Zeitschrift für christliche Kunst — 22.1909

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1909. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 2.

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doch nicht vor, und auch in der Komposition
wirken die Glasgemälde bei weitem erfreulicher
als die Tafelbilder. Dazu stört auch nicht
die grünliche, trübe Farbe, die der Maler Dayg
gebraucht; der kräftige Ton der blauen und
roten Gläser läßt die Zeichnung besser er-
scheinen, als sie eigentlich ist.

Ihrem ganzen Charakter nach sind die
Scheiben relativ früh zu datieren: Schon der
Mangel an monströsen Übertreibungen läßt
darauf schließen, und der Typus des Welten-
richters, der stark an Schäuffelein erinnert.
Da nach den Urkunden die Tätigkeit Daygs
als Glasmaler hauptsächlich in die Zeit vor
1510 und nach 1540 fällt, so sind nach alle-
dem die Maihinger Scheiben wohl in die erste

Periode zu setzen. Vermutlich sind sie am
Ende dieser Periode, ums Jahr 1510 entstanden.
Der ziemlich ausgeprägte Stil läßt eine frühere
Datierung kaum zu, außerdem scheinen mir
die Scheiben dem Heilsbronner Marienaltar
sehr nahe zu stehen, der 1511 datiert ist.
Auf dem Miserikordienbild dieses Altars, das
am meisten für Daygs Stil in Betracht kommt,
finden sich dieselben Typen, dieselbe Art der
Modellierung und Faltengebung.

Für eine künftige Monographie über Seba-
stian Dayg, die wahrscheinlich viel neues
zu Tage fördern würde, dürften die Mai-
hinger Scheiben wohl nicht ganz ohne Be-
deutung sein.

München. Johannes Schinnerer.

Miniaturen aus einem Antiphonar des Kölner Klarenklosters.

las Kestner-Museum in Hannover
bewahrt unter Nr. 77 ein Chor-
buchblatt aus dem XIV. Jahrh.,
43V2 cm lang, 30 cm breit. Es
beginnt mit den Worten: darum tuum nimis.
In den beiden unteren Zeilen sind ein paar
Buchstaben durch die Tinte ausgefressen. Auf
der linken Seite befindet sich in der Mitte
eine sehr hübsch ausgeführte Miniatur des
Buchstabens N des Wortes Nullum. Sie stellt
die beiden Heiligen Katharina (kenntlich am
Rade, links, Schwert, rechts, und Märtyrerkrone)
und Barbara (mit dem dreifenstrigen Turme
auf der rechten Hand und der Palme in der
linken Hand) auf verziertem Goldgrund dar.
Zur Seite ist eine betende Nonne in Klarissen-
tracht (braunes Gewand und schwarzerSchleier).
Die Miniatur läuft nach oben und nach unten
in Bordüren aus, die mit rotem, grünem und
gelbem Laub die Seite umranken. Unten
rechts sitzt auf einem grünem Blatte ein weißer
Vogel mit rotgeflecktem Kopfe. Oben und
unten befinden sich auf dem Rankenwerk
hübsche Drolerien.

Dieses Blatt war in Hannover, ohne daß
sichere Tatsachen dafür angeführt werden
konnten, als kölnischen Ursprungs angesehen
worden. In der Tat erinneren Anlage und
Ausführung des Stückes sehr an die Miniaturen
aus einem Antiphonar des Kölner Klaren-
klosters, über welche Aldenhoven in seiner
Geschichte der Kölner Malerschule') berichtet.

i) S. 35/86.

Aber ein Vergleich des Blattes mit diesen
Miniaturen ergab, daß angesichts des erheb-
lichen Größenunterschiedes nicht an die Zu-
gehörigkeit zur selben Handschrift zu denken ist.

Dagegen bewahrt das Wallraf-Richartz-
Museum drei andere Blätter, die in der Größe
so ziemlich übereinstimmend, auch in Aus-
führung und Stil eine große Ähnlichkeit mit
der Miniatur des Kestner-Museums zeigen.

Das erste von diesen Blättern beginnt:
Alleluia, Benedicite omnes angeli. Mitten auf
dem Blatte steht in roten Buchstaben: in
Nativitate s. Francisci. XXIIII. Die Miniatur
ist in dem Buchstaben G von Gaudeamus
enthalten und stellt die Anbetung Christi am
Kreuze dar; am Fuße des Kreuzes der hl.
Franziskus, kenntlich an den Stigmata, und
ein anderer Franziskaner. Links neben der
Miniatur eine betende Nonne in Klarissen-
tracht in derselben Ausführung wie bei der
Hannoverschen Miniatur, ebenso wie diese
ohne Namen. Unten finden sich als Drolerien
Hund, Hase, Löwe und Hirsch.

Ein zweites Blatt beginnt: cantica drag-
matis Evovae. Hodie nata est beata virgo
Maria. Demgemäß stellt auch die Miniatur
im Buchstaben H die Geburt Mariae dar:
S. Anna im Wochenbett; zur Seite wird Maria
voneinerFrauineinerBüttegebadet. Am Rande
der Miniatur stehen die Worte: Got grus dich
Maria royschin, bid din kint vroylchin, dat myn
vruntchin. Über dem unteren Rande der Bor-
düre der Name: soror Margareta Koynincsdorp.


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