Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

Page: 683
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1883/0344
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
683

Todesfälle. — Kunsthistorisches — Preisverteilungen. — Personalnachrichtsn. — Sammlungen rc.

684

Todesfälle.

Der Bildhaucr Icns Adolf Jerichau, Gatte der vor
zwei Jahren verstorbenen Malsrin Elisabeth Jerichau-Bau-
mann, ist am 25. Juli in Kopenhagen gestorben. Er war
im Jahre 1816 auf der Jnsel Fünsn geboren worden und
erhielt ssine Ausbildung zuerst auf der Akademie in Kopen-
hagen, seit 1839 in Rom, wo er den größten Teil seines
Lebens zugebracht hat. Jn seinen Schöpfungen schloß er sich
der Thorwaldsenschen Richtung an. Von denselben ist die
Gruppe eines von einem Panther angefallenen Jägers am
populärsten geworden?)

Felix Ä. Joerdens, Holzschneider und Zeichenlshrer in
Dresden, dem diese Zeitschrist manchen tresflich ausgeführten
Holzschnitt zu danken hat, ist am 1. August einem langwierigen
Leiden erlegen.

Aunsthistorisches.

Die franzöflsche archäologische Schule in Athen hat
auf dem Jsthmus von Korinth an der Stells, wo einst
der Tempel des Poseidon stand, Nachforschungen unter-
nommen. Bis jetzt ist man auf ein Thor aus römischer Zeit
und auf griechische und lateinische Jnschriften aus der Epoche
Hadrians gestoßen.

j)reisverteilungen.

Aus Anlaß dcr Kunstausstellung in Amsterdam, welche
mit der dortigen Kolonial- und Exportausstellung verbunden
ist, haben 41 französische Maler, darunter Duran, Luminais,
Landelle, Protais, Worms, Ph. Rousseau und Bastien-Lepage,
und 2 Malerinnen Medaillen und Ehrendiplome erhalten.
Die wenigen deutschen Künstler, welche sich an der Aus-
stellung beteiligt, hatten sich für üors eonoours erklärt.

j)ersonalnachrichten.

Der Kupserstccher Hans Meycr ist an Stelle des ver-
storbensn Prof. Mandel, dessen Schüler er gewesen, zum
Leiter des Meisterateliers für Kupferstecherkunst an der Ber-
liner Kunstakademie ernannt worden.

Von dcr Kunstschulc in Stuttgart. Außer Direktor
Liezenmayer und Prof. Häberlin hat auch .Oberbaurat
v. Leins die Kunstschule, deren Lehrerkonvent er 25 Jahre
als bautechnisches Mitglied zur Seite stand, verlassen. Jn
Anerksnnung seiner langjährigen verdienstlichen Thütigkeit
wurde demselben, wie der Schwäb. Merkur mitteilt, im
Namen des ganzen Lehrerkonvents von einer Deputation des-
selbsn eine geschmackvolle, von Prof. Grünenwald künstlerisch
geschmückte Dankadresse überreicht.

Lammlungen und Ausstellungen.

« 4lus Graz wird uns berichtet: Jn Gegenwart des
Kaisers wurde am 8. Juli d. I. das Museum des Kunst-
industrievereins eröffnet und für den allgemeinen Besuch
zugänglich gemacht. Während die Wirksamkeit des Vereines
bisher mehr oder minder nach seinen einzelnen, allerdings
sehr zahlreichen Unternehmungen und Ausführungsn geschätzt
werden mußte, tritt durch diese Jnstitutiou gewisserniaßen
ein ununterbrochenes Funktioniren ein, dessen Wert und
Wichtigkeit in den großen Jndustriestädten längst erkannt und
gewürdigt ist. Das Museum gliedert sich in drei Abteilungen:
in die ständigen Sammlungen, welche kunstgewerbliche Muster-
gegenstände im Original oder in tadelloser Nachbildung ent-
halten und wozu auch Abbildungen und Modelle solcher
Objekte und die im Lesezimmer benützbare kunstgewerbliche
Fachbibliothek gehören. Schon jetzt befinden sich in diesen
Sammlungen nach allen Richtungen hin wirkliche Musterwerke
aus alter wie aus neuer Zeit, und zwar ist hierbei das Edel-
metall, Eisen, Bronze, Glas und Holz, die Keramik, die
textile Kunst u. a. vsrtreten. Da ein privater Verein un-
möglich die Mittel aufbieten kann, um die Sammlungen
besonders mit interessanten, kostspieligen Originalien reich

') Vcrgl. Zcitschr. f. bild. K. VI, S. S22.

auszustatten, so sorgt das Museum dafür, daß besonders
schöne kunstgewerbliche Erzeugnisse, die sich in öffentlichen
Sammlungen oderim Besitze von Korporationen oder Privaten
befinden, zu zeitweiligen Ausstellungen überlassen werden.
So finden wir neben dem Vereinseigentume Kunstobjekte,
welche das k. k. österreichische Museum in Wien und hiesige
Kunstfreunde, Baron Seßler-Herzinger, I. P. Reininghaus,
Bürgermeister lir. Kienzl, Baron Gustav Conrad, B. v. S.,
Prof. Moser, Prof. Ferk, Landes-Oberbuchhalter Joachim
Sailler u. a. zeitweilig zur Verfügung gestellt haben. Hieran
schließt sich eine permanente Ausstellung von modernen Er-
zeugnissen der heimischen Kunstindustrie, durch welche unsere
Kunsthandwerker ihre neuen Produkte gswissermaßen einem
Schaugerichte unterziehen lassen können, und wodurch sür
die Konsumenten ein immerwährsnder Markt tadelloser Ware
eröffnet ist. Besonders vertreten ist unsere, auch auswärts
schon hochgeachtete Ofenindustrie (durch vier Aussteller), die
Kunstschlosserei, Holzindustrie, geätzte Zinngeräte, Bronzen,
die keramische Malerei u. a. m. Die Kollektion moderner
Gläser wurde durch namhafte Geschenke von der Fabrik
„Reich" und von Lobmeyr bedsutend vermehrt. Wie schon
bemerkt, wurde das Museum vom Kaiser eröffnet, und es
hatte nach der Begrüßung von Seits des Vereinspräsidenten,
Herrn Heinrich Graf Attems, der Museumsvorstand, Herr
Prof. C. Lacher, die Ehre, den Monarchen durch die festlich
dekorirten Räume zu führen. Der Kaiser erkundigte sich ein-
gehend nach den Verhältnisfen der hiesigen Kunstindustrie und
sprach fich höchst anerkennend über das Ganze ans. Da das
Museum von nun an täglich zum Besuche für jedermann ge-
öffnet sein wird, so ist Graz um eine Sehenswürdigkeit reicher,
welche, fleißig benützt, still aber sicher in weiten Kreisen ihren
segsnsreichen Einfluß ausüben wird.

Vermischte Nachrichten.

Makarts „Jagdzug der Diana" ist von dem Ameri-
kaner James A. Banker für seine Gemäldsgalsrie in Jrvington
am Hudson um 35 000 Doll. (ca. 140 000 Mk.) angekauft
worden.

» Trauerfeier für Ferstel. Das Profefforenkollegium
der k. k. technischen Hochschule in Wien, wslchem der ver-
ewigte Meister als Lehrsr der Baukunst bis zu seinem Ab-
leben angehörte, veranstaltete am 27. Juli zu Ehren des
Dahingeschiedenen im grotzen Festsaale der Anstalt eine solenne
Trausrfeier. Der Saal war aus diesem Anlaß mit Grün
und Teppichen geschmackvoll dekorirt. An der Stirnseite sah
man Ferstels Büste, modellirt von Tilgner, und zu ihren
Häupten eins Viktoria von Prof. O. König, dem Verewigten
den Kranz reichend. Zu den Seiten große Aquarelle und
Stiche der Votivkirche und der Universität, auf reich ge-
schmückten Staffeleien, von einer zweiten, von Kundmann
modellirten Viktoria übsrragt. Die Feier begann mit einem
von dem Hofopern-Chordirektor K.Pfeffer komponirten Trauer-
'chor (TeA von Longfellow), welcher von Mitgliedsrn des
Hofopernchods vorgetragen wurde. Dann hielt Prof. vr.
Carl von Lützow die Gedächtnisrede, in welchsr er ein Bild
von Ferstels Wesen als Künstler, Mensch und Lehrer entwarf,
seinen Entwickelungsgang und seine Stellung in der modernen
Baugeschichte kennzeichnete. Nachdem der Redner geendet,
stimmte der Chor Beethovens Hymnus: „Die Ehre Gottes
in der Natur" an. Damit schlotz die würdevolle Feier, zu
welcher sich die Profefforenkollegien dsr Wiener Hochschulen,
die Vertreter des Unterrichtsministeriums, der Künstlerschaft,
aller Stände und Bsrufsklassen Wiens und eine große Zahl
von Studirenden und Schülsrn des Verswigten versammelt
hatten.

Der Plan, in Athen eine englische Kunstakademic
zu errichten, scheint jetzt zur Verwirklichung kommen zu
wollen. Die griechische Regierung hat, einer Meldung des
britischen Gesandten in Athen zufolge, ihre Bsreitwilligkeit
erklärt, den zur Aufführung des Akademisgebäudes erforder-
lichen Baugrund unentgeltlich überlassen zu wollen, und
^ Freunde des Unternehmens haben bereits mehr als 6000 Pfd.

> Sterl. zur Durchführung des Projekts gezeichnet.

Das Modell zu einer lebensgroßen Statue Schlüters,
^ welche in der Vorhalle des alten Museums in Berlin Auf-
stellung finden soll, ist von Professor A. Wredow vollendet
worden. Der Kopf Schlüters ist einem Relief nachgebildet,
loading ...