Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Todesfälle. — Kunstlitteratur und Kunsthandel. — Kunstunterricht und Kunstpflege.

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Dvin zu Regonsburg ciue Anzahl großcr gemaltcr
Fenster stiftete, befand sich Strähuber unter den Knnstlern,
welchen die Herstellung von Kartons hierzu übertragen
wurde. Nachmals zeichnete der Künstler auch solche
für dic Kathedrale in Glasgvlv. Außerdem machte er
sich durch zahlreiche geistvolle Zeichnungen, die er auf
Stein und Holz, mit der Feder und in Farben aus-
führte, bekannt. Dahin gehören namentlich die Zeich-
nungen zu Luthers „Geistlichen Liedern" (l840), in
denen sich reiche Ersindungsgabe und ein höchst ent-
wickelter Schönheitssinn belunden. Nicht minder aner-
kennenswert sind seine Jllustrationen zur Cottaischen
Bilderbibel. Eine langjährige Thätigkeit entwickelte
Strähuber als Gehilfe Kaulbachs, deffen „Hunnen-
schlacht" er fllr den Stich zeichnete und von dessen
Kartons er die meisten in Farben auszuführen hatte.
Wie viel Tüchtiges Strähuber auch schon geschaffen,
wie hoch er von Künstlern und Publikum geschätzt
ward, von seiten des Staates fauden seine Verdienste
gleichwohl erst spat Würdigung. Nachdem ihn die
Akademie 1853 zu ihrem Ehrenmitgliede gewählt, er-
hielt er erst neun Jahre später die bescheidene Stelle
ciues Korrektors in der Antikenklasse und 1865 Titel
und Rang eines königl. Professors und endlich 1879
das Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens vom
heil. Michael. Nervöses Kopfleiden veranlaßte ihn
im vorigen Herbst, um längeren Urlaub nachzusuchen,
der ihm denn auch gewährt wurde. Ein begeisterter
Anhänger der idealen Kunst und strenger Vorkämpfer
der historischen Richtung, stand Strähuber in der Aka-
demie ziemlich isotirt, wenn auch sein edler Charakter
und sein tüchtiges Können gebührende Anerkennung
fanden. Den Verlust seines Augenlichtes in seincn letzten
Lebenstagen ertrug er mit der Geduld und Hingebung
eines strcnggläubigen Kathvlikeu.

(sarl Albert Regnet.

Todesfälle.

tziustav Dorö ist am 22. Januar in Paris infolge einer
Lungenentzündung gestorben.

Georg Howaldt, Bildhauer und Erzgießer in Braun-
schweig, ist dort am 2ü. Januar im Alter von 81 Jahren
gestorben.

Aunstlitteratur und Aunsthandel.

^ Von dem Sammelwerk von Julius W. Braun „Schiller
nnd Oioethe im llrteil ihrer Zeitgenossen" ist unlängst im Ver-
lage von Friedrich Luckhardt in Berlin der erste Band der
zweiten Abteilung erschienen, welcher die Goethe und seine
Werke betresfenden Zmtungskritiken, Berichte und Notizen
aus den Jahren 1773—1786 bringt. Da voraussichtlich in
den folgenden Bänden, über deren Zahl noch nichts bestimmt
zu sein scheint, auch die zeitgenössischen Kritiken über die
Kunstschriften Goethe's folgen werden, so hat die interessante
Sammlung auch kunstlitterarische Bedeutung, weshalb wir
nn dieser Stelle darauf aufmerksam machen ivollen. Der
vorliegende Band enthält in dieser Richtung eine aus den
„Frankfurter gelehrten Anzeigen" vom 4. Dez. 1772 abge-
druckte Empfehlung der Goethe'schen Schrift „Von deutscher
Baukunst". Die Anzeige beginnt mit einem Wunsch, den
uian auch in unseren Tagen sich oft versucht fühlt auszu-
lprechen, daß uns nämlich östers gleiche Schristen von so
mäßiger Bogenzahl und so vollhaltigem Gewichte zu Gesichte
kämen, und sie schließt solgendermaßen: „Wir empfehlen
diese kleine Schrift sowohl in Ansehung ihrer Grundsätze,
als des wahren Genius, der durch die kleinsten Teile durch-
steht, allen Verehrern der Kunst! Und allen Theoristen mag
Ile dann ein kurzer Metallzylinder sein, um langen Drat aka-

demischer Weisheit dnraus zu ziehen, mit dein man das Gebiet
der deutschen Kunst, wie mit den Rieinen der Königin Dido
von Osten, Westen, Süden und Norden umspann". Jm
Übrigen enthält der von der Verlagshandlung trefflich aus-
gestattete Band die Kritiken über jene epochemachenLen
Jugendarbeitendes Dichters,und sind darunter besonders zahl-
reich die über „Werthers Leiden" vertrsten. Man erkennt
daraus aufs neue, in welche ungeheure Aufregung die da-
malige Welt durch das Erscheinen des merkwürdigen Buches
versetzt ward. Brauns Sammelwerk, dessen drei erste Bände
die Kritiken irber Schiller und seine Werke enthalten, nennt
sich eine Ergänzung zu allen Ausgaben der beiden Dichter,
und in der That ist damit eine längst empfundene Lücke in
der Goethe-Schiller-Litteratur ausgefüllt.

ll. 8. Die Nürnberger Stadtmauern haben bekanntlich
so viel malerische Reize, daß sie jeden Freund der Kunst in
hohem Grade anregen, und wohl selten verläßt ein frsmder
Künstler die Stadt, ohne einige Partien der Stadtmauern in
sein Skizzenbuch gezeichnet zu haben. Oft genug haben ein-
zelne Teile derselben die Motive für größere Gemälde abge-
geben. Schon Erhard und I. A. Klein, dann Max Bach
und besonders Lorenz Ritter haben eine Anzahl Partien
von derselben in Radirungen dargestellt. Doch sind das alles
nur sehr wertvolle Bruchstücke aus dem kostbaren und einzig
in seiner Art dastehenden Ganzen, dem bedeutsamsten Schmuck
der schönen Stadt Nürnberg. Den ersten Versuch einer bild-
lichen Darstellung eines Rundgangs um die Nürnberger
Stadtmauern machte R. Bergau, indem er 29 Blatt Photo-
graphien (in Quart) durch Joh. Hahn aufnehmen ließ. zu-
sammenstellte und mit einer historischen Einleitung versehen
im Jahre 1871 publizirte. Dieses Werk hat jedoch seines
hohen Preises ivegen nur wenig Verbreitung gefunden. Es
ist daher nur mit Freude zu begrüßen, daß der Maler
A. Mattenheimer, früher in Nürnberg, jetzt in München,
ein ähnliches Werk in klein Oktav publizirt hat. Derselbe
hat genau nach Hahnschen und andern Photographien 23 An-
sichten der üußeren Seite der Stadtmauer gezeichnet und diese
in Lichtdruck reproduziren lassen Wenn seine künstlerischen
Zuthaten zu den Photographien auch überaus geringfügig
sind — die Unterschriften sind nicht immer richtig — so ist
seine kleine, mit Geschick zusammengestellte und liebevoll aus-
geführte Saininlung doch immer geeignet, auch dem Fern-
stehenden eine Vorstellung von den hohen malerischen Schön-
heiten der Nürnberger Stadtmauern zu geben. Freilich bleibt
dabei noch immer der Wunsch rege, es möchte ein Künstler
von dem Range eines Lorenz Ritter stch entschließen einen
ähnlichen, möglichst vollständigen Cyklus in malerischen Radi-
rungen zu schaffen.

Aunstunterricht und Aunstpflege.

6. v. 8. Unter dem Titel: ,cheo!a priitigtte ck'nrvlieo-
loxio «1 ck'Iii8toire (ie 1'nrt," ist seit Ende v. I. am Louvre
eine Art Hochschule für archäologischen Unterricht im weitesten
Sinne des Wortes eröffnet wordsn, die ihre Entstehnng noch
der Jnitiative des gewesenen Kunstministers Ant. Proust
verdankt. Ursprünglich handelte es sich darum, nur für die
jungen Gelehrten, die sich dem Berufe von Konservatoren an
den Museen des Landes widmen wollen, einen Unterricht,
verbunden mit praktischen Demonstrationen angesichts der
Monumente zu schaffen, da dieser bekanntlich an den französi-
schen Universitäten wegen des durchgängigen Mangels an dem
betreffenden Unterrichtsmaterial (Abgüssen und anderen archäo-
logischenBehelfen) im Argen liegt. Jm weiteren Verlaufe wurde
dann das Programm in dem Sinne erweitert, daß die Kurse
an der neuerrichteten Schule nicht bloß für Schüler der
obigen Kategorie bemessen, sondern — wie ja in Frankreich
der höhere Unterricht überhaupt — öffentlich und allgemein
zugänglich sein sollen. Mit dieser Erweiterung wollte man
vorzugsweise den Studirenden der übrigen Spezialschulsn,
deren Studien wenigstens teilweise auch in dieses Fach
schlagen, Gelegenheit zur Benutzung der neuen Schule bieten,
also den Schülern der iüeois äss Obartss, an welcher die
Archivare, Bibliothekare und Paläographen des Landes ge-
bildet wsrden, dsnen der iüeols nc>rrnais, woraus sich bisher
vorzugsweise die Mitglieder der französischen archäologischen
Schulen zu Rom und Athen rekrutirten, denen der Loois äss
Iiautss stnckss an der Sorbonne, die bisher das eingehende,
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