Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 15.1899/​1900

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ARTHUR FITGER'S MALERISCHE SCHÖPFUNGEN

Künstler- nun
schaffe!

Qbige

(Nachdruck verboten)

Hielt ein Mäcen Decken gemalt und wandern aus seinem
den Genius Atelier direkt an ihren Bestimmungsort. Die
Ichen°ldnen J°" Werke können daher nicht vorher einem
DodTVlugel hat grösseren Publikum zugänglich gemacht wer-
er ihm und Fuss den; andrerseits aber überhäufen die nordi-
Und Herz gebro- sehen Städte, speziell die beiden Hansestädte
chen, Hamburg und Bremen Fitger in der Weise mit

Schaffe mein Aufträgen, dass ausser für diese beiden Vor-
orte des Handels eben nur wenig in Fitger's
Atelier entstehen konnte (so für Berlin, Olden-
|e Zeilen bürg und Meiningen, Frankfurt und Leipzig),
sind die und das erklärt wieder, warum die Werke Fit-
Schlussworte ger's eben nicht so weit über das deutsche
einesGedichtes Vaterland bekannt sind, als sie verdienen,
von Arthur Es ist nun die Absicht dieser Zeilen, in
Fitger. Wie diesem Sinne eine Ergänzung zu den auto-
ein Jammerruf biographischen Blättern Fitger's zu geben,
aus beengter um den Leser wenigstens mit einem kleinen
arthur fitger Brust muten Teil der Wunderblumen bekannt zu machen,

Nach der Bildnisbüste von a. Frische sie uns an, die Fitger mit vollen Händen ausstreut für

vielen streben- alle, die sich an ihrem Duft und ihrer Farbe
den Künstlern aus dem Herzen und aus der freuen wollen. Der folgende Bericht präten-
Seele gesprochen. Ich setze sie an die Spitze diert daher keineswegs, eine kritische Aus-
der folgenden Ausführungen als Warnung und einandersetzung zu sein. Er spricht von
Sporn. Als Warnung denen, die an goldene einem Stamm, der tausende schöner Blüten
Joche gewöhnt, sich in denselben wohl fühlen getrieben und sagt nur:
und ruhig weiter ackern, unbekümmert darum, „Das sind sie — nehmt sie hin."

dass sie zum Fluge geboren — als Sporn
und Trost denen, die zu erlahmen und zu
verzweifeln fürchten, da sie die Not zwingt,
einmal auch ihren Nacken unter das goldene
Joch zu beugen, das doch auch ein Mann
wie Fitger auf sich genommen.

Dass ein Künstler wie Fitger, der in so er-
greifenden Tönen sein Denken und Dichten
auszudrücken weiss, auch für sein Fühlen
und Sinnen, d. h. für die den Sinnen sich
offenbarende Seite seiner künstlerischen Be-
gabung den rechten Ausdruck zu finden weiss,
wird leider nicht allen Lesern dieses Blattes
genügend bekannt sein. Fitger, einer der
ersten lebenden Lyriker, zugleich der Dichter
der „Hexe", ist in seinen Werken als Maler
einem verhältnismässig kleinen Publikum be-
kannt. Der Gründe hiefür sind mehrere.
Zunächst steht er der Staffeleibild-Malerei
ganz fern und damit auch unserem heutigen
Ausstellungsleben. Fitger hat noch nie eine
Kunst-Ausstellung beschickt. Seine Begabung,
die auf das Grosse, Dekorative hingeht, hat
sich auch dieser Seite der Malerei zugewandt,
und so sehen wir ihn seit Jahrzehnten mit
einer Reihe von Aufgaben grossen Stils be-
schäftigt. Seine Bilder sind für Wände und aus dem atelier des Künstlers

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