Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 15.1899/​1900

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p^=ö> DIE ZWEITE AUSSTELLUNG

PERSONAL- UND

ATELIER-NACHRICHTEN

= PARIS. Adolf von menzel~wurde auf der
Weltausstellung durch die Verleihung der >grande
medaille d'honneur« geehrt. Zwanzig Ehren-Medaillen
für Werke der Malerei gelangten wie folgt zur Ver-
teilung: Frankreich: Henner,Cazin, Dagnan-Bouveret,
Harpignies, Hebert, Roll, Vollon. England: Orchard-
son, Alma-Tadema. Deutschland: Lenbach. Oester-
reich: Klimt. Belgien: Struys. Vereinigte Staaten
von Amerika: Whistler, Sargent. Spanien: Sorolla

KEIN HOLD L EP sids bildnis

y Bastida. Dänemark: Kroyer. Holland: Israels.
Norwegen: Thaulow. Russland: Seroff. Schweden:
Zorn. In der Abteilung für graphische Künste
wurden in derselben Weise ausgezeichnet: Frank-
reich: Bracquemont, Leopold Flameng, Achille
Jacquet, Patricot, Sulpis, Chauvel, Waltner, Laguil-
Iermie, Desboutin, Carriere, Cheret, Sirony. Deutsch-
land: Koepping, Hans Meyer und Forberg. England:
Cameron, Haig. Russland: Matthee. Vereinigte
Staaten von Amerika: Whistler, Pennel und Cole.
Niederlande: Bauer, Dupont und Witsen. Belgien:
Lenain. Schweden: Zorn. Schweiz: Piguet und van
Muyden. Türkei: Chatrine. Die sieben Ehren-
medaillen, die in der ersterwähnten Abteilung den
Franzosen zunelen, waren vielleicht, wie eine Korre-
spondenz der >Münchener Allg. Ztg.- bemerkt,
etwas reichlich bemessen, aber ihre Verteilung recht-
fertigt sich. Der hochbetagte Hebert ist zwar in
den letzten Jahren nur selten mit grösseren Werken
hervorgetreten, aber seine ganze Laufbahn war so
ernst und würdig, dass der Maler der Malaria und so
mancher tiefäugigen Madonnen diese Auszeichnung
ebensogut verdient wie Henner, dessen blendend-
weisse Akademien auf dunklem Grunde heute noch

ebenso tadellos aus seiner Hand hervorgehen wie vor
zwanzig Jahren. Dass in Harpignies ein epischer
und in Cazin ein lyrischer Landschaftsmaler von
hervorragendem Talent ausgezeichnet wurden, ent-
spricht dem hohen Stande dieses Kunstzweiges in
Frankreich. Auch das Stilleben wurde in dem
glänzenden Vollon mit Recht geehrt. Roll hat sich
sogar als Maler offizieller Festlichkeiten, wie der
Grundsteinlegung der Alexander-Brücke in Paris,
seine künstlerische Unabhängigkeit und Originalität
zu wahren gewusst. Dagnan-Bouveret endlich hat
neben seiner durchdringenden Darstellung breto-
nischer Volkstypen auch das Verdienst, die her-
gebrachten religiösen Stoffe bald mit mehr, bald
mit weniger Glück durch seine besonderen Be-
leuchtungseffekte erneuert zu haben. Unter den
ausländischen Ehrenmedaillen war die österreichi-
sche am wenigsten vorgesehen, denn sie fiel dem
noch wenig bekannten Wiener Secessionisten Gustav
Klimt zu, dessen grösstes Bild eine symbolistische
Malerei unter dem Titel »Die Philosophie« ist.
(Unsere Leser werden dies vielbesprochene Werk
in einer Abbildung des nächsten Heftes kennen
lernen.) Auch für Deutschland fiel nur eine Ehren-
medaille ab und diese hat Lenbach erhalten. Da
aber England und Amerika je zwei erhielten, hätte
man auch Deutschland eine zweite anweisen dürfen.
In Holland ist der alte Israels mit Recht ausge-
zeichnet worden. In Belgien erhielt der jüngere
Meister Struys die Auszeichnung, der so viel tiefen
religiösen Sinn in seine kräftig gemalte vlämische
Bauerninterieurs zu legen weiss. Der Schwede Zorn
hat seinen König grossartig und ein Bauernweib
mi; Kind noch grossartiger gemalt. Der Norweger
Thaulow ist zwar nur Landschafter, aber er ver-
dient die Auszeichnung mehr als seine Figuren
malenden Landsleute. Im Dänen Kroyer wurde
dagegen ein ganz hervorragender Porträtist ge-
ehrt, denn seine Kopenhagener Gelehrtenversamm-
lung steht den besten Gruppenbildern Rembrandts
nicht viel nach. England stellt den antikisierenden
Alma-Tadema, der schon oft bessere Sachen ge-
malt hat als sein Frühlingsfest, und den ausge-
zeichneten Porträtisten Orchapdson, Amerika den
launenhaften, aber genialen Porträtisten Whistler
und den eleganten und geschmeidigen Sargent.
Der Russe Seroff besitzt Kraft und ausgesprochen
slavischen Charakter, und der Spanier Sorolla y
Bastida ist ein lichtvoller Maler seiner lichtvollen
Heimat. [5+*!

= BERLIN. In den Vorstand der „Secession"
ist an Stelle des ausgeschiedenen Prof. Ludwig
Dettmann der Maler Prof. Franz Skarbina
eingetreten. Der Grund für den Austritt Dettmanns
waren Differenzen persönlicher Natur, dadurch ent-
standen, dass der Künstler seine im Auftrage des
preussischen Staates für die Ausschmückung des
Altonaer Rathauses bestimmten Gemälde in der
Grossen Berliner Kunstausstellung! zur Vorführung
gebracht hatte, was die >Secession- als unvereinbar
mit ihren Prinzipien erklärte. — In der Konkurrenz
um die malerische Ausschmückung des Sitzungs-
saales im Rathause zu St. Johann a. d. Saar kamen
sechszehn Entwürfe zur Einlieferung. Der erste
Preis (3000 M.) wurde dem Maler Wilh. A. Wrage
in Berlin zuerkannt, der zweite (2000 ALI dem Maler
O. Wichtendal in Hannover, der dritte Preis
(1000 M.) dem Maler Hans Koberstein in Berlin.

Für die Innenkuppel des neuen Domes, die in
acht mit Mosaikbildern zu schmückenden Felder
zerlegt werden soll, hat Prof. Anton von Werner
Skizzen entworfen, welche die Seligpreisungen der
Bergpredigt zum Vorwurf haben. I5-10)

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