Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 18.1883

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Nouigkeiten des Buch- und Kunsthandels.

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voir das Quellwasser in die zur Aufnahme des Regenwassers
dienenden Rinnen eintreten, in welche je nach Bedürfnis Schöpf-
bassins eingeschaltet oder neben denen solche seitlich angebracht
wurden. Für den tiefliegenden Westen legte man noch eine
bssonders, mit großen Schöpfbassins versehene Zuleitung aus
Thonröhren an. Diese beiden Hauptleitungen speisten Olympia
etwa bis zur macedonischen Zeit mit Wasser. Als später
eine Höherlegung des Hochreservoirs erforderlich wurde, trieb
man einen Stollen in den Kronoshügel, der bei seiner be-
deutenden Höhenlage, 6 in über dem Plateau der Altis, so-
gar die Speisung der Schatzhäuserterrasse mit Wasser ermög-
lichte, und legte das nördlichste! der drei Hochressrvoire am
Heraion an. Äuch diese Leitungen genügten in römischer Zeit
nicht mehr, und es half daher Herodes Atticus einem wirk-
lichen Übelstande ab, als er um das Jahr 150 n. Chr.
Olympia mit einer großartigen Wasserlcitung aus den quellen-
reichen Nebenthälern des Alpheios beschenkte. Als monumen-
talen Abschluß errichtete er neben dem Heraion die Exedra
und oberhalb derselben die eigentlichen Hochreservoire, von
welchen aus das Wasser mit Leichtigkeit nach allen Punkten
hin geleitet werden konnte. — Herr Mommsen machte aus
einem Briefe des Herrn Zangemeister in Heidelberg die Mit-
teilung über das bei Ober - Scheidenthal unweit
Neckarsburken kürzlich ausgsdeckte Limes-Kastell.
Aus diesem Schreiben ergiebt sich abermals, wie dringend
notwendig es ist, die Äufnahms der Reste der römischen
Grsnzbesestigung am rechten Rheinufer einheitlich zu organi-
siren und nicht länger zu verschieben, Diese Ausgrabung,
auf badischem Boden unternommen, bedarf der Fortsetzung
auf württembergischem, hängt also in ihrer Fortführung zu-
nächst vom Zufall ab und ist, trotz ihres günstigen Ergeb-
nisses, insofern zu bedauern, als die Aufdeckung erstens un-
vollständig geblieben ist und zweitens ohns Zweifel zunächst
dazu führen wird, daß dis bloßgelegten Fundamente auf den
anliegenden bäuerlichenGrundstücken wirtschaftlich angemessene
Verwendung finden, — Herr Trendelenburg hatte die bis-
her erschienenen 30 Tafeln der von Adolf Furtwängler heraus-
gegebenen Sammlung Sabouroff im Saale ausgestellt
und unterzog im Anschluß an die drei in den Tafeln bisher
vertretenen Denkmälergruppen der Terrakotten, Vasen und
Marmorskulpturen einige allgemeinere Fragen, welche diese
inhaltreiche Publikation von nsuem in Anregung gebracht hat,
einer eingehenden Erörterung. Bei den Terrakotten glaubte
er seinem Bedenken gegen die Neigung, diese amnutigen
Erzeugnisse der griechischsn Kleinkunst vorwiegend mytho-
logisch zu erklären, Ausdruck geben zu sollen. Daß mytho-
logischs Gegenstände auch in diesen Denkmälern häufig dar-
gestellt werden, sei nicht in Abrede zu stellen, doch scheinen
sie sich auf einen bestimmten, nicht eben großen Kreis von
Gestalten, hauptsächlich aus dem Gefolge des Dionysos und
der Aphrodite, zu beschränken. Die große Mehrzahl der Dar-
stellungen aber scheint dem täglichen Leben, insbesondere dem
Frauenleben, entnommen und eine mythologische Erklärung
nur in den Fällen angezeigt zu sein, wo Situationen oder
Attribute den mythologischen Charakter unzweifelhaft machen.
Jn Zweifelsfällsn dllrfte die Annahme eines Vorganges aus
dem täglichen Leben den Absichten des Künstlsrs eher ent-
sprechen, als die eines mythologischen. Bei den Vasen wies
der Vortragende im Gegensatz gegen eine Behauptung des
Herausgebers auf das Bestreben der Maler hin, nicht sowohl
das Ganze der Komposition nach strengem Parallelismus an-
zuordnen, als vielmehr für jede aus einmal zu überblickende
Gefäßseite sine möglichst harmonische Gruppe zu erzielen.
Das Verfahren der Vassnmaler sei nicht wesentlich verschieden
von dem der Wandmaler oder der Bildhauer, die geschlossene
Kompositionen, z, B. für Giebelfelder, schaffen. Je weiter nach
den Enden der Komposition zu, desto loser werde der Paralle-
lismus der einzelnen Glieder, je mehr nach der Mitte zu, desto
strenger sei er. Die Übersehbarkeit der Gruppsn, nicht das
mechanische Gleichgewicht des Ganzen, gebe für die Komposi-
tion den Ausschlag. Auf die Marmoriverke übergehend be-
sprach der Vortragende ausführlich die — schon von Conze
geltend gemachte — Auffassung des Herausgebers, als hätten
die Bildhauer durch oberflächliche Ausarbeitung gewisser
Reliefpartien eine ähnliche Wirkung erzielen wollen, wie der
Maler durch Anwendung der Luftperspektive, indem er solche
Nngleichheiten der Ausführung nicht sowohl aus diesem
Streben nach malsrischen Esfekten, als vielmehr aus äußeren

Gründen, wie Anwendung von Farbe, Vernachlässigung von
Beiwerk, thatsächliche Unfertigkeit des Reliefs u. ä. zu er-
klären versuchte. Für Reliefs des 5. und 6, Jahrhunderts
sei eine solche Annahme um so mißlicher, als es noch gar
nicht ausgemacht sei, ob selbst die Malerei damals schon die
Luftperspektive bei figürlichen Darstellungen, und nicht blotz
bei landschaftlichen Hintergründen, zur Anwendung gebracht
habe, Der Vortragende schloß seine Ausführungen mit dem
Wunschs, daß der Fortgang dieser reichen und anregenden
Publikation dem glücklichen Beginn entsprechen möge. Des
Jnteresses aller Altertuinsfreunde und insbesondere der
archäologischen Gesellschaft, die den Gründer wie den Heraus-
geber der Sammlung zu ihren Mitgliedern zählt, könne sie
sicher ssin.

Dd. v. Meister Arnold. Dsr Baumeister H. Altendorff
in Leipzig stellte sich vor einiger Zöit (z. vergl. Nr. 29 v.
1883 dsr wiffenschaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung) dem
Publikum als mit der projektirten Erneusrung der Stadt-
kirche zu Mittweida betraut vor und bemerkte u. a., daß
es interessant sei, zu erfahren, ob dsr Erbauer jenes Gottes-
hauses, Ärnold, auch noch andere Werke gsschasfen habe,
Ein Besuch der Albrechtsburg bei Meißen und das Studium
der daselbst zum Verkaufe ausliegenden reichen Litteratur
übsr dasSchloß und seinenBaumeister dürfte HerrnAltendorff,
welcher übrigens den vor gerade 400 Jahren entschlafenen
Meister Arnold aus Westfalen schon unter den Größen des
14. Jahrhunderts sucht, die gewünschte Belehrung darbieten.

11, Der diesjährigc Pariscr Salon hat in den 46 Tagen
seines Bestshens 514083 Besucher, und zwar 285000 Frei-
zügler und 229083 Zahlende gesehen, welche 297 909 Frs,
Einnahme gebracht haben. Hierzu kommen an Einnahmen
31000 Frs. für verkaufte Kataloge, 14 000 Frs. vom Buffet,
und 8000 Frs, für Verschiedenes, so daß die Gesamtsumme
der Einnahmen stch auf 350909 Frs. beläuft. Disser Summe
steht eine Ausgabe in Höhe von 185 000 Frs, gegenüber, so
daß ein Reingewinn von etwa 165 000 zu verzeichnen ist.
Die diesjährigen Einnahmen sind um 36 000 Frs. hinter den
vorjährigen zurückgeblieben.

Zur Biographic dcs römischcn Bildhaucrs Francesco
Mangiotti. Ünter meinen aus den Haager Archiven ge-
schöpften Notizen über Bildhauer finde ich einen Kontrakt
vom 12. Dezember 1644, wobei Francisco Mangiotti, italie-
nischer „Nultis Lculptsui", wohnend im Haag, den jungen
PaulMicheletannimmt aufdreiJahre „poui lui uppisnärs
1'urt cts Lsulxtuis", Der Bildhauer unterschreibt sich:
Francesco Mangiotti. Vergeblich suchte ich ihn in den
Büchern der Haager St. Lucas-Gilde. A. Bredius.

Neuigkeiten des Buch- uud Aunsthaudels.

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nöl testo. 2 vot, Pot. äi XIX, 823 6 XX, 568 p.
Naitanä, üosiäi, Diis 120. —.

Pnxaii, I-., Ddö art ol LlioliöüXnZ'ölo Buonarroti
as illustiatsä t>z- tdö various ooltöetions in tds Britisti
Unssuin. IVitli ittustiations anä a Irontispisos bz- tbö
autbor. 1988. I,öx.-8". üonäonsLsrtiu, Lübl). 21b, 30.—.
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bani ksntatöuob. 20 lolio laesiinits xtatss vitb
ässorixtivs löttsixisss in üorttolio, I-onäon, Xsbsr
L Oo. 3, 3 sb. —.

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kerv)-, 6., Dbö P^xss ol Aiesb Ooins. Witb 16 auto-
tz-xs klatss, oontainin^ xbotoKiaxbs ol ooins ok alt
parts ol tbö Aissb voilä, Loz-. 4". OainbiiäAö, Ilni-
vsrsitz- kress. 31 sb. 6 ä.
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