Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 26.1915

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Vermischtes

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fähig ist, und schließlich auf der Konstruktion eines Guß-
ofens mit eigenartiger Luftzufuhr und spiralförmiger An-
lage der Feuergänge. Alle nach dieser Methode von Elmqvist
selbst gegossenen Bronzewerke zeigen die persönlichste
Spur der formenden Künstlerhand, wie sie sonst nur das
Ton- oder Wachsmodell aufweist. Höchst bemerkenswert
sind namentlich die Vasen mit ihrem reizvollen naturali-
stischen Dekor und herrlichen Farbenspiel, das seine Gattin,
die Malerin Erna Wichmann-Elmqvist, auf der un-
berührten Gußhaut durch Behandlung mit Säuren hervor-
zurufen versteht. — Frau Elmqvist stellt intim studierte
Blumenstudien und Gartenbilder aus, deren Motive meist
der Umgebung von Florenz entlehnt sind. — Sehr anspruchs-
voll tritt William Straube mit zahlreichen, oft gewalt-
tätigen Farbenkompositionen auf; Albert Gart mann
fesselt durch Bildnisse, Stilleben und Landschaften, während
LeoKlein-Diepold flott gemalte Dünenansichten, sowie
Park- und Gartenbilder beigesteuert hat. b.

Aus dem Düsseldorfer Kunstleben. Die Nachlaß-
ausstellung des Malers Jakob Thiesen, über dessen Helden-
tod im Westen hier berichtet worden ist, wirkte tragisch
auch dadurch, daß eine noch ganz in Fluß befindliche Ent-
wicklung ein vorzeitiges Ende fand, ohne daß sie Werke vom
vollen Gewichte absoluten Kunstwertes gezeitigt hätte.
Der Dreißigjährige, der es sich gewiß nicht leicht gemacht
hatte, versprach noch so viel, und es ist nicht wenig, was
er bereits erfüllen konnte. Etwas Sprödes und Herbes,
das in Hodler, dem er gelegentlich nacheiferte, Verwandtes
fühlte, ist das Persönlichste bei Thiesen; nicht ohne Rauheit
ist auch das Malerische. Ein großes Gemälde »Feierabend«,
ein Bildnis der Eltern, schlichter Winzer vom Abhang des
Siebengebirges, ist das Geschlossenste, was Thiesen hinter-
lassen hat. Auch einige Bildnisse von Künstlern wirken
überzeugend. — In der Städtischen Kunsthalle folgte dann
die Jahresausstellung der »Freien Vereinigung Düsseldorfer
Künstler«. Guter Durchschnitt, nicht viel mehr. Fritz
von Wille, Artur Wansleben, Hugo Mühlig und Fritz Reusing
sind in ihrer bekannten Art vertreten. Der Landschafts-
und Tiermaler Adolf Lins fiel durch das intime Bildnis
eines jungen Mädchens auf, der Genremaler Fred. Vezin
durch kleine, delikat gemalte Landschaftsbilder. Es ist be-
greiflich, daß in Düsseldorf, der Stadt der Kunstspezialisten,
solche Seitensprünge, wenn sie glücken, wahrhafte Freude
bereiten. — In den städtischen Kunstsammlungen ist als
Geschenk die große Bronzegruppe »Abschied« von Gregor
von Bochmann d. J. aufgestellt worden, eine ergreifende
Huldigung an diese stärkste Hoffnung der Düsseldorfer
Plastik. Auch dieser Künstler fiel bekanntlich als Opfer
des Weltkrieges. — In der Akademie hatte Professor Adolf
Münzer zur Besichtigung eines riesenhaften Deckengemäldes
eingeladen, das er für den Festsaal des Regierungsgebäudes
in Auftrag erhalten hat. Der fertiggestellte Teil der Lein-
wand stellt eine Huldigung von Rhein und Mosel vor
Deutschland, verkörpert durch die wehrhafte Figur der
Germania, dar. Über die farbige Wirkung läßt sich erst
etwas sagen, wenn auch die andere Hälfte des Plafonds,
eine Verherrlichung von Kunst und Dichtung, vollendet
und das Ganze an den Bestimmungsort verbracht worden
ist. Viele Vorstudien, männliche und weibliche Akte in
Rötel, zeugten von gewissenhaftester Vorarbeit. c.

Venedig. In diesen Tagen wurde eine Skizzenaus-
stellung der venezianischen Künstler geschlossen die recht
erfolgreich gewesen war. Zweck derselben war, den Künst-
lern in diesem kritischen Moment zu helfen; sie war von

einigen bessergestellten Künstlern arrangiert worden: Lau-
renti, Braas, Zanetti-Zilla und Sartorelli, die ihr Bestes
daransetzten, einen Erfolg zu erzielen. Ungefähr 500 Werke
waren in einem Saale des Hotel Vittoria ausgestellt, meistens
gute Arbeiten, wenn auch nichts Neues. Alle besseren
Künstler hatten ihre Werke gesandt, und mehrere hatten
sie geschenkt zugunsten der Armeren. Es war der erste
Versuch, den man in Venedig machte, um den Künstlern,
die am meisten zu leiden haben, in diesen schweren Zeiten
zu Hilfe zu kommen.

In der »Galleria Internazionale d'Arte Moderna« im
Palazzo Pesaro, die von dem tüchtigen Kunstkritiker
Dr. Nino Barbantini geleitet wird, sind acht Werke des
interessanten, geschätzten Bildhauers Medardo Rosso unter-
gebracht worden. Drei von diesen Werken wurden von Frau
Etha Eless geschenkt, eins von der Gemeinde Venedigs
gekauft, und die andern von dem Künstler selbst geschenkt.
Man ist hier, und mit Recht, sehr zufrieden, Werke von
diesem so viel erörterten, originellen Künstler zu besitzen.

Teodoro Wolf-Ferrari.

Der Verband deutscher Illustratoren wird in diesem
Jahre in Berlin eine eigene Ausstellung veranstalten, da
sich die Teilnahme des Verbandes an der Großen Berliner
Kunstausstellung, die bereits gesichert schien, nicht ermög-
lichen ließ. Auf seine Eingabe um Bewilligung des Saales
erhielt der Vorstand den Bescheid, daß der Großen Ber-
liner Kunstausstellung selbst nur ein Drittel der Räume
des Landesausstellungsgebäudes zur Verfügung steht, da
der übrige Teil militärischen Zwecken dienstbar gemacht
ist, und daß aus diesem Grunde von Gruppen-Ausstellungen
Abstand genommen werden muß. Der Illustratoren-Verband
wird daher seine Ausstellung im Berliner Künstlerhause
im Monat Oktober und der ersten Hälfte des November
veranstalten.

VERMISCHTES
Die Arbeiten für die Antwerpener Stadterweite-
rung. Geheimer Oberbaurat Dr.-Ing. Stübben, der 1907
vom belgischen König Leopold beauftragt wurde, einen
Grundplan für die Erweiterung der Stadt Antwerpen aufzu-
stellen, veröffentlicht im Zentralblatt der Bauverwaltung
eine Reihe der Pläne, eigener und fremder, die nun bei
der großzügig geplanten Erweiterung der Stadt auf
Ausführung warten. Es handelt sich zunächst um die
Bebauung derjenigen Teile der bisherigen Stadtumwallung,
deren Ausnutzungsmöglichkeiten geklärt sind. Die Pläne,
die Stübben in Gemeinschaft mit dem Ingenieur De Heem
geschaffen hat, waren zur Ausführung in Angriff genommen.
Die förmliche Feststellung, wozu die Beschlußfassung der
beteiligten Gemeinden und die Königliche Genehmigung
erforderlich ist, hatte aber noch nicht in allen Teilen statt-
gefunden. Der am Scheidekai zunächst zu erfüllende wich-
tige Programmpunkt betrifft eine zu schaffende Aussichts-
höhe. Es soll eine Plattform in Eisenbeton werden, die
hoch über dem Kai mit freiem Ausblick flußauf und -abwärts
Fußgängern und Wagen zur Verfügung steht, und zu der
Rampen hinaufführen. Dann ist eine große Ringstraße in
Aussicht genommen, die südlich herum führt. Einzelne der
inneren Bastionen sind zu öffentlichen Park- und Sportan-
lagen bestimmt. Eine Staffelbauordnung ist in Arbeit. Die
Blockbildung ist im allgemeinen auf das Rechteck gerichtet.
Ein Fort, das alte Fort de Deurne, soll in eine Klein-
haussiedlung umgewandelt werden mit Ein- und Zwei-
Familienhäusern.

Inhalt: Fliegerbomben übet Kolmar! - Prof. Dr. Georg Anton Weber ti Prof. Johannes Koch t; Walter Crane ti Marcel Reymond f. —
Personalien. — Denkmalpflege in Venedig. — Grabdenkmal für Paul Heyse. — Die Preismünze der Stadt Leipzig für die Bugra 1914. —
Krieg und Kunst. — Ausstellungen in Berlin, Köln, Düsseldorf, Venedig. — Vermischtes.

Verantwortliche Redaktion: Gustav Kirstein. Verlag von E. A. Seemann, Leipzig, Hospitalstraße IIa
Druck von Ernst Hedrich Nachf., g. m. b. h., Leipzig
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