn vsrsonoüs Van valsns,
soliiläsr trijnsn Iinvss op äs nisnvvs Lisroaäs
vsrooolit voor 219 (Inläsn 16 8t.

27. iVug. 1680 Asavanossrt an äsn 8oüi1äsr valsns
äs somins van ki 219 — 16 — 0.

24. .1 ii»v 1681. 'I'sn vsrsonoüs van ä'srÜASnainsn
van .Inli:iiink>8 Ilalsns asn soüiläsrijsn ox> äs
nisnvvs I'ieroaäs allivsr vsroooüt voor äs sonnns
van 588 6n1äsn 10 8t'

Aus dieser letzten Notiz erfahren wir zugleich,
daß Johannes Dalens seinen Vater nur um ein Paar
Jahre überlebte. Er ist zwischen August 1680 und
Juni 1681 gestorben.

Aunstlitteratur.

D. Franken und I. P. van der Kellen, D'osnvrs äs lan
van äs Vsläs. Amsterdam, Fred. Muller. 1883. 8.

D. Franken, dem die Kunstwelt bereits fleißige Mono-
graphien über W. Delff und die Familie van der Passe und
deren Werke verdankt, tritt hier mit einem ähnlichen Werke
über Jan van de Velde hervor, einen Künstler, dessen in
origineller Weise ausgeführte Blätter sich nicht allein bei
holländischen, sondsrn auch bei deutschen Kunstfreunden längst
besonderer Wertschätzung erfreuen. Jn dem Vorworte, das
biographischsn Studien gewidmet ist, erfahren wir, daß Jan
van de Velde ein Sohn des berühmten Schreibmeisters Jan
gewesen ist und inRotterdam zwischen 1S95und 1597 das Licht
der Welt erblickt hat. Sein Lehrer in der graphischen Kunst
war der bekannte Kupferstecher Jacob Matham in Harlem,
der aus dsr Schule des H. Goltzius hervorgegangen ist.
Sonst ist aus dem Leben unseres Künstlers fast gar nichts
bekannt; im Jahre 1635 war er Kommissär der Haarlemer
Gilde und 1652 befand er sich nicht mehr am Leben. Sein
Werk ist überaus reich; Nagler kennt 296 Blätter, das vor-
liegende Werk beschreibt deren 489. Es dürfte kaum eines
vergessen worden sein. Franken hat sich diesmaldieMitarbeiter-
schaft des verdienstvollsn Vorstandes des Amsterdamer Kupfer-
stichkabinsts, I. P. van der Kellen gesichert, was sicher
sür die Vollständigkeit des Verzeichnisses sehr ersprießlich war;
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