Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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s8. Iahrgang.
Beiträge

sind an Prof. Dr. L. von
Lützow (Vien, There-
sianumgaffe 25) oder an
die verlagshandlung in
keipzig, Gartenstr. 6,

7. Huni

Nr.

Inserate

2H pf. für die drei

s883.

Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Lrscheint von Gktober bis Iuli jede woche am Donnerstag, von Iuli bis September alle ^ Tage, für die Abonnenten der „Zeitschrift für
bildende Runst" gratis; für sich allein bezogen kostet der ^cchrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen j)ostanstalten.

reichischen Museum. — Neue j)ublikationen von Iules Rouani in Z)aris; Der Schädel Raffaels: Rosenbergs Geschichte der modernen

Aunstausstellung. —R. Begas; L. Lncke ; jD. Gtto; L. Geselschap; T. L. visconti. — Münchener Runstverein; Reisestudien von j?. Tetar
van Llven; Neue Lrwerbung für die Louvresammlung; Internationale Aunstausstellung in Rom. — Dresdener Aunstgewerbeverein; Die
Wandmalereien im Zeughause zu Berlin; Das kaiserlich deutsche archäologische Institut in Rom; Beleuchtung des j?arthenon; j?rof. Rud.
weyrs Lries am neuen Burgtheater. — Zeitschriften. — Gegenerklärung. — Inserate.

Dic Dcnkmäler dcr Brüdcr von Humboldt
in Berlin.

Am 28. Mcii sind die Denkmäler für Alerandcr
und Wilhelni von Humbvldt in Gcgenwart des Kaisers,
des deutschen Kronprinzen und des Prinzen Wilhelm
von Preußen enthüllt worden. Die Feier, welche am
Gebnrtstage der noch lebenden Tochter Wilhelm von
Humboldts, der Frau Staatsminister von Bülow, statt-
fand, gipfelte in einer Nede des Kultusministers von
Goßler zum Gedächtnis Wilhelm von Hnmboldts,
dessen Denkmal anf Staatskosten errichtet worden ist,
und in einer Rede Professor Virchows, welcher im
Namen des Komits's zur Errichtung eines Denkmals
sür Alexander von Hnmboldt sprach, dessen Kosten aus
allgemeinen Sammlungen bestritten worden sind.

Das Ergebnis der im Jahre t876 ausgeschriebenen
Konkurrenz ging bekanntlich dahin, daß die Aus-
führung des Denkmals Alexanders Reinhold Begas,
die des Denkmals Wilhelm von Hmnboldts seinenr
Schüler Paul Otto in Rom übertragen wurde. Der
erstere hatte durch seine genialen, von dem herkvmm-
lichen Denkmälerschema abweichenden Entwürfe die
öffentliche Meinung in so hohem Maße für sich ge-
wonnen, daß die von ihm verlangte völlige Um-
gestaltung seines Entwurfs allgemein bedauert wurde.
Diese Entwürse, welche in Bronzerohguß auf der gegen-
wärtigen Kunstansstellung der Akademie zn sehen sind,
bestanden im wesentlichen aus den beiden BUsten der
Gefeierten, welche hohe, von allegorischen Gestalten
umgebene Postamente krönten. Diese durchaus origi-

nelle Auffassung würde mit dem Hintergrunde, dem
Garten und Gebäude der Universität, vortrefflich har-
monirt haben. Jmmerhin entschloß man sich zu einer
Abweichnng von dem üblichen Thpus insofern, als
m an den Künstlern gestattete, die beiden Gelehrten
sitzend darzustellen. Es ist die erste plastische Dar-
stellnng dieser Art, welche in Berlin an einem öffent-
lichen Orte Aufstellung gefunden hat. Dieser Schritt
ist um so bedeutsamer, als sich auf dem großen Platze
mit seiner monumentalen Umrahmung die Hauptwerke
Rauchs vereinigt finden, das Friedrichs-Denkmal, die
Blücherstatue und vier Standbilder von anderen Heer-
sührern der Freiheitskriege, welche sämtlich, ihrem
Charakter gemäß, stehend dargcstellt sind. So trifft
sich auf diesem Platze die auf der Antike fußende
Schule Rauchs mit der modern-naturalisirenden Schule
zusammen, welche unter Reinhold Begas als ihreni
Führer nach langem, schweren Ringen zum Siege
gelangt ist.

Die in weißem Marmor ausgeführten Denkmäler
crreichen bei einem 3 m hohen, viereckigeu Unterbau
eine Höhe von 5 rn. Sie haben rechts und links
vom Eingangsportal des die oour ä'llonnour ab-
schließenden Vorgitters der Universität dergestalt Auf-
stellung gefunden, daß das Gitter hinter ihnen halb-
kreisförmig zurückweicht, ohne daß die Postamente über
die Front der Seitenflügel des Universitätsgebäudes
hinausspringen. Die Borderseite der Sockel zeigt die
Namen inmitten eines Lorberkranzes, über welchem bei
Wilhelm die Eule der Minerva, bei Alexander zwei
Genien schweben. Der erstere, der Mitbegründer der
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