Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Korrespondenz aus Stuttgart.

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2t. Nsä 1641. ^.nna, VLN Oirolr Oulens sir Roslt^s
IVIIIsws. (Große Kirche.) Hierauf fcheint die Mutter
gestorben zu sein, denn wir lesen im L.unteslr6ningl)06lr
wieder:

14. ^pril 1558. liirol: Oalens, Wsänvönasr,
inst ^.äriasntKS äs Ristis (InsMs) Wsänvs van
Oornslis Oourvsnasr, bsifäs rvonsnäs in äsn llags.
Aus dieser Ehe fand ich nur ein Kind: 14. vso. 1659.
Uuria, van Ilirolc Oalsns sn ^.äriana äs Ristäs.
Diese sollte leider eine traurige Rolle in des Malers
weiterer Geschichte spielen.

Der Meister ließ sich 1632 iu die Haagsche St.
Lucas-Gilde einschreiben. (Vergleiche ^roläsl, III).
1636 bat Dirck Dalens, „Maler und Schulmeister",
die Regierung der St. Lucas-Gilde um die Erlaub-
nis, 80 Stück Bilder verkaufen zu dürfen; er wolle
den Haag verlassen, denn er kvnne hier seinen Lebens-
unterhalt nicht gewinnen. Er würde der Gilde dafür
32^ Gulden geben und in zwei Jahren gewiß nicht
im Haag wohnen. Aber nach der Auktion, zu der er
anstatt 80 wohl 100 Bilder gebracht hatte, bcklagte
Dalens sich über dieseu Kontrakt, sagte, man habe ihn
sinistsrlisvlr denselben unterschreiben lassen und schalt
die Gildenregierung „Türken und Barbaren". Dann
ist er nach Leiden abgereist.

Später kam Willem Lucas, sein Schwiegervater,
zu dem vssollsn Henricus Hondius (dem bekannten
Kupferstecher) und bat für Dalens, ob er nicht wieder
in den Haag kommen dürfe, trotzdem er erst ein Jahr
abwesend gewesen sei. Dieses wurde ihm dann 1637
zugestanden; er solle sich aber wie ein ordentlicher
Gildebruder benehmen. (L.roliisk, III.)

Erst am 18. April 1642 ließ er sich als Haag-
scher BLrger in das Negister LnrZsrsoliappsn sn
Lobnttsrissn eintragen. Schon den 14. April 1642
lesen wir darin: die Frau des Dirck Dalens hat die
Bürgerrechte bezahlt und wird den Eid thun, wenn
sie wieder gesund ist.

1637 kauste der Maler ein Stück Land an der
Laenstraße für 400 Gulden; dann 164l ein Haus asn
äs Illoortsisäs van äs binnsnoinZsI sür 1000 Gulden.
Er scheint auf dem Stück Land inzwischen ein Haus
gebaut zu haben, das er für 800 Gulden 1640 schon
verhypothecirt. 1649 hat er noch ein Haus gebaut
ovsr äs ValbriiAAs llsnooräsn Ilasolis cval, und aus
anderen Dokumenten sehen wir, daß er 1642 auch ein
Haus besaß und bewohnte auf der Msnvs RisrLaäs,
wo damals van Goyen wohnte.

(Schluß solgt.)

Aorrespondenz.

Stuttgart, Anfang Juni 1883.

Bei der neulichen Beratung des Etats der
Staatsanstalten zur Pflege der Kunst und des
Altertums in der Kammer der Abgeordneten tvurde
die Vorlage der Regierung ohne Debatte genehmigt. Es
sind sür die Jahre 1883—1885 für Anschaffungen
von Kunstwerken je 24 343 Mk. zu verwenden, für
Altertümer 9200 Mk. Als durchaus ungenügend wurde
der Aufwand sür das Konservatorium der vaterländi-
schen Kunst- und Altertumsdenkmale bezeichnet, im
ganzen inclusive Gehalte nur 2703 Mk. Dann wurde
wurde die baldige Übersiedelung der wertvollen Alter-
tümersammluug aus ihrem provisorischen, feuergesähr-
lichen Lokal in das neue Bibliothekgebäude dringend
gewünscht. Leider kaun dies erst nach Bollendung des
noch nicht in Augriff geuommenen Mittelbaues (in
zwei bis drei Jahren) geschehen; doch ist Aussicht vor-
handen, wenigstens einen Teil der wertvollsten Sachen,
vor allem die Prähistorische Sammlung, schon früher
im neuen Gebäude unterzubriugen zu köuuen.

Die bereits seit acht Jahren schwebende Kunst-
schulbaufrage ist endlich in der Sitzung der Kammer
vom 28. Mai, jedoch nicht ohne Widerspruch, erledigt
worden. Für den Bau eines neuen Ateliergebäudes
sind 154 000 Mk. bewilligt und für den Anbau cines
weiteren Flügels am Kunstgebäude 215 000 Mk. Da-
mit wird endlich den seit Jahren magazinartig anf-
gestapelten Sammlungen Luft geschaffeu und deren
Nutzbarmachung erleichtert werden. Einstweilen ist
auch die Heizbarmachung der vorhandenen Räume er-
folgt und ein provisorisches Ateliergebäude hinter dem
Kunstgebäude errichtet worden. Jmmerhin werden also
noch drei bis vier Jahre vorübergehen, bis unsere
Sammlungen in den neuen Lokalitäten endgültig ge-
ordnet aufgestellt werden können.

Mit der Katalogisirung ist ein schöner Anfang
gemacht worden, indem vor kurzem das erste Heft des
beschreibenden Kataloges unserer Altertümersammlung
erschienen ist, enthaltend die allemannisch-fränkischen
Altertümer, beschrieben von dem Kustos Herrn Majer.
Als ein wahres Bedürfnis erscheint die neue Kata-
logisirung der Kunstsammlungen, aber damit müsscn
Wir uns noch gedulden bis zur Neuaufstellung.

Die königliche öffentliche Bibliothek wird noch
im Laufe dieses Sommers ihr neues, prächtiges Heim
beziehen und damit wieder einer der unendlich in die
Läuge gezogenen und höchst verwickelten Baufragen ein
Ende gemacht werden.

Wenn ich noch der gegenwärtig in den ver-
schiedenen Kunstlokalen ausgestellten Kunstwerke ge-
denken soll, so ist vor allem die interessante Kollektion
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