Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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sianunlgasse 25) oder an
die verlagshandlung in
keipzig, Gartenstr. 6,

23. Ianuar

ur.

Inseralc

a 25 ssf. für die drei
Mal gespaltene petit-
zeile werden von jeder
Buch- u.Runschandlung
angenommen.

s88Z.

Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.


over I'ortraiter af 6st Oanglce Xon§el,uu8; I/Italin, neue Aeitschrift für bildende Aunst; Rud. Springers Runsthandbuch. — Bernbard
Afinger ; F. ^ollet s-; I. Llesinger f. — Illustrationen von I. Tousin, Ausgrabungen in der Räbc von Metz.— Die verwaltung der
Gemäldegalerie der Akademie der Aünste in venedig. — Aus Stuttgart; Aus dcm Münchener Aunstverein. — Der wilddieb von Thr.

Ausstellung in der Berliner Nationalgalerie.

Die sechzehnte der Sonderausstellungen, welche
die Direktion dcr Nationatgalerie zum Ehrengcdächtnis
verstorbener Künstler bald nach ihrem Tode zu ver-
anstalten stflegt, gilt dem Altmeister der Kupferstechcr-
kunst Eduard Mandel. Es ist der Dircktion ge-
lungen, das gesamte Werk des Künstlers, fünfund-
vierzig Nummern umfassend, durchweg in vorzüglichen
Abdrücken, die zum Teil aus Mandels eigenem Besitze
stammeu, zusammenzubringen, von seinen srühesten
Radirversucheu aus dem Ende der zwanziger Jahre,
bis zu dem Meisterwerke, mit welchem er die ruhm-
volle Thätigkeit seiucs Lebens abschloß, dem Stiche
nach der „Sixtiuischen Madonna". Mit hochgespaun-
ten Erwärtungen sah man schon seit Jahren der Voll-
endung dieses Wcrkes entgegen, und, als Mandels
Plötzlicher Tod bekannt wnrde, mischte sich in die Trauer
um den schweren Verlust die besorgte Frage, ob er
wohl dieses sein letztes Werk vollendet oder doch der
Vollendung so weit nahe gebracht habe, daß Abdrücke
nach dcr Platte gemackt werden kvnnen. Durch die
Eröffnung der Ausstellung sind diese Zweifel gelöst
worden. Jn der Mittc seiner Werke steht der Stich
nach der sixtinischcn Madonna, nicht nur dem Umfange
nach seine größte, sondern auch in bezng auf die tech-
nische Vollendung und die geistige Erfaffung seine be-
deutendste Arbeit. Nur einige Härten über und zwi-
schen den Augen der Madonna und an der Stirn und
den Augen des Kindes harren noch der ausgleichenden
Hand. Vielleicht hätte cr anch noch, wenn ihm das
Schicksal ein längeres Leben verliehen, den unergründ-

lich tiefen Augen der hohen Frau mehr Leuchtkraft und
Glanz, mehr aus derTiefe strömendes Licht gegcben, viel-
leicht auch bei einer ctwaigeu Überarbeitnng der Platte
das Ganze farbiger und kräftiger gehalten. Abcr das
sind cben Fragen, dercn Beantwvrtung der Tod nnmög-
lich gcmacht hat. Abgcsehen aber von diescn klcineu
Mängeln, welche sich nur dem Augc des schärfer
Prüfenden bemerkbar machen, haben wir volle Ursache,
uns der lctzten Arbeit des Meisters zu srcuen. Die
Direktion hat neben dem Mandelschen Stiche zum
Vergleich nicht nur die große von der Photographischen
Gesellschaft angefertigte Originalphotographie nach
der obercn Hälfte des Bildes, sondern anch die be-
deutendsten Stichc nach demselben aufgestcllt, und da
ergiebt es sich denn, daß Mandel nicht nur alle früheren
Stecher bei weitem übertrosfen hat, sondern auch dem
Originale am nächsten gekommen ist. Neben dem
Mandelschen Stiche kann nur noch derjenige von
Fr. Müller, der übrigens immer für den besten ge-
golten hat, ernstlich in Betracht kommen. Jn einer
Hinsicht wird man ihm vielleicht sogar noch jetzt vor
dem Mandelschen den Vorzug geben, weil er denselbcn
an farbiger Wirkung und durch eine größere Kraft
des Tones übertrifft. Aber in allen übrigen Stückcn,
in der Zeichnung, in der Modellirung wie in der Be-
handlung des Stofflichen bleibt auch er hinter der
Arbeit Mandels zurück. Müller hat bekanntlich nicht
nach einer eigenen Zeichnung gestochen, sondern nach
der von Madame Seydelniann, und daraus mögen sich
einige Mißverständniffe nnd Unklarheiten erklären, die
freilich bei den übrigen Stcchern noch größer sind. So
hat z, B., um nur einen Punkt hervorzuheben, keiner
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