Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Vom Kunstmarkt.

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chon von Penicaud mit 8480, eine Platte mit den in Grisaille
gemalten Grazien nach Raffael mit 3960, eine zweite, eben
wie die vorige von Didier mit 8600, eine Platte von I.
Courtois mit 2550, eine von P. Courtois mit 1400, Schüsseln
mit 2000 und 1350, zwei Schalen mit 1700, ein Miniatur-
porträt in Emaillemalerei aus dem 17. Jahrhundert mit
1210 Mk. Auch dis Majoliken wurden teusr bezahlt: eine
große Schüssel von Pesaro mit 4569, einePlatte von Faenza
mit einer Nachbildung von Rasfaels Spasimo 6800, Tellsr
und Schüssel von Faenza mit 3500, 3200 und 2200 Mk.
Eine Schüssel von Gubbio mit 2200, andere mit 1850
Und 1600, ein Teller von Caffaggiolo mit 3550, eine
Schüssel von Castelli mit 4350 Mk.; sonst brachten aus den
Majoliken zehn Nummern noch jede zwischen 1000 bis
2000 Mk. Die kleine Fayence d'Oiron wurde mit 7700 Mk.
bezahlt und der Nürnberger Bisrkrug, allsrdings ein schönes
Unicum, mit 1720 Mk. Ein großer Glashumpen mit den
Emblemen von Kaiser und Reich kam auf 1500 Mk., eine ge-
malte Glasscheibe, schweizer Arbeit, auf 1130 Mk., mehrere
sonstigs Gläser auf zwischen 1000 und 2000 Mk. Unter den
Elfsnbeinarbeiten sind hervorzuheben: die Krücke eines Bischofs-
stabes mit 2800, ein französisches Diptychon mit 4100 und
ein Triptychon gleichen Ursprungs mit 2350 Mk.; andere
Preise bis zu 2000 Mk. übergehen wir. Von den Prachtge-
räten und Schmuckgegenständen wurds die schöne Nautilus-
schale init 2435, eine silberne Trinkkanne mit 5150, eine
Henkelkanne mit 2900 Mk. bezahlt, eins große Standuhr,
ein Prachtstück, mit 5750, eine Taschenuhr mit 2900 Mk., ein
Ring mit Email mit 3000 Mk. Sehr hoch wurden auch
einige Mstallarbeiten bszahlt: ein vorgotisches grotzes Aqua-
manile mit 4000, ein Altarleuchter mit 3200, zwei kleinere
mit 3000, vier eiserne Figürchsn, zu Messerheften bestimmt,
mit 3000, ein Degenstichblatt mit 2800, eine anderes mit 1550,
ein kunstvoll gearbeiteter eisemer Schlüssel mit 1490 Alk. Ein
kleines Medaillon von 4,5 oin Durchmesser, in Buchsbaum
geschnitten, das Modell zu einer Denkmünze mit männlichem
Bildnis und Umschrift, datirt von 1541, allerdings eine vor-
treffliche Arbeit, ward zu der Summe von 5100 Mk., hinaufge-
steigert. Ferner wurde ein Schmuckkästchen mit kolorirten, in
Wachs modsllirten Medaillons und sonst reich dekorirt, franzö-
sische Arbeit aus der Zeit Henri II, mit 1800 Mk. bezahlt.
Den Glanzpunkt des Ganzen aber bilden die Eß-, Tafel- und
sonstigen Bestecks, wslche mit 145 Nummern in runder Summe
r-0000 Mk. eingsbracht haben. Von den 1678 Nummsrn der
Sammlung haben 84 jede über 1000, manche über 2000 Mk.,
eingebracht, abgesehen von den oben gemeldeten höchsten
Preisen. Köln. Ztg.

Kunstauktioneii von H. G. Gutekunst in Stuttgart vom
6. November an. Eine kurze Notiz über diese Stuttgarter
Auktionen, welche durch die Zeitungen ging, war schon da-
nach angethan, die Neugierde der Kunstfreunde rege zu machen.
Drsi Versteigerungen lösen sich nacheinander äb, jede mit
einem anderen Jnhalte und, wie die eben versandten Kata-
loge uns belehren, jede im höchsten Grade interessant. Der
erste Katalog dürfte in jenen Kreisen eine gslinds Auf-
regung hervorbringsn; die ihr Augenmerk der Geschichte des
Münzwesens zuwenden; er enthält in bsinahe 2000 Nummern
so viele Seltenheitsn und Kostbarkeiten (was Schönheit der
Erhaltung anbslangt), daß selbst die rsichsten europäischen
Kabinete hier Gelegenheit finden, manche Lücke auszufüllen.
Der Katalog zerfällt in zwei Abteilungen, deren erste römische
Consular- und Kaisermünzen sowie italienische Bronzemsdaillsn
des 15. bis 18. Jahrhunderts enthält. Aus der Zeit der
Consuln und Kaiser jvon Augustus bis auf Honorius und
Arkadius) sind 1352 Münzen verzeichnet und Cohens Num-
merirung jedem Exemplare genau beigefügt, so daß die Orien-
tirung leicht ist. Der Rest diessr erstsn Sammlung, sowie
der ganze Jnhalt der zweiten Abteilung wird aber in höch-
stem Grade die Sammler interessiren, da hier die herrlichstsn
und seltensten Stücke verzeichnet sind, nämlich Medaillsn
vom 15. bis 18. Jahrhundert incl. Hier findet auch der Kunst-
freund, was ihn ansprechen muß, da dis bildlichenDarstellungen
nicht allein für sich ansprechend sind und von tüchtigstsn KUnst-
lern des Faches Herrühren, sondern viele Bildniffe auch auf
Werke bsrühmter Künstler hinweisen. Die kostbarsten Me-
daillen sind in gelungenen Lichtdrucken reproduzirt. Auf Matteo
de' Pasti werden z. B. dis Medaillen mit dem Bildnis des
Sigismund Malatesta (Nr. 1403, 1404, 1690 und folg.) und

seiner Gsliebten Jsotta von Nimini, wie auch diejenige des
Alba zurückgeführt. „Opus Pisani Pictoris" ist die Medaille
mit Johannes Palaeologus bezeichnet, Nr. 1688 (auch von
Friedlünder im Jahrbuch der königl. prsußischen Museen,
Bd. I. publizirt). Ebenso bezeichnet ist eine Vermählungs-
medaille des Lionello d'Este (Nr. 1689), dann die des Alfonso
d'Arragon (Nr. 1701) und des Piccinino (Nr. 1703.) Die
Jnschrift ,.Opus Zxsrunclsi" trägt die Medaills des Barbatia.
Nach einer Zeichnung von B. Beham ist die schöne Medaille
des Pfalzgrafsn Ludwig von Baysrn (Nr. 1820), die pracht-
volle Medaille des Dogen Memmo ist von Duprs 1612 ver-
fertigt (Nr. 1737) und die höchst künstlerisch aufgefaßte der
Margarita, Gemahlin des Caspar Frundsperg, von Hagenauer.
Schon dieser oberflächliche Auszug aus dem Kataloge dürfte
Liebhaber reizen, dsnselben mit Jnteresse und Aufmerksam-
keit zu studiren. Die 51 beigegebenen Abbildungen werden
dieses Jnteresse wenn nicht steigern, doch wessntlich unter-
stützen. Der zweite Katalog (Auktion 10. November) be-
schreibt Antiquitäten aller Art und enthält in 912 Nummern
ebenfalls so viel Vortreffliches und Kostbares, wie es selten
heutzutage in den Handel kommt. Der Jnhalt der vorzüg-
lichen Sammlung ist übersichtlich nach den verschiedenen
Stoffen dsr Gegenstände geordnet und wenn wir die Über-
schriften der einzelnen Abtsilungen anführen, wird man sich
schon daraus einen Begriff von der Reichhaltigkeit und Uni-
versalität dsr Sammlung bilden können. 1. Deutsche Krug-
töpferei, Siegburger, Raersnsr, Nassauer und andere Fabrikate,
Majolika, Fayence, Terrakottsn dabei drei Tanagrafiguren),
farbiges Porzellan, meist aus der Fabrik zu Ludwigsburg.
2. Glasindustrie, deutsche und italienische Gläser und gemalte
alte Glasscheiben. 3. Elfenbeinarbeiten, meist figürlichen Jn-
halts, daber ein Diptychon des 15. und ein Triptychon des
16. Jahrhunderts. 4. Emailarbeiten auf Kupfer, dabei Limoges
von Lsonard und I. Remond. 5. Miniaturen, dabei höchst
feins Malereien auf Elfenbein, Pergament, Kupfer oder Holz.
6. Arbeiten in Silber; hier bemerkenswert verschiedene Hohl-
gsfäße von Nürnberger Künstlern des 16. Jahrhunderts.
Auch unter dem Tafelgeräte dieser Abteilung, wie bei den
Nippessachen finden sich hervorragends italienische und deutsche
Arbeiten; dis Sammlung der letztersn, wie die der Schmuck-
sachen, Ziergsräte rc. ist überaus reich; der Sammler hatte
besonders auf das Künstlerische iin Hcmdwerk sein Augenmerk
gerichtet. Ein Prachtstück dieser Sammlung ist das ostgotische
Halsgeschmeide aus Gold, mit drei kostbaren Cameen ge-
schmückt. 7. Arbeitsn in Bronze, Messing, Kupfer rc., dabei
eine reiche Auswahl von kirchlichen Geräten und unter diesen
große Seltenheiten, so ein Reliquiarum aus dem 12. Jahr-
hundert, ein zweites, gotisches aus 15. Jahrhundert, ein goti-
sches Ciborium mit drei Niellen von Fr. Francia und in
dieser Weise noch viele herrliche Stücke des 15. und 16. Jahr-
hundsrts. 8. Uhren, zwar nur 12 Nummern, aber jede ein
Prachtstück deutscher Kunst, meist aus dem 17. Jahrhundert.
Es folgen 9. Arbeiten in Eisen und 10. Schutz- und Trutz-
waffen, worunter ein getriebener und vergoldeter Schild mit
einer Schlachtscsns, italienische Renaissancearbeit, als ein
Hauptwerk zu nennen ist. 11. Arbeiten in Holz, Schnitzereien
und Möbelstücks (eine reiche und kostbare Sammlung), 12. in
Wachs, 13. in Leder und Psrlmuttsr und schlisßlich 14.
Stickereien und Textilindustrie, italienisch und deutsch, zu
Kirchen- wis Profanzwecken, dabei Stücke von höchster Voll-
endung. Einige alte Gemälde bilden den Schluß. Auch hier
wieder sind viele der seltensten Stücks auf zwölf Tafeln in
photographischer Wiedergabe zum besseren Verständnis bei-
gsfügt. Der dritte Katalog, dessen Jnhalt am 17. Nov.
unter den Hammer kommt, enthält Kupferstiche und Hand-
zeichnungen des 15. bis 17. Jahrhunderts. Wenn der Kunst-
sammler nach dem vorzüglichen Jnhalt der beidsn vorher-
gehenden Kataloge auch hier eine Sammlung von ähnlicher
Vortrefflichkeit erwartet, so wird er sich nicht allein nicht ge-
tüuscht sinden, er muß vielmehr von dem hier Gebotenen über-
rascht sein. Nummerisch ist die Sammlung nicht gar groß; 543
Nummern fallen auf dis graphischen Künste, 117 auf dis Hand-
zeichnungen,; dafür ist absr ksin einziges mittelmäßiges Blatt
in der Samiiilimg, ja es kommen die größten Kostbarksiten
und Seltenheiten vor. Zu diesen gehörsn in erster Reihe die
nsun Niellen, wovon stebsn in vorzüglich gelungenen Licht-
drucken abgebildet sind. Acht sind bei Duchesne odsr Passavant
beschrieben, eine erscheint zum erstenmal auf dsm Kunstmarkt
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