Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Personalnachrichten. — Kunstvereine. — Sammlungsn und Ausstellungen.

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ihrer Abfolge beriihmter Könige ist eine Novität ersten
Ranges, und die Romantik der ganzen Anlage überbietet alles
aus griechischer Kunst in diessr Art bisher Bekannte und Da-
gewesene. 0. M (N. fr. Presse.)

8n. An dem sogen. Klösterlein bei Ane in Sachsen hatte
Cornelius Gurlitt im Sommer 1881 die Spuren einer Sgraf-
fito-Malerei entdeckt, welche, auf seine Veranlassung von dem
Putz befreit, sich als eine Madonna mit zwei Heiligen heraus-
stellte. Über diesen Fund berichtet der glückliche Finder im
Neuen Archiv für sächsische Geschichte (III, 4, S. 384) und
kommt dabei zu dem Schlusse, daß die Malerei an dem kleinen,
ziemlich unansehnlichen Kirchlein, welches ehedem zu emem
Cistercrenserkloster gehörte, gegen die Mitte des 13. Jahr-
hunderts entstanden sein müsse. Jnteressant ist der Umstand,
daß der Künstler sich selbst inschriftlich durch die Worte:
„Llartinus ws Isoit" bekundet hat.

personalnachrichten.

Die Königliche -lkadcmic der Künste in Berlin hat
durch die im Januar d. I. statutenmäßig vollzogenen Wahlen
zu ordentlichen Mitgliedern gewählt: 1) den Maler Professor
Carl Gussow zu Berlin; 2) den Bildhauer Professor
A. Calandrelli zu Berlin, 3) den Architekten H. Kayser
zu Berlin, 4) den Architektsn Professor Joh. Otzen zu Berlin,
ö) den Kupferstecher G. Eilers zu Berlin, V) den Maler
Fritz August Kaulbach zuMünchen, 7) den Maler Lenbach
zu München, 8) den Komponisten H. Vclkmann zu Pest.
Diese Wahlen haben die Bestätigung des Kultusministers
erhalten.

Der Maler Graf Harrach hat den roten Adlerordsn
dritter Klasse, die Maler A. v. Hepden und Professor
Döpler den roten Adlerorden vierter Klasse erhalten. Die-
selben hatten die künstlerischen Arrangements bei dem Kostüm-
feste zur silbernen Hochzeit des deutschen Kronprinzenpaares
getrosfen.

Aunstvereine.

z-. Tcr Bcricht des Kunstvcreins zu Halberstadt für
die Jahre 1879—1882 dankt im ersten Teile seinen Mit-
gliedern für das lebhafte Jnteresse, welches sie bisher der
Kunst entgegengebracht haben, und weist auf die nicht zu
unterschätzende Bedeutung der Kunstpflege auch in kleinen
Kreisen hin, da sich die kleinen zu grotzen aneinandcr schlössen
und den vereinten Kräften leicht gelinge, was dem Einzelnen
nnerreichbar sei. Der Halberstädter Kunstverein, so führt
der Bericht weiter aus, ist das älteste Glied der westlich
der Elbe verbundenen Kunstvereine, da er im Jahre
1828 gestiftet ist, während die Schwesterversine in Braun-
schweig seit 1832, in Dessau seit 1852, in Gotha seit 1846,
in Halle seit 1834, in Hannover ssit 1832, in Kassel seit
1835, in Magdeburg seit 1885 und in Nordhausen seit 1851
bestehen. Das Ausstellungsjahr 1880 war durch den Um-
stand ein weniger günstiges, als die Ausstellung gerade in
die Sommerferien fiel, also in eine für den Besuch sehr un-
günstige Zeit. Trotzdem war dieselbe reich beschickt und hatte
auch smanziell ein lwsseres Resultat, als erwartet worden war.
Es wurden nämlich von Privatpersonen fiir ca. 5000 Mk.
Kunstwerke anqekauft, vom Berlosungsvereine für 430 Mk.
und vom Vereine selber zur sogenannten großen Verlosung
für 3125 Mk. Unter den an Private verkauften Bildern be-
fanden sich Landschaften von Dreßler, Leu, Bernardi,
Duntze, Brandenburg, Normann und Pöppel, ein
Hundekopf von I. Deiker und ein Blumenstück von Helene
v. Fischer Für die große Verlosung, an der jedes Mitglied
mit seiner Aktiennummer sich beteiligt (zur kleinen Verlosung
werden besondere Lose ä 1,50 Mk. verkauft), waren aus-
gewählt: „Versöhnungsversuch" von H. Leinweber, „Hoch-
gebirge" von H. Steinicke, „Abend am Starnberger See"
von Chr. Mali, „Am Brunnen" von A. v. Rentzell,
„Mittagsruhe" von G. Süs, „Die Scesaplaneralpe" von F.
Feldhütter, „Motiv vom Königsee" von L. Sckell, „Nor-
wegischer Fjord" von Rob. Schultze, „Schlotz Elz" von
Frau Luise Jansen, „Das Rheinthal bei Leutesdorf" von
W. Klein, „Motiv vom Hardangerfjord" von A. Normann,
„Nach dem Kampfe" von M. Müller u. a. m. Für die
kleine Verlosung wurden zwei Genrebilder von Paul W.

Meyerheim und eine Landschaft von C. A. Sommer er-
worben. Jm folgenden Nichtausstellungsjahre verteilte der
Verein an seine Mitglieder zwei wertvolle Kupferstiche: „Sturm
im Walde" und „Badende Kinder im Walde" von Ebert,
gestochen von I. Richter in München. — Die Ausstellung
im Jahre 1882 fand wieder im Frühjahre (vom 20. Mai bis
20. Juni) statt und hatte in jeder Beziehung ein vortreff-
liches Resultat. Ilnter den ca. 600 Nummern befanden sich
zahlreiche Werke vvn hervorragender Bedeutung und viele
Namen besten Klanges. Namentlich war es das grotze
Historienbild von Prof. Lan gemantel: „Savonarola predigt
gegen den Luxus", welches das Jnteresse in hohem Grade
und dauernd fesselte. Jm Landschaftsfache war die jetzige
Königsberger Schule durch eigenartig sympathische Auffassung
der Natur (ivir nennen z. B. Prof. Max Schmidt, Jul.
Monien, Fr. Dägling, F. Herpel, H. Kohnert, I.
Wentscher u. a.) vertreten. Außer ihnen srfreuten durch
vorzügliche Leistungen ein Arntz, Aug. Becker, Berninger,
Böttcher, Eugen Bracht, A. Dretzler, Duntze, Ebel,
Flamm, Frische, Gude, Horst Hacker, Hummsl (mit
einem grotzartigen Blick auf den Soracte), Jansen, Keßlejr,
Knorr, Körner, Leu, Ludwig, Normann, Peters,
Pflugradt (miteiner köstlichenWaldschenke), Pohle,Portt-
mann, Preyer, v. Raven, Ruths, P. Weber, Chr.
Wilberg u. a. Auch Porträt, Genre und Stilllebsn er-
freuten sich mancher kostbaren Perls. gur grotzen Verlosung
wurden sür ca. 6000 Mk. Kunstwerke, zur kleinen für cn.
400 Mk. und von Privaten 21 Ölgemälde für ca. 20000 Mk.
angekauft, ein Resyltat, das gewiß ein erfreuliches Zeichen sür
den in Halberstadt herrschenden Kunstsinn ist. Mit Bezug auf
die Verteilung von Bereinsblättern wurde der Beschlutz gefatzt,
vorläufig iii größeren Zwischenräumen (nicht alle zwei Jahre)
ein um so wertvolleres Bild zu verteilen oder das für hie
Vereinsblätter sonst verwandte Geld zum Ankauf einiger Öl-
gemälde behuss Verlosung zu bestimmen. Der zweite Teil
des Berichtes gisbt zuerst eine kurze Darstellung der Kassen-
verwaltung sür dis Zeit vom 1. Januar 1880 bis dahin
1883, die in Einnahme und Ausgabe mit rund 13 674 Mk. ab-
schließt, und bringt sodann das Mitgliederverzeichnis, an dessen
Spitze der dcutsche Kaiser und andere Fürstlichkeiteii stehen.
Außer ihnen gehören dem Vereine 182 auswärtige, 225 hiesige
Mitglieder und 21 Kunstvereine an. Der jährliche Beitrag
beträgt 7,50 Mk. pro Aktie.

Lammlungen und Ausstellungen.

Wicn. Jm Üsterreichischen Museum sind neu
ausgestellt: zwei Gobelins aus dem Besitz Sr. kaiserlichen
Hoheit des Erzherzogs Albrecht. Die wohlerhaltenen farbcn-
prächtigen Tapisserien tragen die Bezeichnung Cozette's und
sind nach Frangois de Troy's Geschichte der Esther an-
gefertigt. — Dis Ausstellung von alt- und neuindischen
Gegenständen aus dem Besitze von Prof. Leitner aus
Lahore wurde vor kurzem im Museum eröffnet. Sie ent>
hält u. a. interessante Skulpturen aus graeco-buddhistischer
Zeit. Als Schlüssel zum Verständnis dieser Bildwerke führt
der von Leitner verfaßte Katalog eine Stelle aus Plutarchs
Rede //r-it -H-kryr l) an, welche besagt,

daß Alexander der Große auch Asien mit hellenischen Ele-
menten durchsäet hätte. Griechischer Einfluß ist denn auch
auf den Skulpturen dieser Gruppe unverkennbar. Allerdings
haben die Formen griechischer Kunst bei ihrer Kreuzung mit
den phantastischen Elementen der altindischen Kunst ihren
Adel größtenteils eingebützt und finden sich meist in unver-
standensr Weise angewendet. — Die Ausstellung altägypti-
schsr Stoffe aus dem Besitze von Th. Graf, welche Prof. I.
Karabacek sorgfältig geordnet und katalogisirt hat, wird in
allernächster Zeit eröffnet werden.

§. v. 6. Ein Gemälde Carpaccio's, oder vielmehr bloß
ein Teil eines solchen, ist jüngst um den Preis von 12000 Lire
für die llffizien angekauft worden, — eine um so wertvollere
Erwerbung, da die Sammlung bisher kein Werk des Meisters
besaß. Der Gegenstand ist, eben weil das vorliegends Bild
einen Ausschnitt aus einer grötzeren Komposition bildet, nur
vermutungsweise festzustellen. Am Fuße !eines Hügels, der
den Fond des Gemäldes einnimmt, ist eine Gruppe dar-
gestellt, als deren Hauptperson ein kirchlicher Würdentrüger
in reichen Brokatgewändern erscheint, dem ein Mann in
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