Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 26.1915

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Personalien

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zunächst in Polen, später in den Karpathen, wo er jetzt
im 39. Lebensjahre den Heldentod fand. Brenner war
Rheinländer, stammte aus Wiesbaden, wo er auch zu-
letzt seit 1911 als Direktor des Landesmuseums nassaui-
scher Altertümer als Nachfolger von Professor Dr. Ritterling
tätig war. Brenner hatte seine praktische Ausbildung sich
in Frankfurt a. M. und vor allem in Mainz erworben. In
Mainz war er längere Zeit unter Direktor Dr. Schuhmacher
an dem Römisch-Oermanischen Zentralmuseum beschäftigt,
um dessen Ausbau und Förderung er sich reiche Verdienste
erworben hat.

In New York ist der hervorragende deutsch-amerika-
nische Bildhauer Karl Bitter gestorben (geb. 6. Dez. 1867).
Bitter, der Deutsch-Oesterreicher von Geburt war und
50 Jahre alt geworden ist, hat sich in Amerika mit seinen
dekorativen, schwungvollen Arbeiten einen bedeutenden
Namen gemacht. In seiner Vaterstadt Wien war Bitter
Schüler von August Kuehne und Hellmer gewesen und dann
mit 25 Jahren ausgewandert. Drüben begründete sein Sieg
im Wettbewerb für die Bronzetüren von Richardsons New
Yorker Trinity Church seinen Ruf. Bitter schmückte dann
Hunts Verwaltungsgebäude der Weltausstellung Chicago
mit seinen Bildwerken, und von ihm stammte auch der
plastische Teil der Ausstellungen in Buffalo und St. Louis.
In New York sind seine Hauptwerke die Karyatiden am
Metropolitanmuseum und das Reiterdenkmal des Generals
Franz Sigel. Vanderbilt hat ihn an seinen Häusern in
New York und Baltimore beschäftigt. In letzter Zeit ver-
wandte Bitter den großen Einfluß, den er im Kunstleben
der Vereinigten Staaten hatte, zur Lösung städtebaulicher
Fragen. Er gab auch den Anstoß dazu, daß unter der
Präsidentschaft Roosevelts Kunstbeiräte geschaffen wurden,
die überall bei Errichtung öffentlicher Gebäude mitsprechen.
Er besaß zahlreiche goldene Medaillen und viele Ehrentitel.

PERSONALIEN
Arthur Kampf ist endgültig mit der Nachfolgerschaft
Antons von Werner betraut worden. Schon als er kurz
nach Werners Tode das Amt des Akademiedirektors ver-
tretungsweise übernahm, zweifelte niemand, daß damit nur
einer Form genügt werden sollte, und es ist gut, daß die
definitive Anstellung so bald erfolgt ist. Es ist kein leichtes
Amt, das Kampf übernommen hat, denn Werner hinterließ
die Hochschule in einer solchen Verfassung, daß es nur
schwer gelingen kann, durchgreifenden Wandel zu schaffen
und dem Geist unserer Zeit an allen Stellen Einlaß zu ge-
währen. Manch einer hätte daran ,von vornherein ver-
zweifelt und darauf verzichtet, sich der wenig Dank ver-
sprechenden Aufgabe zu unterziehen. Wenn Kampf die
Bürde des Amtes auf sich genommen hat, so soll nicht
mehr gefragt werden, ob die Wahl den rechten Mann ge-
troffen hat. Er wird es nun zu erweisen haben, ob er es
gewesen ist.

Kampf hat immer versucht, ein Vermittler zu sein. Er
gehörte zu keiner Partei und war keiner ein erklärter Feind.
Diese Stellung ließ ihn von vornherein geeignet scheinen für
den Platz, den Werner so sehr zu einem Mittelpunkt krie-
gerischer Reaktion gestaltet hat, und diese Stellung wird
es ihm möglich machen, auf allen Seiten seine Mitarbeiter
zu suchen. Aber nun wird es doch notwendig sein, Farbe
zu bekennen. In der Wahl der Lehrer, die Kampf an die
Hochschule berufen wird, muß ein Programm sich aus-
sprechen, da fast jeder Name, der überhaupt in Frage kommt,
eine Partei bezeichnet.

In der Zeit seiner provisorischen Amtsführung hat
Kampf sicherlich Zeit gehabt, ein Programm aufzustellen, und
es wäre unrecht, mit Anregungen von außen ihm vorgreifen
zu wollen. Aber das darf und muß gesagt werden, daß

wir von der neuen Hochschule erwarten und verlangen,
daß sie von nun an versuche, in jedem Betracht die erste
im Reiche zu sein. Die Dresdener Akademie bemühte sich
um Klinger, dann um Slevogt. Beide lehnten ab. Aber
ihre Berufung zeigte doch, daß man in Dresden den Willen
hat, die besten Kräfte der Hochschule zu werben. Klinger
wie Slevogt sind nicht Künstler, die dazu geschaffen sind,
als Lehrer zu wirken. Es ist zweierlei, selbst ein Meister
zu sein und die Fähigkeit der Mitteilung zu haben. Aber
unter den Jüngeren wie unter den Alteren sind genügend
Kräfte frei, Künstler von Namen und Ruf aus der älteren
Generation und andere aus der jüngeren, deren eigenes
Schaffen darauf schließen läßt, daß sie das Talent besitzen,
zur Kunst zu erziehen.

Kampf wird viele Widerstände zu überwinden haben,
wenn er versuchen wird, in diesem Sinne die Hochschule
zu erneuen, und es ist sicher, daß er Zeit dazu brauchen
wird. Aber man sollte denken, daß gerade die Epoche
des »Burgfriedens« wie keine andere geeignet ist, die ersten
entscheidenden Schritte zu tun. Von ihnen wird alles
übrige abhängen. Sind sie gelungen, so muß es möglich
werden, das Werk zum guten Ende durchzuführen.

Gotthardt Kühls Nachfolger an der Dresdner
Kunstakademie. Nachdem Max Klinger erklärt hatte,
daß er eine etwaige Berufung an die Kgl. Kunstakademie
in Dresden nicht annehmen würde, schlug der akademische
Rat als Nachfolger Kühls den Berliner Maler Max Slevogt
vor. Dieser aber lehnte ab, da er nicht beabsichtige, eine
Lehrtätigkeit zu übernehmen. Nunmehr hat der akademische
Rat beschlossen, der Regierung den Dresdner Maler Prof.
Robert Sterl als Nachfolger Kühls und damit als Vorstand
eines akademischen Meisterateliers vorzuschlagen. Dieser
Beschluß ist ganz besonders zu begrüßen, denn einerseits
steht Sterl mit Bantzer und Gußmann jetzt tatsächlich in
der ersten Reihe der Dresdner Maler, und andererseits steht
Sterls Malweise in der geraden Linie der Kühischen, nur
daß sie freier, lockerer und geistreicher ist als diese. Man
kann sagen, daß sie Kühls Malweise in einer bedeutsamen
Weise weiter entwickelt. Damit wird die Überlieferung
ohne Bruch, aber auch ohne Stillstand weitergeführt. Das
ist sicherlich im Interesse der Dresdner Kunst, die in den
letzten hundert Jahren zwei- bis dreimal durch neue Be-
rufungen plötzlich auf einen ganz neuen Boden gestellt
wurde, so daß der älteren Künstlergeneration der Boden
unter den Füßen weggezogen wurde. Überdies ist Sterl,
der bisher in der Malklasse lehrte, ein ausgezeichneter
Lehrer, und das ist schließlich bei einer künstlerischen
Lehranstalt die große Hauptsache, die bei Berufungen
nie aus den Augen gelassen werden sollte. Sterls Berufung
bedeutet daher, in jeder Beziehung einen wertvollen Ge-
winn für die Dresdner Akademie. — Robert Hermann
Sterl wurde am 23. Juni 1867 in Großdobritz in Sachsen
geboren; er war Schüler der Dresdner Akademie, besonders
von Ferdinand Pauwels. In seiner Malerei hat er sich
von dessen Malweise immer weiter entfernt und sie auf
impressionistischer Grundlage in glänzender Weise selb-
ständig entwickelt. Namentlich hat er ausgezeichnete Bild-
nisse gemalt, Szenen aus dem Leben der Steinbrecher in
der Sächsichen Schweiz, Bilder aus Rußland, Schuch und
Nikisch als Dirigenten u. a. ^

Am 30. April kann Franz von Defregger in voller
körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag
begehen. Der Jubilar, auf dem Ederhof zu Stronach bei
Dölsach in Tirol geboren, ist, wie bekannt, erst verhältnis-
mäßig spät zur Kunst gekommen, hat aber dann sehr rasch
seinen Stil gefunden, der ihm in unverhältnismäßig kurzer
Zeit internationale Berühmtheit eintrug und eine Popularität,
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