Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 26.1915

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Mitteilungen aus ausländischen Kunstzeitschriften

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brauchen, um die ganze Schönheit solcher Verstümme-
lungen zu vergessen, desto inniger und fruchtbarer unser
geistiges Eigentum.

Des weiteren berichtet Jac. van den Bosch über Wand-
malereien des R. N. Roland Holst im Gebäude der
»Nederlandsche Heide -Maatschappy« in Arnheim. Sie
stellen sechs Ochsen vor einem Pfluge dar und bilden ein
dekorativ wirkungsvolles Ganzes.

Die Kunstnachrichten der Nummer beziehen sich auf
die Ausstellung in Amsterdam, veranstaltet aus Anlaß
des Todes von Albert Neuhuys, die Ausstellung der Un-
abhängigen in Amsterdam, die Ausstellung des Laren-
schen Kunsthandels daselbst usw. Aus Rotterdam wird
berichtet über eine Ausstellung von Werken des A. van
Dosterzee, aus Brüssel über die Eröffnung (am 10. Januar!)
der Sammlung de Grez (alte holländische Zeichnungen
von großer Bedeutung) im Alten Museum daselbst. Frans
Vermeulen schreibt über die bedeutenden Erwerbungen
an Haager Porzellan, die vom Haager Städtischen Museum
gemacht wurden.

Die Gazette des Beaux Arts vom Juli 1914 (56«
Annee, II« semestre), bringt viel Interessantes. Edmond
Pottier, Mitglied des Institut de France, bringt Beiträge
zur Kenntnis der griechischen Keramik, wobei u. a. Ab-
bildungen von einer archaischen böotischen Schüssel im
Museum in Berlin und Vasen aus dem Louvre gegeben
werden.

Wunderschön wirkt die Abbildung des bekannten Altars
von Parodi in der Kirche San Antonio in Padua, die
einen Aufsatz begleitet, den Fräulein Florence Ingersoll
Smoux der genuesischen Plastik des 17. Jahrhunderts,
Pierre Puget, Filippo Parodi und ihren Zeitgenossen wid-
met. Auch von dem St. Sebastian und dem St. Ambrosius
von Puget in der Kirche S. Maria di Carignano zu Genua
finden wir bei diesem Aufsatz Abbildungen. Von Gaston
le Breton bringt die Lieferung eine Studie über den Maler
Jacques Antoine Marie Lemoine (1751—1824) aus Rouen,
dessen hier reproduzierte Zeichnungen überaus gut gelungen
sind und uns mehr gefallen als seine Gemälde.

Bekanntlich hat Eugene Delacroix einige Zeit in Algier
und Marokko verbracht, nämlich vom Dezember 1831 bis
Juli 1832. Maurice Tourneux publiziert nun eine an diese
Reise anknüpfende bisher unbekannte Lithographie, datiert
1833 und mit der Aufschrift: »Muletiers de Tetuan«. Die
Behandlung ist ziemlich oberflächlich: es ist kein bedeuten-
des Werk.

Weit interessanter ist der folgende Aufsatz von Henri
Clouzot über gemalte Tapeten aus der Napoleonischen Zeit.
Viele schöne Abbildungen sind da beigefügt; am meisten
gefiel uns die »Psyche au bain«, eine große, in grau ge-
haltene Tapete nach einem Entwurf von Louis Lafitte,
1814 in der Werkstatt von Joseph Dufour ausgeführt und
heute in der Sammlung des Herrn Desfosse.

Paul Jamot bringt in dieser Nummer seinen dritten und
letzten Aufsatz über die Sammlung Camondo im Louvre-
Museum. Es werden hier die Gemälde und Zeichnungen
behandelt. Abgebildet sind zwei Bilder von Claude Monet:
»Le Bassin d'Argenteuil« und der Dom zu Rouen, weiter
Werke von Sisley und Pissarro usw., von Cezanne das
bekannte Gemälde: »La Maison du Pendu«.

Auch von der Folge »Les Salons de 1914« finden wir
hier den letzten Teil, von J. F. Schnerb, wobei abgebildet
sind ein Porträt eines Fräuleins B. von L. Bonnat, dekora-
tive Stücke von Jean Paul Laurens, Skizzen in Gouache-
Technik, die uns Blumenspiele vorführen usw. Von Ernest
Laurent gibt es auf dieser Ausstellung ein Porträt von Mme
P.; J. A. Joets schickte das Bild seiner Mutter; Gustave
Pierre ein Genrestück, »Repas sous le Reau«, und M™e M.

Smith-Champion das Bildnis eines jungen Mädchens. Auch
diese Werke finden wir in der Gazette reproduziert.

Auf die »Chronique musicale« folgt die Rubrik »Biblio-
philie«, worin Bernhard Naudin die Illustrationen bespricht,
die Clement Janin geschaffen hat zu dem bekannten Buch
»L'Homme, qui a perdu son ombre« (der Mann, der seinen
Schatten verloren hat). Einige der abgebildeten Zeichnungen
machen einen außerordentlich tüchtigen Eindruck.

In der Juli - Nummer des Burlington Magazine
schreibt Sir Lionel Cust über zwei Gemälde von Pieter
de Hooch in der Sammlung des englischen Königs. Die
beiden de Hoochs im Buckingham-Palast sind weltberühmt;
von ihnen soll hier nicht die Rede sein. Im Jahre 1816
kaufte der Prinzregent »A garden scene by Pieter de
Hooge«; viele Jahre blieb dieses Bild verborgen in
einem Privatzimmer in Windsor Castle, bis es nach dem
Tode des Königs Eduard einen anderen Platz bekam, wo
es allgemeiner betrachtet werden konnte. Bald danach
erschien eine Abbildung davon in dem großen Werk über
die Gemälde in Windsor Castle, unter Custs Aufsicht
herausgegeben von der »Fine Arts Publishing Company«.
Das Bild stellt den Garten eines reichen holländischen
Patriziers dar. In der Ecke links steht eine Gruppe
von drei Damen und einem Herrn. Diese selben Per-
sonen glaubt der Verfasser zu sehen in einem Bilde, das
vor kurzem in der Sammlung Borden in New York war.
Diesmal sind sie beisammen auf einer Terrasse und musi-
zieren. Sehr eigentümlich ist, daß der Teppich, welcher
den Tisch bedeckt, nochmals vorkommt auf einer »Musi-
zierenden Gesellschaft« Pieter de Hoochs im Königlichen
Palais »Hampton Court«. Auf den beiden letzten Gemälden
sieht man auch denselben Hund, so daß ein enger Zu-
sammenhang zwischen den drei von Cust angeführten
Bildern bestehen soll. Nach der Meinung des Verfassers
gehören sie auch stilistisch derselben Periode an, der
ersten Zeit nach de Hoochs Übersiedlung von Delft nach
Amsterdam.

Dieser Aufsatz gibt dem Verfasser Anlaß zur Bespre-
chung der kürzlich erschienenen de Hooch-Monographie
von Arthur de Rudder in der Serie Collection des Grands
Artistes des Pays-Bas (Verlag von van Oest, Brüssel 1914).

W. R. Lelhaby schreibt über den Anteil, den Suger;
der 1140 die berühmte Kirche in S. Denis gebaut hat, an
der Entstehung der mittelalterlichen Ikonographie gehabt
hat. Anlaß zu des Verfassers Bemerkungen gab ein Aufsatz
von Emile Male in der »Revue de l'art ancien et moderne«.

Von den neuen keramischen Funden bei den Ausgra-
bungen zu Rhages in Persien erzählt Charles Vignier. Ver-
schiedene sehr schöne Beispiele der sogenannten Samarra-
Keramik sind in diesem Aufsatz abgebildet.

H. P.Mitchell macht Bemerkungen über einige Limoges-
Arbeilen eines unbekannten Meisters, und G. F. Hill setzt
seine Serie über italienische Plaketten fort, wobei sechs
schöne Exemplare abgebildet sind.

Im »Chäteau vieux« bei St. Germain hat man vor etwa
50 Jahren eine alte Kapelle aus dem 13. Jahrhundert wieder-
gefunden. Elsie Rosenburg besuchte das alte Schloß,
das jetzt als Museum eingerichtet ist und beschreibt die
schönen in Stein gehauenen Köpfe an den Schlußsteinen
des Gewölbes in der Kapelle. Der Direktor des Museums
Reinach hält sie für die Porträtköpfe Ludwigs XI. von
Frankreich und seiner Verwandten. Der Aufsatz im Bur-
lington Magazine bringt sehr gute Abbildungen nach vier
von den sieben Köpfen.

Eine Farbendrucktafel enthält diese Nummer nach dem
chinesischen Teppich, der momentan im Kunsthandel bei
T. S. Larkin in London zu sehen ist. In der Kunstchronik
haben wir schon ausführlich darüber berichtet.
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