Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

Seite: 417
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Kunstlitteratur. — Nekrologe. — Todesfälle. — Kuusthistorisches. — Kunstvereiue.

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keit fvrtsetzen, dcrcn Erzeugnisse stets Verehrer und
Känfer fandcn.

Aus seinen zahlreichen Stndien und Zeichnungen,
besonders aus seinen in Bleistift und Kreide ausge-
sührten Bildnissen ergiebt sich, daß er mit der Natnr
auf das innigste vertraut war nnd daß ihm keineswegs
die technische Fähigkeit abging, um, wenn er es gewollt
hätte, mit den modernen Realisten wetteifern zu können.
Aber er war rnehr Dichter als Maler, einer von der
alten Schule, welcher die Form nur insoweit gelten
ließ, als sie ihm zum Ausdruck eines Gedankens diente-
Man darf nicht jedes seiner Werke unter dem kalten
Lichte der Gegenwart betrachten, sondern in historischem
Zusammenhange mit der Zcit seiner Enstehnng, wie
nberhaupt Hnbners Bedeutung eine nberwiegend histo-
rische ist. Die Ausstellung seiner Werke liefert demnach
wirklich, wie der Katalog sagt, „zu einer künstigeu
geschichtlichen Wiirdigung der deutschen Kunst unscres
Jahrhunderts" einen dankenslverten Beitrag.

Die Ansstellung hat iibrigens nicht in der National-
galerie, der üblichen Stätte für derartige retrospektivc
AuSstclluttgen, stattfinden könncn, lveil das oberstc
Stockwerk gegenivärtig von einer anderen Ausstellung
eingenonnne» wird nnd nach Beendignng derselben zur
Aufnahme der in den Staatsbesitz übergcgangencn gräf-
lich Raczynski'schen Gemäldegalerie hcrgcrichtet werden
mnß. li.

Aunstlitteratur.

Strele, Karl, Handbuch der Porzellan- und Glas-
malerei. Vierts, gänzlich neubearbeitete Auflage, hsraus-
gegeben von EmilTscheusch ner. Weimar,Voigt. 1883.

Mit dem zunehmenden Jnteresse an keramischen Dingen
hält die Kenntnis der Technik durchaus nicht gleichen Schritt.
Viele Liebhaber von Porzellan z. B. haben keine Ahnung,
welche Reihe oft sehr schwieriger technischer Prozeduren dazu
gehört, eine bemalte Porzellankanne herzustellen. Das Buch
von Strele dürfte sich — obwohl es in erster Linie für Fach-
leute, d. h. Techniker, bestimmt ist — in seiner neuen Be-
arbeitung als durchaus geeignet erweisen, über die technischen
Vorgänge auf keramischen Gebiet unter dsn Liebhabern die
nötigen Kenntnisse zu vsrbreiten. Durch Einfiigen kurzer histo-
rischer Abschnitte sowie ästhetischer Betrachtungen an den ge-
signeten Stellen hat der Herausgebsr versucht, die für den
Laien oft ermüdenden technischen Auseinandersetzungen be-
guem genießbar zu machen. Auch der ausübende Liebhaber
wird reichlich Belehrung finden, und es ist gerade den von dieser
Seite etwa zu stellenden Anforderungen auf das ausgiebigste
Rechnung getragen, u. a. durch Hinzufügen einer farbigen
Tafel. So mag das Buch an dieser Stelle den Freunden der
Keramik warm empfohlen sein! ?.

Von Anton Springers Raffacl und Michelangelo befindet
sich eine zweite Auflage unter der Presse, welche in zwei
Oktavbänden im Seemannschen Verlage erscheinen wird.

Reinhart iibcr Chodowiecki. Die wissenschastliche Bei-
lage der Leipziger Zeitung vom 8. März a. e. enthält einen
Aufsatz von W. Roßmann, welcher sich auf die Reinhart-
Biographie von O. Baisch (Leipzig, Seemann) bezieht. Die
Mitteilungen aus dem Briefwechsel Reinharts erhalten dabei
eine interessante Ergänzung durch den Abdruck eines Briefes,
welchen der Maler an den Verlagsbuchhändler Göschen in
Leipzig am 6. Mai 1787 richtete. Derselbe lautet: „Wegen
der Herausgabe von Göthens Schriften fiel mir unterwegens
ein Gedanke ein, den Sie überlegen sollen. Schikken Sie (Loclo-

visüz- denn elenden Quark zurllck er mus nicht glauben daß
die Leute so dum sind diese Lxorsmsnts für gute waar zu
nehmen und suchen Sie, daß XuAeUea Lauknuinn ihnen ein
paar eigenhändig radirte Blättgen zu Werthers L. liefert.
Sie hat schon mehr radirt. Jst eine billige und gefälligs
Frau, und sie haben ietzt gute Gelegenheit es zu erlangen da
Göthe selbst in Jtalien ist. Sie geben dadurch wegen der
Neuheit der Sache ihrem Werke einen grossn Reiz und Ruf
und sichern es desto mehr sür Nachdruck. XnKsUsa ist sehr
bekannt und geschäzt, und ihr Styl ist der eigentliche für
solche Szenen Folgen Sie meinem Rat es wird Sie gewis
nicht reuen. Doch überlegen Sie es erst, es kommt auf ei»
paar Monathe snichts an. Schreiben Sie selbst an Sie —
Sie ist eine teutsche und wird gewis mit Freude dem schönen
grohen teutschen Genius ein zierliches Kleid anziehn helfen."

Nekrologe.

ö. Franz Hengsbach, Landschaftsmaler in Düsseldorf,
ist daselbst nm 25. Februar gestorbeu. Er war 1814 in Werl
in Westfalen geboren, bezog 1833 die Düsseldorfer Akademie,
wo er sich unter I. W. Schirmers Leitung ausbildete, und
verließ sie 1840, um sich ein eigenes Atelier einzurichten. Mit
Vorliebe wählte er zu ssinen Bildern Motive aus den Hoch-
gebirgsgegendsn Tirols, dss Salzkammerguts, Oberbayerns
und der Schweiz, wo er namentlich die blühenden Thüler
und Seegestade aufsuchte. Seine Auffassung war sine veduten-
mttßige, seins Behandlung nicht immer von gleichem Wert,
aber ansprechend, und seine Arbeiten haben oft Beifall ge-
funden. Hervorzuheben sind: „Der Staufen bei Salzburg"
(1842) —"„Mühle in Tirol" (1846) — „Wasserfall in Ober-
bayern" (1850) — „Limburg an der Lenne bei Monden-
schein" „Abeud am Lago Maggiore" (1880) — „Lausanne
und der Genfer See" u. a. Hengsbach war bis zuletzt thätig
und stand in allseitiger Achtung.

Todesfälle.

.1. L. Dcr päpstlichc Architckt Fontana, welcher von
Leo XIII. vor einigen Jahren nach der Entlassung des Archi-
tekten Martinucci zum Architekten der apostolischen Palüste
ernannt worden war, ist kürzlich in Rom gestorben.

Aunsthistorisches.

4. II. Dic Nusgrabungcn auf dcm Foruni Ronianum in
Rom haben im März an der Nordseite der Basilica Giulia
zu der Entdeckung des Fundaments eines Triumphbogens ge-
fiihrt, der von den Archäologen für jenen des Kaisers Tiberius
angesehen wird. Derselbe hatts sich, nach dem Überresten zu
urteilen, nicht auf der Via Sacra, sondcrn auf dem Vico Ju-
gario befunden. Auch andere Fundamente ireten zu Tage in
der Nähe der obenerwähnten, welche auf die Restaurirungen
hinzuweisen scheinen, welche der.Präfekt der Stadt Rom Betius
Probianus im vierten Jahrhundert an der Basilica Giulia
vornehmen ließ.

Aunstvereine.

Iltz4. Dcr Miinchcner Kunstvcrein hat im 59. Jahre seines
Bestandes einen Zuwachs seiner Mitglieder von 5177 auf
5326 zu verzeichnen; im Lause des Geschäftsjahres 1882 waren
in ssinen Räumen nicht weniger als 4123 Kunstwerke aus-
gestellt. Zur Verlosung wurden 137 Kunstwerke um dis Ge-
samtsumme von 69735 Mark und für die Vereinsgalerie ein
Bild von F. Kirchbach „Hsrzog Christof der Kämpfer an der
Leiche des letzten Abensbergers" um 3500 Dlark angekauft.
Als Vereinsgeschenk kam ein Kupferstich von Barfus nach
Defreggers Bild „Die Brüder" zur Verteilung, und für
das Jahr 1883 ist ein Kupferstich von Tob. Bauer in Nürn-
berg nach Franz Adams beriihmten „Reiterangriff bei oloign
(Sedan)" gewählt. Die Finanzlage des Vereins ist eine so
günstige, daß eine baldige Entlastung des Vereinslokals von
Hypothek-Schulden zu erwarten steht. — Die Ausstellungen
im Kunstvereinslokale seit Anfang Februar waren zwar stark
beschickt, boten aber mit wenigen Ausnahmen nur geringes
Jnteresse. Vor allem muß ein Bild von Eduard Grützner
„Jn der Klosterschäfflerei" genannt werden, das sich ebenso
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