Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Todesfälls. — Kunstlitteratur. — Kunsthistorisches. — Personalnachrichten. — Vermischte Nachrichten.

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Jahre malte Eybel in der neuen Schloßkapelle die Figuren
von zwölf Reformatoren an den Pfeilern einer Nischs.
Während der letzten 20 Jahre widmete er sich ausschließlich
seiner Lehrthätigkeit. Er leitete die Tierklnsse an der königl.
Kunstakademie und war Lehrer an derZeichenfchule des Vereins
der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen.

Dcr Konservator dcs historischcn Bluscums in Vcr-
saiiles, Clsment de Ris, ist am 12. Oktober gestorben. Er
hat eine Anzahl kunsthistorischer Schriften herausgegeben,
unter welchen„Iis Nusss roz-nl cls Nnclriä" und „I-ss Nusscs
äs provinoo" die bekanntesten sind. Er war eine Zeitlang
Direktor des Herrscher- und des Renaissancemuseums im Louvrs
und bekleidste seinen letzten Posten seit 1876.

Todesfälle.

G Dcr Kupferstechcr Eduard Mandel ist am 20. Oktober
in Berlin ün 73. Lebensjahre gestorben.

Auiistlitteratur.

I.e »usöo <1u l'ruäo ü Iludi i't. rsprocluit sn piiotogra-
plris inultsralrls pur ^.cl. Lruun A (lis. Dornach
1882.

D. Das Werk, auf dessen erste Lieferung vor Jahres-
frist an diefer Stelle aufmerksam gemacht wurds, liegt nun
vollendet vor, und es freut uns sagen zu können, daß es den
durch den Anfang erregten Erwartungen nach jeder Richtung
hin gerecht geworden ist. Dis Madrider Galeris ist nun dem
kunstforschenden und kunstliebenden Publikum in einer Weise
zugänglich geworden, die auch weitgehenden Anforderungen
zu genügen imstande ist: auf den 400 Blättern sind alle her-
vorragenden Nummern des Prado vertreten, und die Wieder-
gabe der Bilder ist zumal für den der die häufig arg gedunkel-
ten Originale ksnnt, eine überraschend gute. Gelegentlich
beigegebens Detailaufnahmen in vergrößertem Maßstabe regen
zu" lehrreichen Vergleichen der Technik der verschiedenen
Meister an; was wir seinerzeit als Hoffnung aussprachen,
hat sich in erfreulicher Weise ersüllt: die neueste Braunsche
Publikation hat der Kunstforschung wieder ein wichtiges und
reiches Material zu beguemem Gebrauche zur Verfügung ge-
stellt. 'Möge es, richtig benutzt, anregend und fördernd wirken!

Die 29. Lieserung dcs „Allgcincincn Küiistlerlexikons",
herausgegeben von Jul. Meyer ünd Herm. Lücke (Leipzig,
Engelmann) ist soeben ausgegeben und umfaßt die Künstler-
namen von Christian Behrens bis zu Gentile Bellini.

Aunsthistorisches.

Tic Trnmmer ciner röinischcn Stadt sind infolge von
Ausgrabungen bei dem Weiler Grand-Pont in der Nühe von
Poitiers zum Vorschein gekommen. Nach einem Briefe, den
der Jnspektor der historischen Denkmälsr, Lisch, an einen
seiner Freunde in Paris gerichtet hat, scheint es stch um ein
„kleines Pompeji" zu handeln. Man hat einen Tempel auf-
gedeckt, der 70 in Frontbreite und 140 in Tiefe hat, ferner
eine Thermenanlage, welchs sich über zwei Hektaren erstreckt,
ein Theater von 90 ni Länge, vollständige Straßen mit den
daranliegenden Häusern, dazu eine Anzahl Skulpturen von
guter Arbeit, anfcheinend aus dem zweiten Jahrhundert, Ge-
rätschaften von Eisen, Bronze, Terrakotten u. s. w.

Über römische Gräbcrfundc in Neuß wird der „Neußer
Zettg." folgendes geschrieben: Vor dem Niederthor sind kürz-
6ch in der Nähe des mittleren Arms der Rheinrömerstraße
ca. 1Z römischs Gräber mit Beigaben aus der ersten Hälfte
des zweiten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung zum Vorschein
gekommen. Ein größeres Jntereffe hatten unter den Fund-
stücken zwei Gegenstände, nämlich ein Becher mit sn tmrbo-
^ins ausgeführten Reliefdarstellungen von fliehenden Hasen
und eins etwas verzierte ovale Schüffel, welche grün
glasirt ist. Ein Terrasigillatagefäß zeigt Lotusschmuck. Hat
dieser Fund an und für sich ein archäologisches Jnteresie, so ein
anderer mehr wegen seiner Fundumstände. Als man nämlich
auf dem Büchel zu einem Neubau das Fundament auswarf,
kamen drei römische Gräber zum Vorschein, welche recht charak-
teristische Beigaben aus der Mitte des ersten Jahrhunderts
unserer Zeitrechnung aufzuweisen hatten. Da nun in der

Fundgegend von allen Forschern, welche sich bisher mit der
älteren Geschichte unssrer Stadt befaßt haben, in überein-
stimmender Weise der Mitttelpunkt des Kastells Novaesium
gesucht wird uno die Römer bekanntlich ein Gesetz hatten,
wonach an solchen Stellen Leichen weder verbrannt noch be-
graben werden durften, so mutz zu der Zeit, welcher jene
Gräber angehören, das Kastell bereits aufgegeben gewesen
fein. Es ist oies um so wahrscheinlicher, als sich außer diesen
Gräberfunden im Bereiche des alten Kastells auch noch andere
Gräberfunde nachweisen lassen, welche bis zu Konstantin dem
Großen reichen, dann weil auch nach sinigenStellenim Tacitus
(Hi8t. IV. 26. und V. 22.) im Jahre 63 das Kastell Novae-
sium seine Bedeutung verloren zu haben scheint, insofern
damals der Schwerpunkt militärischer Unternehmungen im
Lager zu Grimlinghausen lag.

j)ersonalnachrichten.

Dcm Bildhauer Professor Karl Lachcr an dsr k. k. Staats-
gewerbeschule zu Graz wurde vom Kaiser von Üsterreich das
goldenc Verdisnstkreuz mit der Krone für „Verdicnstliches
Wirken in Schule, Gewerbe und Kunst" verliehen.

Vermischte Nachrichten.

Franz Defrcggcrs iicucstes Bild „Dcr Salontirolcr"
ist von der Direktion der Berliner Nasionalgalerie angekauft
worden.

v. 1i Drci Originalgemälde älterer Meister. Der von
verschisdenen Seiten gehegte Wunsch, es möchte gelegentlich
der heurigenNürnberger Laiidesausstellung eine Wiederholung
der mit der ersten iiiternationalen Kunstausstellung 1879 in
München vsranstaltst gewesenen Ausstellung von Gemälden
älterer Aieister stattsinden, um bei dem Zusainmentreffen
vieler Kunstkenner und Kunstfreunde so manches noch unbe-
kannte oder erst aufgefundene Originalwsrk zur öffentlichen
Kenntnis und Würdigung zu bringen, kounte wahrscheinlich
wegen zu später Anregüng oder MangelS an geeignetein
Raum nicht erfüllt werden. Es dürfte daher dienlich sein,
wenigstens von einigen solchen Gemälden hier Notiz zu nehmen.
Namentlich bei einem im Bcsitze von Frau Leroy in Baden-
Baden befindlichen Bilde dss Nürnbsrger Mnlers H. Ammon
ist es zu bedauern, daß es nicht nach Nürnberg kam, weil
dem noch ziemlich in Dunkel gehülltei! Meistsr gerade im dorti-
gen Rathause ein Gemülde zugeschrieben ist (s. I. Meyers
Ällg. Künstlsrlexikon) und eine Vergleichung bsider von Vorteil
gewesen wäre. Das betreffende nuf Holz gemalte, 0,00 iu
hohe und 0,76 m breite Bild ist nämlich mit der Jnschrift
II F-Limö 1616 bezeichnet, und die lebendige Komposition ünd
gute Zeichnung, fowie der geschickte markige Farbennuftrag
iveisen auf einen der weiteren Nachforschung würdigen, tüch-
tigen Meister hin. Wie das Nürnberger Bild einen mytho-
logischen Vorgang, stellt dieses „Juno, welche die Augen des
erschlagsnen Ärgus in den Schweif ihres Psauen einsetzt"
vor. Mit dem soeben beschriebenen befand sich auch ein
großes Porträtgruppenbild, 3,46 m hoch und 1,65 in breit,
in dem Atslier des Gemälderestaurators A. Sesar in Augs-
burg, das vermöge seiner vollendeten Technik, der feinen
Jndividualisirung der Dargestettten, sowie der liebevollen
Durchfiihrung bis aufs nebensächlichste sine beachtenswerte
künstlerische Kraft verrät; und doch ist über den Meister,
deffen Name Lihl, 1751, am Bilde unten rechts steht, in
unsoren Nachschlagebüchern nichts zu finden. Der Besitzer,
Herr Albrecht Fischer in Offenburg, der das Bild durch
Sesars gewissenhafte und bewährte Hand in einen gesicher-
ten Zustand mit voller Schonung des Originals briiigen
läßt, hat glücklicherweise von einer noch lebenden Großnichte
des Malers folgende erläuternde Iiotizen erlangt: „Das Bild
stellt lauter Glieder der Familie Lihl vor, welche aus
Schlackenwald in Böhmen gebürtig waren. Der Herr rechts
in der oberen Ecke ist mein Großvater Joh. Nep. Lihl, und
die Matrone meine Großmutter, des ersteren zweite Frau.
Derselbe war Sekretär Jhrer kais. Hoheit der Prinzessin Maria
Biktoria von Österreich. Der Verfertiger des Geinäldes,
Joh. Lihl, Sofmaler in Wien, mein Großonkel, befindct sich
ebsnfalls darauf und steht hinter dem Bilde semer Frau. Um
1760 siedelte derselbe nach Rastatt über. Die im dortigen
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