Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Todesfälle, — Konkurrenzen. — Sammlungen und Ausstellungen.

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zu Langres, in den Benediktinerorden getreten war.
Der jetzige Bau jedoch — der dritte in der Reihe,
indem ein zweiter gegen Ende des 10. Jahrhunderts
aufgeführter beglaubigt ist —. stammt aus dem Be-
ginn des 12. Jahrhunderts, in dem sich nach einem ver-
heerendem Brande, dem Kloster und Kirche zum Opfer
gefallen waren, beide in den Jahren 1100—1124 aufs
neue aus der Asche erhoben.

Der Verfasser sieht in dem Bau „unter den deut-
schen Kirchen romanischen Stils eines der wenigen,
vielleicht das einzige Beispiel des Einslusses burgundi-
scher Bauart und der Grundsätze der Cluniazenser
Kongregation", und ist geneigt anzunehmen, derselbe
sei direkt durch einen burgundischen Meister aus der
genannten Kongregation in ihrem Geiste aufgeführt
worden. Jndem er als geschichtlichen Beleg dafllr die
seit den Zeiten des Gründers Hariolf nicht wieder
unterbrochene Verbindnng der Ellwanger Zweigstiftung
mit dem Mutterkloster in Burgund beibringt, weiß er
seine Ansicht nach formaler Seite mit dem Nachweis
mancher Eigentümlichkeiten des Baues zu stützen, die
auf burgundischen Einfluß hinweisen. So findet sich
die der Westfassade vorgelegte zweigeschossige Vorhalle,
deren Obergeschoß sich ins Jnnere der Kirche öffnet,
an burgundischen Bauten wieder (St. Philibert zu
Tournus, Kathedrale zu Langres, nnd zu einem drei-
schiffigen Vorbau entwickelt auch an der ehemaligen
Abteikirche von Cluny), wozu wir jedoch bemerken, daß >
ein Gleiches anch in Deutschland, insbesondere an west-
sälischen Bauten vorkommt; so deuten die nicht flach
sondern kuppelförmig eingewölbten Kreuzgewölbe, die
vvn vvrnherein auf eine konseguent durchzuführende
Einwölbung des Jnneren angelegten gegliederten Pfeiler,
ja selbst manche Motive des vrnamentalen Dctails aus
die Schnle von Burgund; und überdies weicht unser
Bau in seinem ausgebildeten Grundriß und der reichen
Gruppirung feiner Teile (drei Chor-, zwei Querschiff-
apsiden, zwei Ost- und ein Westturm über der Vor-
halle) so weit von der überaus einfachen Anlage sämt-
licher schwäbisch-romanischer Kirchen ab, — mit manchen
von ihnen hat er bloß die zierliche Dekoration des
Außeren mit Rundfriesen, Lisenen und reichen Gesimsen
gemein, —- daß fremde Einwirkungen bei seiner Ent-
stchung wohl maßgebend gewesen sein inüssen. Die
zahlreichen Jllustrationsbeilagen unserer Publikation ge-
statten dem Leser, den Ausführungen des Verfassers
überall zu folgen, wie denn dnrch dieselben Anlage und
Ausbildung des Baues nach jeder Richtung klar nnd
eingehend dargestellt erscheinen. Eine solche giebt den
Entwurf des Malers Kolb für die stilgemäße Aus-
malung des Jnnern in gelungenem Farbendruck wieder
und dient so zugleich der Absicht des Verfassers, „das
Jnteresse für die Restauration der altehrwürdigen Kirche

wachzurufen oder lebendiger zu machen," über die er
sich im letzten Abschnitt des Werkes eingehend ausläßt.

Denn bekanntlich hatte das Jnnere des Banes
das Unglück, im vorigen Jahrhundert eine gründliche
„Verschönerung" im Sinne des Zopfstils über sich er-
gehen lassen zu müssen. Die Quaderpfeiler samt
Sockeln und Kapitälen wurden mit Stuck überklebt,
die Gewölbe mitKartouchenwerk überkleistert, die Wand-
flttchen glattgetüncht. Alles dies soll nun wieder gut-
gemacht werden, wozu jener Farbendruck eben einen
vorläufigen Entwurf giebt, der sich wohl unter Zu-
grundelegung vvn Überrestcn der ursprünglichen Be-
malung, die man wahrscheinlich unter der jetzigen
Übertünchung auffinden dürfte, für die Aussührung
seinerzeit wird ergänzen lassen. — Das typographisch
und illustrativ durchaus würdig ausgestattete Werk ist
mit Unterstützung des Rottenbnrger Diözesanvereins
sür kirchliche Kunst, der unter dem Präsidium des Ver-
fassers jüngst wiedererstand, herausgegeben und zugleich
als erstjährige Vereinsgabe dessen Mitgliedern ge-
widmet. C. v. stabriczy.

Todesfälle.

<2 Der Schlachtenmaler und Schriftsteller Bioritz
Blanckarts, unser langjähriger Mitarbeiter, ist am 12. April
in Stuttgart, wenige Tage vor der Vollendung seines
44. Lebensjahres, gestorben.

Aonkurrenzen.

.1. L. Die römische Akademie „ilei Virtuosi :>I l'au-
tlroorr^^ hat ihr jährliches Programm der sogenannten „Gre-
gorianischen Preisbewerbung" für katholische Maler aller
Nationen veröffentlicht. Das Thema ist dieses Mal „Die
Versuchung Christi in der Wüste". Das Bild, rvelches diesen
Gegenstand behandeln soll, muß auf Leinwand in Olfarbe
ausgeführt sein und die Dimensionen von 0,98 m Breite und
0,70 irr Höhe haben. Der Preis besteht iu einer goldenen
Medaille im Werte von 1000 Franken. Die Bewerbung wird
am 30. April 1884 um 2 Uhr nachmittags geschlossen. Die
Ablieferung findet nur in den Räumen der genannten Kunst-
gesellschaft statt, welche ihre Residenz im oberen Seitenstock-
werk des Pantheon hat. Auswärtige Bewerber müssen daher
dafür sorgen, datz ihre Bilder zoll- und portofrei im Pantheon
abgegeben werden.

Sammlungen und Ausstellungen.

ÜZ't. Dtünchencr Kunstvcrein. Nicht wenige Künstler
stellen sich die dankbare Aufgabe, Scenen aus dem Leben
der Landleute zu behandeln, aber nur einzelnen gelingt es,
davon mehr als die Autzenseite zu geben. Zu diesen zählt
Adolf Eberle, der vor vier Jahren mit seinem „Ersten Reh-
bock" in die Reihe jener deutschen Genremaler eintrat, deren
Namen mit den besten genannt zu werden pflegen. Diesmal
führt er uns in eine Bauernstube, in der ländliche Dilettanten
unter der Direktion des Schullehrers musiziren. Es ist ein
Terzett für Violine, Zither und Guitarre, das die guten Leute
einüben. Ein etwa dreijähriges Mädchen aber bildet den
Mittelpunkt der Komposition, indem es, auf dem Tische sitzend,
auf einer primitiv konstruirten Geige so ernsthaft mitspielt,
als ob das Gelingen des Ganzen von seiner Thätigkeit ab-
hinge. Ein Bube und ein paar hübsche Dirnen bilden das
Auditorium. Hennings zsigte uns einen „Kanalin Amster-
dam" bei Mond- und Gasbeleuchtung, ein Werk von echt
poetischer Wirkung. Durch wohlberechnete Anordnung und
klares Kolorit, wie durch sauberste Zeichnung erfreute eine
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