Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Nr. s6.

s8. Iahrgang.

Leiträge

sind an ssrof. Dr. L. von
Lützow (Wien, There-
sianumgasse 25) oder an
die Verlagshandlung in
6Hpzig, Gartenstr. 8,
zu richten.

s. Fcbruar

Inserato

a 25 jDf. fnr die drei
Mal gespaltene j)etit-
zeile werden von jeder
Buch- u.Runstbandlung
angenommen.

s883.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.



Ausstellung von Ledertapeten und Buntpapieren
im Aunstgewerbemuseum zu Berlin.

Die dritte Sonderausstellung des Kunstgewerbe-
niuseums ist am 19. d. M. cröffnct Nwrden: sie umfaßt
Ledertapeten italienischer und niederländischer Herkunft,
sowie moderne Erzeugnisse dieser Art; ferner japanisches
Leder und Lederpapier, endlich ältere deutsche Bunt-
papiere. Das Muscum hat dazu einen „Ftthrer" herans-
gegcben, welcher ziemlich ausstthrlichc Nvtizcn über
die bezüglichen Zweige der Technik, sowie historische
Nachrichten enthält.

Zum erstenmal zeigt das Museum hier einen Teil
derjenigen seiner Schätze, welche ihrer Natur nach nicht
dauernd ausgestellt sein kvnnen: alle Textilarbeiteu im
weitesten Sinne nebst dem dazugehörigen technischen
Material (für Färberei aller Art, Druckerei rc.), Er-
zeugnisse der Papier- und Lederindustrie, Posamentir-
arbeiten rc. Auf Berlangen jederzeit zugänglich, würden
ungeheure Räume dazu gehören, diese Abteilungen stets
in vollem Umsange auszustellen. Gerade diese Gruppen
aber sind relativ außerordentlich vollständig, und so
lvmmt denn dcr reiche Besitz des Museums an Leder-
tapeten und Buntpapieren jetzt zum erstenmal voll zur
Geltung, kann zum erstenmal wirklich nutzbringend
gemacht werden.

Wohl kaum eine öffentliche Sammlung dttrfte auch
nur annähcrnd eine ähnliche Anzahl von Ledertapeten
besitzen wie das Kunstgewerbemuseum zu Berliu. Ztvei
große Ankäufe der letzten Jahre haben diese bedeutende
Sammlung man kann sagen geschaffen: die Samm-

lung Krauth, vorzugsweise aus Tapeten niederländi-
scher Herkunft gebildct und die Sammlung Bardini,
welche ausschließlich italienische Arbeiten enthielt.

Der soeben erwähnte „Führer" giebt zunächst eine
genaue Beschreibung der äußerst umständlichen, sorg-
fältigen und kostspieligen Herstellung der alten Leder-
tapeten: erst danach begreist man die ganz außer-
ordcutliche Haltbarkeit der alten Stttcke. Die Verbreitung
der Technik nach allen Kulturländern des 16. Jahr-
hunderts macht es äußerst schwierig, die Provenienz
vicler Muster sicher zu stellen. Es sind eben allerorten
dergl. Muster derzeit gemacht worden und nur die
italienischen trennen sich leicht gegen die französisch-
niederländisch-deutsche Gruppe. Aber selbst zwischen
spanischen und italienischen Tapeten durchgreifend zu
scheiden, ist bis jetzt kaum möglich.

Die Muster zeigen namentlich in dcn Anfängen
(Ende des 15. Jahrhunderts) die enge Anlehnung an
die gleichzeitigen Stoffe, von denen sie allmählich immer
mehr abweichen, um in der Zeit des Rokoko, nament-
lich in den Niederlanden, ziemlich sclbständig zu werdeu.
Aus einen kurzen Rapport im Muster wurde man
von selbst durch die Lederplattcn gewiescn, tvclche natur-
gemäß nicht groß sein können. Welch reiche Wirkung
mit eincm einzigen Muster zu crzielen ist, zeigen eine
ganze Reihe der ausgestellten Tapeten. Borten, Säulen
fttr architektonische Teilungen, Friese rc. miissen natiir-
lich besonders angesetzt werden. .— Neben den Tapeten
fertigten die betreffenden Werkstätten eine ganze Reihe
anderer Gegenstände in gleicher Technik, bei denen das
Leder lediglich als Surrogat für kostbare Stoffe uud
ähnliches diente: Antependien, Möbelbezüge, Bett- und
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