Zeitschrift für christliche Kunst — 25.1912

Seite: 373
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/zchk1912/0209
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
373

1912.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. ] 1.

374

bestimmten9). Das Münster am See verdankt
dieser Erkenntnis die Klärung einer der Haupt-
schwierigkeiten in der Bauanlage des ersten
Architekten. Für seinen Plan die ganze Kirche
zu wOlben, habe ich früher folgende Gründe
angeführt: die genügende, durch zahlreiche
Verstärkungen und die Quadertechnik erhöhte
Mauerstärke, die der von Speier nahe und der
von Worms gleich kommt; diegroße Leichtigkeit
des Laacher Wölbsteines; die auf Steindecke
hinweisenden Bauglieder im Presbyterium,
Quer- und Langhaus; die technische und
formale Anlage des Klosterkreuzganges, end-
lich der schweiwiegende Umstand, daß der
Architekt nach 1113 den 3 m hohen Bau fort-

I

f) Es ist zu erwarten, daß diese Bauregel sich auch
an anderen romanischen Säulen- und Gewölbebasiliken
wiederfindet. Sie erklärt uns auch die bisher rätselhafte
Tatsache, warum die Interkolumnien in jedem Bau
verschieden sind.

führte mit der Absicht, ihn einzuwölben, ohne
weder an der Mauerstärke noch an den Ge-
wölbestützen irgend etwas zu ändern, was
doch ganz leicht hätte geschehen können.
Die Beweiskraft dieser Gründe wird nun noch
erhöht einerseits durch die Zehnzahl der Inter-
kolumnien, die dem Gewölbesystem angepaßt
ist und seine Entstehung zeigt, anderseits
durch die aus demselben System sich ergebende
Zahl der Fenster des Langhauses, worin die
den ganzen Bau beherrschende Grundzahl
30 wieder klar ausgesprochen wird. Zusammen-
genommen reden diese Gründe eine so mächtige
Sprache zugunsten des einheitlichen
Planes des Laacher Münsters, daß diese An-
nahme jeder anderen die Wagschale zu halten
imstande ist und ihr dauerndes Bürgerrecht
in der Kunstgeschichte beanspruchen kann.
Maria Laach. P. A dal bert Schippers,

O S.B.

Inschrift an der St Wolfgangs-Kirche zu Kreuznach.

(Mit Abbildung.)

n einem Strebepfeiler der zu Ende
des XV. Jahrh. gebauten St.-Wolf-
gangs-Kirche zuKreuznach,
mit der ein Franziskanerkloster
zusammenhing, steht in Manneshöhe unter
einer mit drei Fin-
gern vorweisenden
Hand die Inschrift:
hie est locus • secretus
(s. d. Abbildung).
Das Franziskaner-
klostrr wurde 1802
viiii der franzö-
sischen Regierung
aufgehoben. Das

EUostergebfiude
diente zunächst als
Militärhospital u.a.,
wurde 18' »i> dem
neuen College de Creuznach überlassen (zuerst
samt der Kirche laut Präfekturbeschluß: l'ancien
convent des recollets, eglise.cour et jardin", dann
ohne die Kirche), seit 1813 aber wieder als
t fürspanisrhe Kriegsgefangene und weiter-
hin als Mflitarhospital und Montierungskammer
benutzt, bil 1819 endgültig von der Preu-

ßischen Regierung das neugegründete Gym-
nasium in demselben untergebracht wurde.
In der Richtung der Hand befanden sich
lange Jahre die Aborte des Gymnasiums, bzw.
gewiß auch des früheren Militärgebäudes und

College. Aber in
dem anstoßenden
Turnplatz, früher
z. T. Garten, wur-
den viele Knochen
ausgegraben, und
die Inschrift zeigt
zwei ausgehauene
Stellen. Sie hat
unzweifelhaft ur-
sprünglich : hie est
locus- eonsecra/us ge-
lautet und vor
Verunreinigungdes
zum Kloster gehörigen Friedhofs gewarnt.
Pietätlos wurde sie nach Aufhebung des
Klosters und höchstwahrscheinlich gleich wäh-
rend der französischen Regierungszeit entstellt.
Die Kirche ist Eigentum der katholischen
Gemeinde geblieben.

Kreuznach. O. Kohl.
loading ...