Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 15.1899/​1900

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-^35> PERSONAL-NACHRICHTEN — KUNSTLITTERATUR <Ö£>s-

wird berichtet, um phantastische Darstellungen in
Böcklin'scher Art. Zu dem Sockel des Hauptposta-
ments führen sieben Granitstufen. ß10

— LEIPZIG. Der Direktor der hiesigen Akademie
für graphische Künste und Buchgewerbe, Geh. Hof-
rat Prof. Dr. Ludw. Nieper, wird im Hinblick auf sein
hohes Alter zum 1. Mai 1901 in den Ruhestand treten.

= STUTTGART. Graf Leopold von Kalch-
reuth ist für die nächsten zwei Jahre zum Direktor
der Kunstschule ernannt worden.

— MÜNCHEN. In das Lehrerkollegium der
Unterrichtsanstalten des hiesigen Künstlerinnen-
Vereins ist der Maler Heinrich Knirr eingetreten.

tz. DÜSSELDORF. Theodor Rocholl hatte
kürzlich zwei sehr bemerkenswerte Sonderausstel-
lungen bei Eduard Schulte veranstaltet. Die erste
umfasste die Vorarbeiten zu seinem grossen Ge-
mälde für Schloss Burg an der Wupper, welches
den denkwürdigen Besuch Kaiser Wilhelms II. da-
selbst, den feierlichen Empfang auf der Burg dar-
stellt. Es ist dies eine Reihe hochinteressanter
Porträtstudien. Alle damals anwesenden Persön-
lichkeiten sind sehr charakteristisch aufgefasst und
in der Rocholl eigenen energischen Zeichnung
gegeben. Mit der Ausführung dieses auch ge-
schichtlich wertvollen Repräsentativbildes ist der
Künstler jetzt beschäftigt. — Die zweite der ge-
nannten folgende Sonderausstellung umfasste einen
grossen Teil seiner Illustrationen zu dem im Er-
scheinen begriffenen Werke >Das deutsche Ross
in Geschichte, im Sang, Sitte und Sage« von Dr. jur.
Friedrich Carl Devens. Diese lebensvollen
Bilder zu der trefflichen, mit grösster Sachkunde
geschriebenen Geschichte des deutschen Rosses
offenbaren so recht Rocholls starkes künstlerisches
Temperament und seine besondere Begabung für
die Darstellung des Pferdes. Als Schlachtenmaler
par excellence ist Rocholl natürlich auch ein be-
rufener Pferdemaler und gerade die Aufgabe, das
Devensche Werk zu illustrieren, gab ihm Gelegen-
heit, sein ganzes Können auf diesem Gebiete und
seine ausserordentliche Vielseitigkeit zu zeigen. Die
ersten Lieferungen behandeln vorzugsweise die Ge-
schichte des Rosses in der germanischen Vorzeit. In
den Bildern Rocholls zu diesen Kapiteln, in denen er
das Leben unseren Altvordern im Haus, in Hof und
Feld, bei der Jagd und im Kriege, immer in Ver-
bindung mit dem edelsten und treuesten Haustier,
dem Rosse, schildert, zeigt der Künstler seine
starke, gestaltende Phantasie, seine eminente Dar-
stellungskunst. Auch enthielt diese Sammlung
schon viele Bilder zu dem noch im Manuskript be-
findlichen Teile des Devenschen Werkes, kultur-
geschichtlich und historisch interessante Episoden,
Bilder von deutschen Gestüten, Abbildungen be-
kannter Pferde u. s. w. Il!04l

<? KARLSRUHE. Im zweiundsechzigsten Le-
bensjahre verstarb kürzlich hier die bekannte Por-
trätmalerin Marie Gratz, deren zahlreiche Werke
einst hier sehr geschätzt wurden. Sie war eine
sehr fleissige und fruchtbare Künstlerin, der eine
fast unfehlbare Treffsicherheit, unterstützt von einer
soliden und in ihrer Art vollendeten Technik zu
Gebote stand. Auf höheren künstlerischen Quali-
täten ambitionierte ihre Kunst, der ein gewisser
nüchterner, fast sozusagen hausbackener Zug an-
haftete, durchaus nicht und dies verlangte auch die
von ihr porträtierte Gesellschaft, der ja — in be-
kannter Weise — die Aehnlichkeit des Darzu-
stellenden über alles ging, absolut nicht. Immerhin
war sie im hiesigen Kunstleben der älteren Gene-
ration ein wichtiger Faktor, bescheiden und an-
spruchslos in ihrem ganzen Wesen und ihrer durch-

aus soliden Kunstweise, die freilich keine in irgend
einer Weise hervorragende war. Sie war eine
Schülerin des sehr tüchtigen Genremalers K. F.
Schick und dann des grossen Wiener Meisters
Hans Canons, der ja bekanntlich von 1860—70 in
Karlsruhe lebte. Später schloss sie sich in Tech-
nik und Auffassung an Ernst Hildebrand, der von
1875 ab eine Professur in der Karlsruher Kunst-
schule bekleidete, sowie an Wilh. Fuessli an, was
ihrer fleissigen Kunst durchaus nicht zum Nachteil ge-
reichte. —- Der hiesige Kunstverein, der bis Oktober
in sein neues, geräumiges und prächtiges, durch
die Munificenz des kunstsinnigen Landesfürsten ihm
gewidmetes Heim übersiedelt, hat im verflossenen
Jahre fast 1500 Gemälde, 1000 Aquarelle, Radie-
rungen etc. und nahezu 100 plastische Werke zur
Ausstellung gebracht, von dem über 80 Kunstwerke
für beinahe 30000 M. angekauft wurden bei einer
stets steigenden Zahl von fast 1400 Mitgliedern. l61|l

= GESTORBEN: In Kissingen am 2. Juli der
Kunsthistoriker Professor Dr. Paul Lehfeldt, Kon-
servator der Kunstdenkmäler Thüringens. In Braun-
schweig am 13. August Professor Dr. Hermann
Riegel, der Direktor des dortigen Museums. I60']

KUNSTLITTERATUR

W. H. In St. Petersburg erschien kürzlich ein
Werk, das, wenn es nicht in russischer Sprache
geschrieben wäre, bei allen Kunsthistorikern und
allen Freunden der bildenden Künste die grösste
Anerkennung finden würde. ^Leonardo da Vinci
von A. L. Wolynskij ist ein Quartband von sieben-
hundertzweiundzwanzig Seiten mit sechs Heliogra-
vüren, vierunddreissig Chromo-Autotypien und zwei-
hundertfünfzig Autotypien. Da der Verfasser es sich
zur Lebensaufgabe machte, die Persönlichkeit Leo-
nardo da Vincis zu erforschen, so ist sein Werk eine
gründliche Schilderung der künstlerischen und
wissenschaftlichen Thätigkeit des Meisters geworden.
Es ist dies nicht nur eine ausführliche Lebensbe-
schreibung, sondern auch eine Schilderung von
Leonardo da Vincis künstlerischen und wissen-
schaftlich-philosophischen Arbeiten. Das Buch ist
vom Verleger A. F. von Mareks sehr gut ausge-
stattet und kostet nur 12 Rubel. I584!

= Radierungen, herausgegeben vom Radierverein
zu H'eimar,Jahrgang 1899. (Weimar, Selbstverlag des
Radiervereins. Ausgabe auf China 30 M., auf Kupfer-
druckkarton 20 M. per Jahrgang.) An den Stoffen, die
seitens der beteiligten Künstler für die heurigejahres-
mappe gewählt sind, kann man schon erkennen, dass
ein frischer, jugendlicher Zug die gemeinsame Arbeit
der Weimarer Radierkunst durchzieht. Im Thema
dominiert die Landschaft, in deren Behandlung
Max Asperger, Franz Bunke, v. Freytag-Loringhoven,
v. Gleichen-Russwurm, Th. Hagen, Alexander
Olbricht und der verstorbene Lorenz Wiest mit An-
erkennung zu nennen sind. Das Figürliche ist gut
durch Otto Fröhlich und Richard Starcke vertreten.

= Hans Barth. Est! Est! Est! Italienischer
Schenkenführer. (Oldenburg, Schulzesche Hof-
Buchhandlung A. Schwartz, 1 M.) In den Reise-
handbüchern findet man die italienischen Osterien
gar nicht berücksichtigt. Diese Lücken will dieser
Schenken führerer ausfüllen. Man merkt es bald diesem
Büchlein an, dass es ein deutscher Korpsstudent
geschrieben hat, der seit langen Jahren im Sonnen-
lande Italien heimisch ist. Gut orientiert, hat der
Verfasser dieses Führers sich bei allen durstigen
Kehlen ein grosses Verdienst damit erworben, dass
er ihnen sagt, was man am besten an diesem, was
an jenem Orte und wo überhaupt man trinkt. (579)

Redaktionsschlüsse 18. August 1900. Ausgabe: 30. August 1900.

Herausgeber: Friedrich Pecht. — Verantwortlicher Redakteur: Fritz Schwartz.
Verlagsanstalt F. Bruckmann a.-g. in München, Nymphenburgerstr. 86. — Bruckmann'sche Buch- und Kunstdruckerei in München,
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