Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Kunstlitteratur

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Jephtha's von dem Schüler des Rubens, Nicvl. van
der Horst, und eine Reiterschlacht von Erasmus Quelli-
nus. Dem Rembrandt zugeschriebcn, jedenfalls ein vor-
zügliches Bild aus seiner Schule ist die Studie eines
Christnskvpfes nach dcr Natur.

Die schwach vertretene deutsche Schule zeigt einige
Porträts aus der Zeit Holbeins, darunter das Bildnis
des Kvlner Rechtsgelehrten Petrus dc Clapis mit seineni
Schutzpatron von Bartholomäus Brupn. Aus spätercr
Zeit ein gntes Genrebildchen von Seelatz und ein sehr
interessantes lebensgroßes Bildnis des großen Gluck, in
halber Figur Vvn Kupcczkp. Das Bild Paul Meper-
heims führten wir schon oben an.

Unter den Jtalienern und Franzvsen ist vertretcn
Valentin mit einer Kompositivn von sieben lebensgroßen
Figuren, die Verleugnung Petri darstellend, Carlo
Caliari mit Skizzen und Filippv Lauri; nnter den
Darstellern Vvn Stillleben und Blumen Mariv da Fiori
und Cav. Recco; Antonio Canale mit ciner Kanal-
ansicht aus Vencdig, Boucher mit Studien, und Louise
de Lebrun-Vigve.

(Schluß solgt.)

Aunstlitteratur.

Die Baukunst des Mittelalters in Italien, von der
ersten Entwickelung bis zu ihrer hvchsten Blütc. Vvn
l>r. pliit. Oskar Mvthes, königl. sächs. Bauratrc.
Mit ca.200Holzschnitten und o Farbendrucktafeln.—
Erster und zweiter Teil. Jena, H. Costeyoble.
1882. 320 S. gr. 8-

Über den Zweck dieses auf den dvppelten Umfang
der soeben erschienenen zwei ersten Hefte berechneten
Werkes äußert sich der Prospekt folgendermaßen: „Die
Arbciten namentlich italienischer Forscher haben eine
Reihe von Thatsachen ans Tageslicht gefvrdert, welche
geeiguet erschienen, vielfach verändernd auf die bisher
giltigen Ansichtcn übcr die Entwickelung der Bauknnst
Jtaliens einzuwirkcn, namentlich aber Licht zu ver-
breitcn Uber diejenigen Stadien dieser Entwickelung,
welche der eigentlichen Blüte mittelalterlicher Kunst
vorhergehen. Die Bekanntschaft mit diesen Ergebnissen,
verbunden nnt der in Deutschland fast allgeniein aus-
gesprochenen Klage, daß in der Geschichte der italieni-
schen Baukunst eine Lllcke auszusüllen sei, hat den
Verfasser und den Verlcger zur Herausgabe diescs
Werkes veranlaßt." — Es ist unnötig, zn sagen, daß
ein solches Unternehmen des Beifalls aller Fachgenossen
Vvn vorneherein versichert sein darf. Von der Teil-
nahme, die jeder dem Unternehmen an sich, der ver-
dienstvollen Arbeit entgegenbringt, wird freilich die
Zustimmung zu sondern sein, die eine strenge Kritik
der Thatsachen den gebotenen Resultaten bald freudig

zollen, bald wird versagen müssen. Es ist dies ini
Charakter des hier verarbeiteten Materials begründet.
Wo, tvie auf dem Gebiete altchristlicher Architektur, der
Stvff ein noch sv wenig kondensirter ist, wo mvnnmen-
tale litterarische Quellen durch Unvollkommcnheit und
Unsicherheit uneingeschränkter Hppothese vft ein weites
Feld gestatten, da wird in der Ringschule der Kritik
noch manche Lanze gebrvchen werdcn, das Für nud
Wider nur allmählich zum Ausgleich kommen; tönt
dvch, uni nur eines Punktes zu gedenken, nun schon
seit mehr denn 30 Jahren durch die Reihen der
Basilikastrciter der Schlachtruf: hie Zestermann, hic
Weingärtner, hie Meßmer, hier Kreuser! Nicht vhne
Wagnisse kann deshalb auf einem noch so schwanken-
dcn Grunde das Gebäude einer Architekturgeschichte
dcs italienischen Mittelalters aufgeführt werden; da
gilt es vor allem, gar manche Lücke aus Mangel an
Material durch kühne Hypothesen zu überbrücken, da-
mit kein Teil des Baues vhne Unterlage bleibe. Diese
Fundamente hat Mothes in dem ersten Teile seines
Werkes im wesentlichen niedergelegt, den Schlußstein
derselben bringt das zweite Heft. Als Thema des
grundlegenden ersten Teiles nennt der Titel des ersten
Kapitels die „Entwickelung mittelalterlicher Fvrmen
aus den altchristlichen.Der Darstellung geht eine um-
fassende Einleitung Vvrauf (S. 1—60). Sie beschäftigt
sich mit deni „Auftauchen der ersten Keime einer neuen
Kunst im Verfall des römischen Stils." Drei Fragen
stellt der Verfasser als wesenlich hiersür hin, zuerst
die Frage nach dem Antcile des Christentums, die
Untersuchnng, vb und inwieweit schon damals die christ-
liche Geistesrichtung Einfluß auf die bauliche Dispo-
sition und Formengebung gewvnnen hatte, wie dies ja
bekanntlich bei der Kleinkunst erwiesen ist. Die zweite
Frage beschäftigt sich mit der Nativnalität und kommt
zu dem Ergebnis: „Die teils nordischen, teils vrientali-
schen Bolkselemente suchten ihre Neigungen, z. B. den
Hang nach größerer Frische und Belebtheit des Ein-
drucks durch Mannigfaltigkeit der Massenverteilungen,
das Bedürfnis nach lebendigerer Gliederung und keckerer
Charakteristik durch Unterbrechung der Wagrechten,
andere Neigungen durch anderweitige Durchbrechungen
des röniischen Bauvrganismus geltend zu machen."
Was endlich einen dritten Faktor betrifft, so „zeigen
sich auf technischem Gebiet neben der Anwendung älterer
Konstruktionsweisen doch auch wesentliche Fortschritte,
wie die Umwandlung der Gewölbetechnik, die als Fort-
schritt zu bezeichnende umfasscndere Anweudung der
Klammern u. a." — Den Streit über die Borbilder
der christlichen Basilika will der Verfasser „thunlichst
beiseite lassen", unter Hinweis darauf, daß die räum-
liche Disposition aus den anfangs den Versammlungen
dienendeu Teilen des Wohnhauses hervorging. Die
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