Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Vermischte Nachrichten. — Zeitschriften.

der Münchener Künstlergenossenschaft gegeben, die übrigen ^
Wahlen vollzieht das Centralkomitü nach eigenem Ermessen". ^
Aus den besonderen Bestimmungen wären nachstehende
mitzuteilen: „Zu K 1. Will ein Staat eine Kollektiv-Ausstellung
nicht beschicken, so steht dessen Angehörigen dis direkte Be-
schickung an das Centralkomits zu. Diese Kunstwerke unterltegen
der Ausnahmsjury in München. Zu K 8. Ausnahmen von der
Einhaltung des Einlieferungstermins können nur auf schrift-
liches Ersuchsn des Ausstellers dann stattfinden, wenn das
Centralkomitö einstimmigen Beschlutz hierfür erzielt, wobei
vom Komits ein zweiter Einlieferungstermin festgesetzt wird.
Von einem Künstler können nur drei Werke gleicher Gattung
ausgestellt werden. Ausnahmen kan» das Komitö bewilligen.
Zu K Ul. Prümiirungen. DieZuerkennung der Medaillen ist eine
rein sachliche, d. h. ausschlietzlich der Kunstwert ist entscheidend,
Rücksichtnahme auf eine entsprechende Verteilung der Medaillen
nach Nationen oder nach Kunststädten ist unstatthaft. Jm
allgemeinen soll auf 3—4 zweite Medaillen eine ersts und
auf 4U—50 Kunstwerke überhaupt eine Medaille tresfen. Wie
viele Aiedaillen für die einzelnen Kunstzweige zu vergeben
sind, wird durch die Preisjury nach Matzgabe des Kunstwertes
und der Anzahl der Einsendungen bestimmt. Der Besitz einer
Münchener Medaille wird bei künftigen Ausstellungen im
Katalog bemerkt." — Jn den Münchener Künstlerkreisen macht
das Statut den günstigsten Eindruck, weil man mit Zuver-
sicht voraussetzen darf, dah durch den Vollzug seiner Be-
stimmungen für die Zukunft Vorkommnisse hintangehalten
werden, wie sie bei der Ausstellung des Jahres 1870 so viel
böses Blut machtsn.

Vermischte Nachrichten.

jfür dic Fassade dcs Knltusministcriums in Bcrlin,
welche nach dem Entwurfe dss Professors Kühn ganz aus
Nesselberger Sandstein in drei durch korinthische Säulen und
Pilaster gegliederten Stockwerken, Unter den Linden Nr. 4,
errichtet worden ist, hat der Bildhauer G. Eberlein einen
Figurenfries geschaffen, der sich unter dem Kranzgesimse dahin-
zieht und in diesen Tagen enthüllt worden ist. Eberlein hatte
den Auftrag auf Grund einer Konkurrenz zwischen fünf Ber-
liner Bildhauern erhalten und ging im Oktober vorigen
Jahres ans Werk, und zwar erfolgte die Ausführung am
Gebäude selbst unter stetiger Leitung des Herrn Eberlein
durch den Steinbilvhauer Selbach. Äls Material war west-
fälischer Kalkstein gewählt, eine vortreffliche heimische Stein-
art, welche, nachdem sie lange auher Gebrauch gskommen,
hier wieder zu Ehren gebracht worden ist. Die gesamte,
45 Meter lange Komposition, aus 50 lebensgroßen Figuren
bestehend, ist im Sinne der besten Muster griechischer Relief-
plastik ausgesührt und gliedert sich gemätz der Aufgabe, den
geistigen Wirkungskreis des Aiinisteriums charakteristisch zu
veranschaulichen, in sünf Hauptabteilungen, welche an zwei
Stellen durch Kandelaber architektonisch getrennt sind. Jm
übrigen hat der Künstler die verschiedenen zur Darstellung
zu bnngenden Gegenstände durch rhythmisch geordnete ideal-
schöne Gruppen Leutlich gemncht. Den Mittelpunkt des
Ganzen bildet die sitzende Jdealgestalt der Religion, deren
hervortretende Bedeutung fllr das gesamte Wirken des Mini-
steriums auch äutzerlich dadurch zur Geltung gelangt, datz sie
in größerem Mahstabe ausgeführt wurde und infolgedessen
teilweis in das Gesims hineinragt. Dieselbe ist einerseits
durch das Symbol des Kreuzes, andererseits durch die
segnend vorgestreckte Rechte charakterisirt. Die unmittelbar sich
anschließenden Gruppen versinnlichen die tröstends, heiligende
und erziehende Macht der Religion in den verschiedenen
Phasen des Menschenlebens: von links her ivird ein ster-
bender Greis von der Tochter geleitet, um den letzten Segen
zu empfangen, es nahen ferner die Mutter mit dem Täuf-
ling, der Konfirmand und das Brautpaar, während auf der
anderen Seite (rechts) ein im höchsten Seelenschmerz hin-
gesunkenes Weib Trost erfleht und eine Erzieherin den kind-
iichen Sinn des Knaben zu Gott lenkt. Die nächstfolgenden
Darstellungen zu beiden Seiten tzelten den Universitäts-
Wissenschaften: nach links hin erblicken wir zuerst den
Chemiker mit der Retorte und den Geographen mit dem
Globus zur Seite; das Figurenpaar neben ihnen deutet auf
die Sternkunde; noch weiter nach links ist die Wissenschaft
der Rechtslehre als sitzende weibliche Figur dargestellt, be-

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gleitet von dem Genius des Gesetzes, welcher Wage und
Schwert hält, und umgeben von Lehrenden und Lernenden.
An sntsprechender Stelle zur Rechten der Mittelfigur folgt
die praktische Medizin und zwar die äuhere durch den Chirur-
gen, welcher einen Kranken verbindet, die innere durch das
Auskultiren eines Jünglings angedeutet. Endlich ist die
Thsorie der Medizin durch den einen Schädel betrachtenden
Lehrer der Anthropologie vertrsten, die Geburtshilfe durch
eine Gruppe, in welcher der Arzt dem neugeborenen Wesen
den ersten Beistand leistst. Anfang und Schluh der Kom-
position bilden die fünf ausübenden Künste, beginnend an
der Ecke links mit der Dichtkunst: Vater Homer die Leier
rührend und die Poesie als Jdealgestalt, welche einem Sänger
den Kranz reicht. Daneben ein Genius, den Pegasus zügelnd;
hieran reihen sich mehrere Gruppen, welche um die Gestalt
der Musik versammelt einerseits in dem zu ihren Flltzen
lauschenden Komponisten die schöpferische Tonkunst, andrer-
seits in zwsi singenden Knaben den Volksgesang und in dem
tanzenden und flötenspielenden Mädchenpaar die heitere
scenische Musik veranschaulichen. Endlich reihen sich rechts
am Schlusse die Vertreter der bildenden Künste: der Maler
im Jiaturstudium der Menschengestalt, der Architekt, als Lehrer
seine Schüler auf die Meisterwerke griechischer Baukunst hin-
weisend, und der schaffende Bildhauer in seiner Werkstatt,
welcher seine Jünger zum Studium der Natur und der klas-
sischen Vorbilder anleitet. An dieser Stelle ist an die glück-
lichen Funde neuester Zeit auf griechischem Boden durch die
BUste des Hermes von Olympia und die pergamenischen
Reliefs erinnert. Plastische Klarheit, ideale Auffassung und
reiche poetische Erfindung geben dem Relief Eberleins einen
weit über das Maß architektonisch-dekorativen Schmuckes
hinausgehenden Wert, wis denn auch in Bezug auf die
technische Durchführung desselben allen Anforderungen genügt
ist, welche die Würde des Kunstwerkes und dte Stätte der
Verwendung desselben stellsn.

Die Siy'sche Gcmäldcgaleric in Aiiisterdam ist, wis uns
der Besitzer derselben mitteilt, nicht vsrkäuflich. Eine darauf
bezügliche, durch verschiedene öffentliche Blätter gegangene
Mitteilung beruht auf einem Jrrtum.

Zeitschristen.

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